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Rechte Gesinnungsmörder

Faltblatt zur Debatte

Faltblatt Rechte Gesinnungsmörder

Dieser Text ist entstanden im Rahmen von Diskussionen, die wir als antifaschistische Gruppe zu einer unserer Kampagnen geführt haben und bei der uns die Klärung von Fragen nach neuen Phänomenen rechter Morde und rechter Mörder umgetrieben hat. In der Kampagne „Die Bürokratie des Bösen. Niemand muss Ausländerbehörde sein!“ erchien im Sommer 2021 ein längerer Text von uns, in dem wir uns mit antifaschistischen Perspektiven auf staatlichen Rassismus beschäftigen. „Rechte Gesinnungsmörder“ ist in diesem Rahmen ein Debattenbeitrag von uns.

 

Faltblatt als PDF (2,5 MB)

 

Broschüre "Bürokratie des Bösen

Kampange "Bürokratie des Bösen"

 


 

Warum einen neuen Typus benennen?

Organisierungsstruktur und klassische Antifaarbeit

Ideologische Nähe zum deutschen Faschismus und Skandalisierbarkeit

Konzeptionelles Morden

Einen eigenen Namen für diesen neuen Typus finden

Zum Weiterlesen

Rechte Gesinnungsmörder

Faltblatt Rechte GesinnungsmörderWir denken, dass es einen „neuen Typus“ von rechten Mördern und von rechten Mordtaten gibt, über den und die innerhalb der Antifa-Bewegung eine schweigende Ratlosigkeit, Orientierungslosigkeit und damit verbundene Handlungsunfähigkeit vorherrscht. Mit diesem Beitrag wollen wir eine Diskussion innerhalb der Antifa-Bewegung anstoßen, die neben der Bezeichnung und analytischen Bestimmung auch praktische Fragen umfassen soll. Wir schlagen zur Kennzeichnung dieses „neuen Typus“ die Bezeichnung „rechte Gesinnungsmörder“ vor, die wir von den klassischen Neonazis unterscheiden.

 

Warum einen neuen Typus benennen?

Faltblatt Rechte GesinnungsmörderMit diesem Begriff meinen wir einen Typ von rechten Tätern, der sich bis zum 22.07.2011 auf die Morde auf der norwegischen Insel UtØya zurückverfolgen lässt. Diesen zum Vorbild nahm sich ein Mörder exakt am fünften Jahrestag, am 22.07.2016 in einem Einkaufszentrum in München. Ebenfalls auf diesen Täter bezog sich derjenige Mörder, der am 15.03.2019 im neuseeländischen Christchurch in zwei Moscheen 51 Menschen erschoss. Eine ganze Reihe weiterer internationaler, rechter Mordtaten gehören in diesen Rahmen. Der antisemitische und rassistische Mörder von Halle vom 09.10.2019 und der rassistische Mörder von Hanau vom 19.02.2020 sind die letzten Beispiele in Deutschland. Wir grenzen diesen neuen Typus von expliziten Neonazi-TäterInnen ab. Zu diesen gehören für uns beispielsweise Gundolf Köhler, der am 26.09.1980 das Oktoberfestattenat in München verübte. Oder die Neonazis Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhard, die zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen ermordeten. Zuletzt ist für uns auch Stephan Ernst ein klassischer Neonazi-Täter, der am 01.06.2019 bei Kassel Walter Lübcke erschoss.
Als Antifa ist uns die Differenzierung wichtig, dass diese Täter „neuen Typs“ nicht einfach nur Neonazis sind. Dabei haben wir sehr wohl die Stimmen von Betroffenen-Initiativen wahrgenommen, die als klare Positionierung gegen verharmlosende Diskurse von „Einzeltäterschaft“ und „psychischer Verwirrtheit“ die Täter ganz explizit Neonazis nennen, um den politischen Gehalt dieser Morde und ihren ideologischen Hintergrund zu betonen. Dieses Anliegen teilen wir ausdrücklich! Alle diese Mörder „neuen Typus“ waren keine Einzeltäter, auch wenn sie ihre Taten am Ende alleine ausführten. Sie stehen in einem Netz der gegenseitigen Bezugnahme aufeinander, teilen eine rechte Ideologie, die ihr Tatmotiv bereitstellt und finden ein Publikum in einer menschenverachtend ideologisierten Szene, mit der sie teilweise digital vernetzt sind. Als antifaschistische Gruppe ist uns aber eine analytische Differenzierung wichtig, weil wir uns durch die Taten neuen Typs als antifaschistische Bewegung vor neue praktische Herausforderungen gestellt sehen, über die wir uns in der Diskussion klar werden wollen.

 

Organisierungsstruktur und klassische Antifaarbeit

Einen relevanten Unterschied sehen wir in der Form der Organisierung. Der NSU-Komplex, Stephan Ernst oder auch Gundolf Köhler waren alle in expliziten Neonazi-Strukturen organisiert. Köhler gehörte zur „Wehrsportgruppe Hoffmann“, der „NSU“ war selbst eine eigene Neonazi-Organisation und davor waren seine Mitglieder im „Thüringer Heimatschutz“ organisiert. Ernst war NPD-Mitglied und hatte Kontakte zu „Combat-18“.
Diese Organisierungen bestehen aus einem ganzen Netzwerk an (Untergrund-)Strukturen, zum Teil bis hinein in die staatlichen Sicherheitsbehörden. Innerhalb dieser Netzwerke führen Neonazis militärische Trainings durch und organisieren sich Waffen. Diese Strukturen bestehen zum Teil aus langjährigen Kadern und Organisatoren wie z.B. Thorsten Heise oder Stanley Röske. Oftmals können sie auf ein Netzwerk an Geldern, Erfahrungen oder auch Sportschulen und kulturelle Events wie Festivals zurück greifen. Neue Neonazis finden durch Festivals, Aufmärsche und ideologische Schulungen Eingang in die Neonazi-Netzwerke.
Diese Organisierung in den uns bekannten klassischen Neonazi-Strukturen ist bei den rechten Gesinnungsmördern nicht gegeben, was nicht heißt, dass sie weniger gefährlich wären! Im Gegenteil findet eine spezifische Form der internationalen Organisierung und Bezugnahme im Internet auf diese rechten Gesinnungsmörder statt. In Chatforen und auf Imageboards werden die begangenen Morde diskutiert oder sogar analysiert, was beim nächsten Mal „besser gemacht“ werden kann. Diese unterschiedliche Organisierung führt jedoch dazu, dass rechte Gesinnungsmörder sich in Umfeldern bewegen, die Recherche-Strukturen und antifaschistische Arbeit, so wie sie bisher aufgestellt ist, wenig auf dem Radar haben. „Klassische“ antifaschistische Recherche kann Neonazi-Netzwerke, Parteien und Veranstaltungen erfassen. Die klassischen „kulturellen Orte“ der Einbindung, die Orte der „Gemeinschaftlichkeit“ und die damit verbundene Netzwerkbildung von Neonazis sind uns öfter bekannt. Dem Gegenüber sind die kulturellen Alltagsräume der rechten Gesinnungsmörder vor allem spezielle Teile des Internets, die für klassische Ansätze von Antifarecherche schwer zugänglich sind, weil die Einzelpersonen dahinter bis zur mörderischen Tat anonym bleiben.
Auch auf der praktischen Ebene sind physisch stattfindende Veranstaltungen wie Demonstrationen und Festivals für Antifaschist*innen leichter angreifbar. Es erscheint jedoch schwerer, ein lokal handlungsfähiges Bündnis gegen einen im Dorf nicht präsenten, potenziellen rechten Gesinnungsmörder zu organisieren, dessen Gefährlichkeit vor allem in den kulturellen Online-Sphären sichtbar ist. Die erfahrbare konkrete Gefahr vor Ort erscheint zunächst viel unkonkreter, abstrakter als das Entstehen einer Neonazi-Kampfsportschule, eines Schulungszentrums, eines rechten Wohnhauses oder eines Aufmarsches in der eigenen Nachbarschaft.
Dennoch bleibt die Frage, was das für den Fokus von Antifa-Strukturen heißen kann? Müssen wir uns – wie schon zu unseren Reflektionen zum NSU geäußert – vor allem auf migrantisches Wissen verlassen? Weil migrantische Communities eben doch mitbekommen, welcher Nachbar sie rassistisch anfeindet und im Alltag auffällig wird?

 

Ideologische Nähe zum deutschen Faschismus und Skandalisierbarkeit

Einen zweiten Unterschied sehen wir in der explizit ideologischen Bezugnahme auf den deutschen Faschismus. Die rechten Gesinnungsmörder kommen in ihren weitgehend geschlossen rechten und menschenverachtenden Weltbildern im Gegensatz zu den Neonazi-Tätern – mit Ausnahmen – ohne direkten oder expliziten Bezug auf den historischen deutschen Faschismus aus. Neonazis hingegen nennen sich „Nationalsozialistischer Untergrund“ oder sind in der „Wehrsportgruppe“ organisiert. Demgegenüber nehmen die Täter neuen Typs eher Bezug auf neu-rechte Ideologien wie die Erzählung des angeblichen „Großen Austausches“. Auch wenn die rechten Gesinnungsmörder sich nicht explizit in der Tradition des deutschen Faschismus verorten, teilen sie die Ideologie in vielen Punkten oder treten geschichtsrevisionistisch auf. Zu dieser Ideologie gehören eindeutig rechte Elemente, die sich bei allen Tätern wiederfinden lassen: alle rechten Gesinnungsmörder sind zutiefst rassistisch, teilweise völkisch, meist geprägt durch einen antimuslimischen Rassismus und tiefe Migrationsfeindlichkeit. Mindestens durch die Struktur des Denkens vom „Kampf gegen unbekannte und geheime Mächte“, oft aber auch offen und explizit, sind praktisch alle diese Täter von einem tiefen, verschwörungstheoretischen Antisemitismus getrieben. Bei den meisten gibt es außerdem ein ausgeprägtes Feindbild gegen Linke. Und bei allen rechten Gesinnungsmördern lässt sich in unterschiedlichen Formen – mal als kruder Antifeminismus, mal als offen misogyner Hass – ein mörderischer Sexismus finden.
Auch dieser Unterschied hat praktische Auswirkungen auf unsere antifaschistische Praxis. Die verwendete Symbolik, ebenso wie die Codes der Neonazis sind durch die antifaschistische Arbeit der letzten Jahrzehnte weitläufig bekannt. Durch den klaren Bezug auf den deutschen Faschismus sind diese Codes und Symboliken, aber auch die klassischen Neonazi-Organisationen innerhalb einer breiten Öffentlichkeit skandalisierbar, auch wenn sich die Chiffren in der Neonazi-Szene durch Stile immer wieder anpassen. Oft gelingt es antifaschistischen Strukturen durch Outings oder gut platzierte Informationen Neonazis von der Gesellschaft zu isolieren und ihre Positionen, Netzwerke und Einzelpersonen damit zu diskreditieren.
Diese Skandalisierbarkeit kommt jedoch in den Umfeldern, aus denen heraus die rechten Gesinnungsmörder kommen, an ihre Grenzen. Die vorherrschenden Themen und Aussagen jener Umfelder der rechten Gesinnungsmörder sind - ähnlich der AfD – von Vorgehensweisen durchzogen, die von „provokantem Tabubruch“ und inszenierter „Ironie“ leben. Ein Vorgehen gegen diese Inhalte – beispielsweise im Internet durch melden, kommentieren oder auch die Skandalisierung – sind Teil der gewünschten Inszenierung, da laut dieser Internetkultur der ironische, „schwarze“ Humor sie von den „Normies“ abgrenzt.
In der praktischen Konsequenz kommen wir an dieser Stelle nur zu dem abstrakten Schluss langfristig und präventiv zu denken: Die Ideologien, durch die rechte Gesinnungsmörder zu Mördern werden, sind in unserer Gesellschaft tief verankert – und das ist das Problem. Antisemitismus, gesamtgesellschaftlicher Rassismus und Antifeminismus, der sich bei den rechten Gesinnungsmördern bis hin zum Umbringen von Menschen steigert, sind nicht losgelöst von der Gesellschaft, sondern knüpft an ihren Herrschafts- und Unterdrückungslogiken an. Aktuell in der Corona Pandemie verbreiten sich antisemitische Verschwörungstheorien, zeitgleich nehmen Angriffe auf Synagogen und andere jüdische Orte zu. Auch den Morden in Hanau waren rassistische Debatten in den Mainstream Medien über Shisha-Bars vorausgegangen. Was wir brauchen ist die gesamtgesellschaftliche Abgrenzung nicht nur vom historischen Faschismus und Neonazis, sondern auch von dessen ideologischen Elementen! Was den neuen Typus von Mördern, die rechten Gesinnunsgmörder ausmacht, ist zentral ihre rechte Gesinnung, durch die sie zu Mördern werden. Diese Gesinnung muss zum Angriffspunkt werden, nicht erst, wenn Menschen umgebracht werden!

 

Konzeptionelles Morden

Morde, sowohl von Neonazis, als auch von rechten Gesinnungsmördern, zielen zunächst vor allem auf eine konkrete gesellschaftliche Gruppe, innerhalb derer sie über den konkreten Mord hinaus, Unsicherheit, Angst und Schrecken verbreiten sollen. Trotzdem sehen wir in der konzeptionellen Durchführung der Morde einen weiteren relevanten Unterschied. Neonazis folgen einem Schema des Mordens, dass ihrer organisatorischen Kaltblütigkeit entspricht: In der Regel kommt rechter Terrorismus ohne BekennerInnenschreiben oder politische Aufrufe aus. Der „NSU“ veröffentlichte sein Video erst, nachdem er bereits aufgeflogen war. Stephan Ernst kommentierte seinen Mord an Walter Lübcke nicht öffentlich. Damit folgen sie zwar dem Schema des sogenannten „führerlosen Widerstands“ als neonazistischem Terrorkonzept. Sie sehen sich aber als „politische Soldaten“, deren Taten für sich sprechen und die als Personen nicht öffentlich bekannt sein sollen.
Die Taten der rechten Gesinnungsmörder sind hingegen als öffentliches Fanal angelegt. Sie wollen ein Maximum an Öffentlichkeit erreichen, auch als Person und mit ihrem Namen, so dass sich andere wieder auf diese Taten beziehen können – auch ohne in einer gemeinsamen (offline) Neonazi-Struktur organisiert zu sein. Sie schreiben lange Pamphlete, veröffentlichen Videobotschaften oder übertragen ihre Taten gleich selbst im Live-Stream.
Ein relevanter praktischer Unterschied daraus ist für uns die Nennung der Namen der klassischen Neonazis, um sie und ihre Strukturen aus der Deckung in die Öffentlichkeit zu ziehen. Die Namen der rechten Gesinnungsmörder nennen wir dagegen bewusst nicht und folgen damit auch den Forderungen der Initiativen 09. Oktober Halle und 19. Februar Hanau.

 

Einen eigenen Namen für diesen neuen Typus finden

Auch wenn es uns vor allem darum geht, über diesen neuen Typus analytisch und handlungsorientiert in den Austausch zu kommen, halten wir es für sinnvoll auch einen geeigneten Namen für diesen neuen Typus zu finden, der die analytische Klarheit behält, sich aber auch als politischer Kampfbegriff eignet.
Insbesondere nach dem Mord in Halle wurde die Selbstbezeichnung des „Incel“ innerhalb der Linken als Begriff diskutiert. Incel steht für „Involuntary Celibate” und meint eine online Subkultur, in der Männer sich als „Looser“ und „Opfer des Feminismus“ inszenieren. Auch wenn Incels eine weiter reichende subkulturelle Identität beschreibt, hat es auch Morde aus explizit dieser Motivation gegeben. Incels verstehen ihre Taten als Vergeltung an Frauen*, den Feminismus und den vermeintlich damit verstrickten Jüdinnen*Juden. Den Begriff Incel finden wir für die Benennung dieser online Subkultur relevant und richtig. Es sind jedoch nicht alle rechten Gesinnungsmörder Incels und nicht alle mordenden Incels sind rechte Gesinnungsmörder. Dass dieser Begriff jedoch im Kontext dieses neuen Typus, den wir rechte Gesinnungsmörder nennen, verwendet wird, legt nahe, dass es kein Zufall ist, dass diese Mörder männlich sind. Für die benannten Morde sind Versatzstücke von Incel-Kultur mehr oder weniger stark nachweisbar. Da wir dem Rechnung tragen, gendern wir den Begriff des rechten Gesinnungsmörders nicht.
Weitere bereits verwendete Begriffsvorschläge betonen die Gamification und Organisierung im Internet, so zum Beispiel der Begriff des „Rechten Ego-Shooters“ oder die “rechtsterroristische Online Subkultur“. Diese Begriffe benennen zwar die rechte Ideologie, haben jedoch eine Überbetonung auf das Internet und den Computerspielanteil bei den neuen rechten Tätern. So ist der Bezug zum Internet kein Alleinstellungsmerkmal der rechten Gesinnungsmörder. Zum Beispiel hat auch Uwe Mundlos antisemitische Computerspiel programmiert und Beate Zschäpe hat über 300 Filme und Ego-Shooter für den „NSU“ ausgeliehen. Es stimmt, dass sich bei einigen rechten Gesinnungsmördern „gamification“ wiederfindet, ebenso wie die Verwendung von Streamingplattformen. Dieses Verhalten knüpft an deren Alltagskultur an, aus der heraus und in die hinein diese Taten stattfinden, was auch wir als einen relevanten Unterschied in der Organisierungsweise betonen. Wir würden dem jedoch entgegen setzen, dass diese Vernetzung im Netz nicht für die Entstehung dieses Typs von Mörder ein hervorzuhebendes Merkmal ist. Wenn der Begriff ähnlich kämpferisch wie der des Neonazis benennen und diskreditieren soll, so verschiebt die Betonung des online Anteils die Problematisierung weg von der rechten Ideologie hin zur Internetvernetzung.
Ein letzter Begriff gegen den wir uns entschieden haben ist der des „Hasskriegers“. Während zelebrierter Hass in den „chan“-Foren und „alt-right“ Medien sicherlich ein auffallendes Merkmal ist und innerhalb dieser Internetsubkultur eine entmenschlichende Haltung gegenüber Frauen*, Trans*personen, Mulim*innen, Jüdinnen*Juden und politischen Gegner*innen gepflegt wird, halten wir diesen Begriff als politisches Werkzeug für nicht geeignet. Die Bezeichnung als „Krieger“ kommt zu sehr dem Selbstverständnis jener entgegen, die dieser Internetsubkultur angehören, als auch jener, die letztlich morden und ist entsprechend zu nah an deren Selbstverständnis. Uns wäre es hingegen wichtig, die rechte Ideologie, die sie zu Mördern macht, zu benennen und anzugreifen!
Auch wenn auch wir die Organisierung im Internet als Schwierigkeit für antifaschistische Praxis betonen, glauben wir, dass diese Öffentlichkeit und die symbolisch-ideologische Bezugnahme der Täter untereinander den „neuen Typ“ der rechten Gesinnungsmörder kennzeichnet – und weniger deren digitale Vernetzung oder eine sogenannte „Gamification“. Was die Täter zu Mördern gemacht hat ist eine rechte, zutiefst menschenverachtende Ideologie, die sich aus Pamphleten und öffentlichen Statements der Mörder klar erkennen lässt. Diese rechte Gesinnung als Motiv, die Öffentlichkeit und die Art der Tat als Fanal verbindet diese Mörder, das Internet ist nur der spezifische Ort ihrer Vernetzung.
Wir hoffen, dass wir mit dem Begriff rechte Gesinnungsmörder eine Bezeichnung vorschlagen, die nicht verharmlost und deren politischen Hintergrund klar benennt. Dabei geben wir ein Manko zu: Der Begriff benennt erst die Mörder, nicht jedoch die gesamte Szene darum herum. Wie Anfangs geschrieben, wollen wir mit diesem Beitrag eine Debatte in der antifaschistischen Bewegung anstoßen und schlagen dazu diesen Begriff vor. Wir freuen uns daher auf Beiträge, die diese Debatte aufnehmen.

 

Zum Weiterlesen:


Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung: Rechtsterroristische Online-Subkulturen.

Veronika Kracher: Incels: Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online-Kults.

Andreas Speit und Jan-Philipp Baeck: Rechte Egoshooter. Von der virtuellen Hetze zum Livestream-Attentat.

Karolin Schwarz: Hasskrieger: Der neue globale Rechtsextremismus.

Bottom Line