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Wer stoppt die Faschisten?!

Zwei Jahre nach dem antisemitischen Anschlag auf die Synagoge in Halle vom 09. Oktober 2019 sind die Solidaritäts- und Betroffenheitserklärungen verklungen. An Jom Kippur (Versöhnungstag), dem höchsten jüdischen Feiertag, versuchte ein rechter Gesinnungsmörder in die Synagoge in Halle einzudringen. Nachdem die Tür der Synagoge ein Blutvergießen im Inneren verhinderte, erschoss er Jana L. vor der Synagoge und Kevin S. in einem Dönerladen. Diese Tat, gestreamt und gefeiert in rechten Netzwerken, führte uns allen den deutschen Antisemitismus in seiner Brutalität vor Augen. Ein Antisemitismus, der nicht 1945 und auch nicht 1990 zu Ende war, sich in der permanenten Bedrohung jüdischer Einrichtungen und Menschen zeigt und in Attacken auf Synagogen und Jüd*innen nur seine sichtbarsten Ausmaße annimmt.

Was jedoch sind die Schlussfolgerungen, die wir als Gesellschaft aus rechten Morden wie diesem in Halle oder ein halbes Jahr später in Hanau ziehen? Wer stoppt die Faschisten?

500 Menschen gingen mit uns am 09.11.2021 auf die Strasse, um diese Frage an die Gesellschaft zu stellen  und Klage gegen jene zu richten, die heute noch den Faschisten Rosen auf den Weg streuen.

+++ Mahnmal am Gänseliesel aufgestellt +++ Mahngang am 09.11.21 gemeinsam mit dem Roma Antidiscrimination Network und dem Verband jüdischer Studierender Nord Göttingen +++ Presseinformationen +++

+++ Bilder vom Aufbau der Tür +++ Bilder vom Mahngang +++

Flyer Mahngang (pdf)

Debattenbeitrag Rechte Gesinnungsmörder


Mahngang: Wer stoppt die Faschisten?

9. November 2021 | 19 Uhr (im Anschluss an die Gedenkstunde) | Platz der Synagoge | Göttingen

Zwei Jahre nach dem antisemitischen Anschlag auf die Synagoge in Halle vom 09. Oktober 2019 sind die Solidaritäts- und Betroffenheitserklärungen verklungen. An Jom Kippur (Versöhnungstag), dem höchsten jüdischen Feiertag, versuchte ein rechter Gesinnungsmörder in die Synagoge in Halle einzudringen. Nachdem die Tür der Synagoge ein Blutvergießen im Inneren verhinderte, erschoss er Jana L. vor der Synagoge und Kevin S. in einem Dönerladen. Diese Tat, gestreamt und gefeiert in rechten Netzwerken, führte uns allen den deutschen Antisemitismus in seiner Brutalität vor Augen. Ein Antisemitismus, der nicht 1945 und auch nicht 1990 zu Ende war, sich in der permanenten Bedrohung jüdischer Einrichtungen und Menschen zeigt und in Attacken auf Synagogen und Jüd*innen nur seine sichtbarsten Ausmaße annimmt. Was jedoch sind die Schlussfolgerungen, die wir als Gesellschaft aus rechten Morden wie diesem in Halle oder ein halbes Jahr später in Hanau ziehen? Wer stoppt die Faschisten?

Bereits zwei Jahre nach diesem rechten Anschlag konzentriert sich der Staat ausgerechnet in Halle lieber darauf, den 3. Oktober zu feiern – ein Tag, der mit der Wiedervereinigung im Licht eines erstarkenden Nationalismus steht, basierend auf dem Credo, aus der Geschichte gelernt zu haben und nun endlich wieder unbeschwert „stolz auf Deutschland“ sein zu dürfen. Für das Gedenken und Erinnern an die antisemitischen Verbrechen der Deutschen seien schließlich der 9. November, der 27. Januar oder ein Besuch in den tausenden Gedenkstätten da. Dabei wird jedoch nur allzu offensichtlich deutlich, dass die wiederholten Mahnungen und Erinnerungen am 9. November nicht ausreichen, um die Faschisten heute und in Zukunft zu stoppen. So wichtig und richtig das Gedenken am 9. November für das historische Bewusstsein ist, so sehr reichen die reinen Ritualisierungen nicht aus, die im Erinnern verhaftet bleiben ohne Schlussfolgerungen für das Heute zu ziehen. Im Gegenteil bestätigen sie, was konservative und reaktionäre Kräfte schon seit Jahren befeuern, um das „geläuterte Deutschland“ wieder stolz sein zu lassen: Die eigene Schuld wird mit regelmäßigen Erinnerungsritualen bekannt, die spätestens seit der Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker 1985 zum neuen deutschen Bewusstsein gehören. Durch Ritualisierungen wird der deutsche Antisemitismus zur Geschichte erklärt, womit die nicht-jüdischen Deutschen sich von der Schuld reinwaschen wollen. Nach dieser oftmals auch rassistischen Logik ist der heutige Antisemitismus nur nach Deutschland importiert. Jüd*innen kommen im mehrheits-deutschen Bewusstsein ausschließlich als Opfer der Schoah vor, nicht jedoch als antifaschistische Kämpfer*innen oder als lebendiger Teil der heutigen Gesellschaft. Immer mehr junge Jüd*innen verwehren sich, in diesem Gedächtnistheater die ihnen zugewiesene Rolle der Opferjuden einzunehmen und fordern zur Sichtbarmachung jüdischen Lebens in all seiner Diversität auf.

Roma, die im deutschen Faschismus genauso wie Jüd*innen systematisch ermordet wurden, kämpften noch bis 1982 um die offizielle, staatliche Anerkennung als Opfer des deutschen Faschismus, und viele kämpfen noch immer um ihre individuellen Entschädigungszahlungen. Ihnen kommt im staatlichen und gesellschaftlichen Gedenken bis heute meist noch nicht mal ein ritualisierter Platz zu. Stattdessen werden sie auch heute diskriminiert und attackiert, wie bei dem rassitischen Angriff in Hanau, bei dem drei der neun Ermordeten Roma waren. Roma mussten im Jugoslawienkrieg vor den Bomben einer „geläuterten“ deutschen Armee fliehen, und werden immer wieder aus Deutschland abgeschoben. Darunter befinden sich auch Nachfahren von in Konzentrationslagern ermordeten Roma. Auch als Lehre aus dem deutschen Faschismus fordern Roma schon seit Jahren ihre uneingeschränkte Bewegungsfreiheit und ihr Bleiberecht in Deutschland, doch auch hier bleiben Schlussfolgerungen des ritualisierten Erinnerns für heutiges Handeln aus.

Während Neonazis und rechte Gesinnungsmörder in Halle, Hanau, Kassel und anderorts Menschen ermordet haben, während Neonazi-Netzwerke wie der NSU oder der NSU 2.0 aufgedeckt wurden, während das rechte Hannibal-Schattennetzwerk in Verfassungsschutz, Polizei und Bundeswehr mehr und mehr enttarnt wird, entblödete sich der scheidende SPD Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler in seinen Reden zum 9. November nicht, immer wieder stumpfe und gefährliche Links-Rechts Gleichsetzungen anzustellen. Auch Niedersachsens SPD-Innenminister Boris Pistorius kündigte im Frühjahr 2021 kurzzeitig „das Verbot der Antifa“ in Niedersachsen an, von dem er jedoch aufgrund massiver öffentlicher Kritik zurückrudern musste. Zu Recht – denn wir stellen fest: Es sind immer wieder Antifaschist*innen, die Neonazis im Alltag zurück drängen, sie ans Licht der Öffentlichkeit zerren und mit wichtigen Informationen gegen sie aufwarten können.

Da wir das Erinnern an die Verbrechen des deutschen Faschismus richtig finden, uns aber die reine Ritualisierung und die mit ihr verbundene Reduzierung auf die Vergangenheit nicht ausreicht, gehen wir am 9. November nach dem Erinnern am Platz der Synagoge gemeinsam ein Stück weiter. Gemeinsam rufen wir als Roma, Jüd*innen und wir alle als Antifaschist*innen zu einem Mahngang nach der offiziellen Gedenkstunde auf. Bei diesem Mahngang werden wir an verschiedenen Stationen in Göttingen auf die fehlende Entnazifizierung und die endlosen Kontinuitäten nach dem deutschen Faschismus hinweisen. Denn wir wissen, wir werden bis heute angegriffen: Als Roma und Jüd*innen werden wir auf unterschiedliche Weise an einem freien und gleichberechtigten Leben in Deutschland gehindert und gemeinsam müssen wir die Faschisten stoppen. Beim Mahngang werden antifaschistische, jüdische und roma Perspektiven und Forderungen für das Heute zu hören sein!

 

Erinnern heißt Kämpfen: Entnazifizierung jetzt!

Solidarität mit allen Opfern des Faschismus –

Keine Abschiebungen aus unserer Stadt!

Kein Vergeben, kein Vergessen: Stoppt die Faschisten

auf der Straße, in Institutionen und Parlamenten!

Flyer (pdf)

Gemeinsam mit dem Roma Antidiscrimination Network und dem Verband jüdischer Studierender Nord Göttingen

 

 


Mahnmal am Gänseliesel aufgestellt

Zum 9. Oktober 2021, dem zweiten Jahrestag des Anschlags in Halle, stellten jüdische und andere Antifaschist*innen eine Tür in der Göttinger Innenstadt auf. Eine Tür, die daran erinnert, dass es eine stabile und massive Holztür war, die verhinderte, dass der rechte Gesinnungsmörder in die Synagoge eindringen und noch mehr Menschen ermorden konnte.
Wir fragen heute, zwei Jahre später:
Wer stoppt die Faschisten?
Wir fordern, dass diese Tür mindestens bis zum 9. November in der Innenstadt stehen bleiben wird, um unseren Mahngang bei der Tür im Heute enden zu lassen.


 


Presseinformationen

Unsere Presseinfo vom 07.11.2021

Mahngang: „Wer stoppt die Faschisten?!“
Gedenken und Handlungsaufruf in Erinnerung an  den 2. Jahrestag des antisemitischen Anschlags in Halle und den 9. November


Sehr geehrte Journalist*innen,

für den 9. November, den 83. Jahrestag der Nazi-Pogromnacht, rufen jüdische und andere Antifaschist*innen zu einem Mahngang im Anschluss an die Gedenkstunde am Platz der Synagoge in Göttingen auf. Wir bitten um Ankündigung und Berichterstattung

„Gedenken, das in der Vergangenheit verhaftet bleibt und keine Konsequenzen für das Jetzt und den Alltag zieht, ändert nichts!“, kritisiert eine Sprecherin der Göttinger Antifagruppe A.L.I.. Bereits zwei Jahre nach dem antisemitischen Anschlag auf die Synagoge in Halle vom 09. Oktober 2019 sind Solidaritäts- und Betroffenheitserklärungen verklungen, ohne dass etwas an der jahrzehntelangen Kontinuität und Brutalität des deutschen Antisemitismus geändert wurde. „Wer stoppt die permanente Bedrohung von Jüd*innen, Roma und weiteren Opfern des Faschismus?“, fragen sich die Antifaschistische Linke International (A.L.I.), der Verband Jüdischer Studierender Nord (VJSN Göttingen) und das Roma Antidiscrimination Network (RAN). Gemeinsam rufen die Initiativen dazu auf, das Gedenken am 9. November um einen antifaschistischen Gegenwartsbezug erweitern und im Anschluss an die Gedenkstunde am Platz der Synagoge gegen 19 Uhr zu einem Mahngang durch die Innenstadt aufzubrechen.

„Antifaschistische Geschichtspolitik gedenkt dem Kampf gegen den Faschismus und führt ihn fort, um weitere Opfer zu verhindern und eine solidarische Gesellschaft zu schaffen“, so eine Sprecherin der A.L.I. Gemäß diesem Motto werden die Redebeiträge an die Kontinuität rechter Morde und rassistischer Angriffe, rechte Netzwerke in Verfassungsschutz, Polizei und Bundeswehr, den erstarkenden Nationalismus, das Vergessen der Roma im gesellschaftlichen Gedenken sowie staatlich organisierte und alltägliche Diskriminierungen thematisieren.

Das antifaschistische Gedenken, das am 9. Oktober mit der Schaffung eines temporären Gedenkorts am Gänseliesel begann, wird am 9. November vor dem Nachbau der Synagogentur von Halle enden. „Wer stoppt die Faschisten!?“ ist am Ende des Mahngangs eine Aufforderung zum Handeln in der Gegenwart und im Alltag. Die Kunstinstallation geht nach dem Mahngang auf eine Reise durch Veranstaltungs- und Bildungsorte in Göttingen.


Mit freundlichen Grüßen,
Antifaschistische Linke International >A.L.I.<

 

 

Unsere Pressinfo vom 07. Oktober 2021:

Sehr geehrte Journalist*innen,


am frühen Morgen des heutigen Tages haben jüdische und andere Antifaschist*innen eine Kunstinstallation am Markt/Gänseliesel in Göttingen aufgestellt. Die unangemeldete Aktion nimmt den zweiten Jahrestag der Morde und des antisemitischen Anschlags gegen die Synagoge in Halle zum Anlass, einen Mahn- und Gedenkort an einem zentralen Platz der Stadtöffentlichkeit zu schaffen. Dazu haben die Antifaschist*innen jene Tür der Synagoge von Halle nachgebaut, die das Eindringen des rechten Gesinnungsmörders am 9. Oktober 2019 verhinderte.


Das Motto der heutigen Aktion „Wer stoppt die Faschisten!?“ ist beabsichtigt doppeldeutig gemeint: in Halle hat eine bauliche Barriere den rechten Gesinnungsmörder von weiteren Morden in der Synagoge abgehalten. Angesichts hemmungsloser antisemitischer und rassistischer Hetze und Gewalt sowie rechter Netzwerke in Polizei, Geheimdiensten und Bundeswehr stellt sich diese Frage aber auch gesellschaftlich. Die heutige Aktion soll daher auch das Gedenken für die Opfer mit der Mahnung zum Handeln in der Gegenwart verbinden. Von der Stadt Göttingen erwartet die Göttinger Antifagruppe A.L.I., dass sie den Gedenkort bis mindestens zum 9. November bestehen lässt. Damit könne den Opfern von rechter Gewalt der nötige Respekt entgegen gebracht werden, erläuterte eine
Sprecherin der Antifaschistischen Linken International A.L.I. Zugleich werde man gemeinsam mit dem Verband Jüdischer Studierender Nord (Göttingen) und dem Roma Antidiscrimination Netword (RAN) das Gedenken am 9. November um diesen Gegenwartsbezug erweitern.


Mit einem Informationsstand, mit Musik der kürzlich verstorbenen jüdischen Antifaschistin Esther Bejarano und mit kurzen Wortbeiträgen, laden Antifaschist*innen ab 10 Uhr Passant*innen am Markt/Gänseliesel dazu ein, an der „Tür der Synagoge von Halle“ Blumen abzulegen oder Kerzen aufzustellen. Pressevertreter*innen sind willkommen, den Gedenkort zu fotografieren und über die Aktion zu berichten. Unser Ansprechpartner steht Ihnen hier bis 13 Uhr für Fragen zur Verfügung.


Mit freundlichen Grüßen,
Antifaschistische Linke International >A.L.I.<


 

Bottom Line