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Was geht ab?!

  • Broschüre: Die IL läuft Gefahr, Geschichte geworden zu sein

  • Dokumentation der Tagung über die Krise der IL und der radikalen Linken
  • vom 2.-4.7.2021 in Berlin
  • Jetzt  auch als PDF:

https://www.inventati.org/ali/pdf/Tagung_IL_laeuft_Gefahr_2022.pdf

 

Erinnern heißt Verändern!

30 Jahre nach dem Pogrom in Rostock - Lichtenhagen


»Care Revolution statt militaristischer Zeitenwende!«

 

 Aufruf des Bündnisses All Care Workers Unite!


 

#Free Lina! - Wir sind alle Linx

Solidarität mit den angeklagten Antifaschist*innen aus Leipzig


links unten Göttingen

Red Stuff für Subkulturen mit Klasse im Roten Buchladen


Interventionistische Linke

Die A.L.I. ist organisiert in der Interventionistischen Linken IL


Antifa Jugend (AJ)

Antifa Jugend Göttingen Logo


Rote Hilfe

Rote Hilfe


 

Radikale Linke und "Soziale Medien"

Eigene Medien als radikale Linke zu betreiben, sei es gedruckt oder digital, wirkt so anstrengend: Sie benötigen stetige Arbeit in der Infrastruktur, sind in der Bedienung aufwendiger und gleichzeitig gibt es die verlockend einfachen und schnellen Angebote der „Sozialen Medien“. Nur wenige Klicks und man kann sich direkt der eigenen „Reichweite“ und „Relevanz“ vergewissern – aber war da nicht was?

Wir könnten nun betonen, dass wir mit der Nutzung der kapitalistischen Medien Staat und Firmen relevanten Daten über das Verhalten linker Nutzer*innen liefern. Wir könnten darauf hinweisen, dass die Verlagerung politischer Inhalte auf private Smartphones unabsehbare Repressionsrisiken mit sich bringen, wie es auch die Rote Hilfe betont (Rote Hilfe Heft 02/2017). Aber das war lange bekannt und konnte trotzdem den starken Trend der individuellen Nutzung „sozialer Medien“ in der radikalen Linken nicht bremsen.
Darüber hinaus gibt es aber ein weiteres Problem der „sozialen Medien“, das die Verantwortung der organisierten Linken für ihre eigenen Medien berührt.
Für Genoss*innen, die sich noch an die Gründung von roten Buchläden und linken Verlagen erinnern können, liegt es auf der Hand: Als radikale Linke über die eigenen Medien verfügen zu können ist - sowohl für die aktuelle Debatte als auch die langfristige Dokumentation linker Geschichte- essentiell. Gründungen von eignen Strukturen, wie dem Buchladen Rote Straße in Göttingen in 1972 oder linker Verlage, waren eine Reaktion auf die schwierige Zugänglichkeit zu linken Texten. Die profitorientierten Verlage hatten kein Interesse daran inhaltliche Positionen zu drucken, die sich gegen ihr eigenes Wirtschaftssystem richten.
Heute scheint das weniger bedeutsam, da vermeintlich die meisten Texte bequem bei den großen Internetplattformen direkt nach Hause bestellt werden können oder eh direkt digital gelesen werden können. Doch der Schein trügt: Das Verbot und die darauf folgende Abschaltung von linksunten.indymedia im August 2017 oder das Verbot des kurdischen Mezopotamien-Verlags Anfang 2019 zeigen uns: Linke Inhalte für viele Menschen verfügbar zu machen bleibt ein ständiger Kampf und kontinuierliche Aufgabe für die organisierte Linke!
Wir sehen es deshalb mit großer Sorge, dass in den letzten Jahren immer mehr Gruppen der radikalen Linken in Deutschland auf eigene Websites oder Druckerzeugnisse verzichten und immer öfter aktuelle Informationen und Ankündigungen nur noch in den kurzlebigen, konzerngesteuerten Medien angeben. Dieses Vertrauen in Strukturen, die von Konzernen bereitgestellt werden, halten wir für kurzsichtig. Diese Informationen können mit wenigen Klicks von denen, die wir bekämpfen wollen, gelöscht oder gesperrt werden. Auch die Beschränkung auf die Kurzlebigkeit dieser Informationen verwundert uns. Linke Kämpfe ziehen sich oft über Jahre und es ist wichtig Jahre später nochmal zurück blicken zu können. Nicht umsonst versuchen viele Genoss*innen Archive zu führen, um auch Jahre später wieder Zugang zu den vergangenen und doch weiter anhaltenden Kämpfen möglich zu machen.

Wir nutzen nun trotz unserer Bedenken Twitter, um auch weiterhin in diesen Räumen sichtbar zu sein. Bis Ende 2021 hat „linksunten Göttingen“ für viele linke Gruppen in Göttingen ihre Inhalte über die „Sozialen Medien“ verbreitet. Nun müssen wir das wohl oder übel selber machen. Wir halten es für wichtig an dieser Stelle zu sagen, was das für uns bedeutet und vor allem was es auch nicht bedeutet:
Die A.L.I. nutzt künftig Twitter, um auf neue Inhalte auf unserer Website hinzuweisen und direkte Eindrücke von unserer aktuellen Arbeit zu verbreiten. Unsere Homepage werden wir weiterhin pflegen.
Wir warnen weiterhin vor der Twitterisierung linker Strukturen: Vor der Reduzierung auf die Kurzlebigkeit, vor der Reduzierung komplexer Gesellschaftskritiken auf 280 Zeichen, vor dem Vertrauen in Medienkonzerne.
Wir wollen darüber hinaus für Sicherheitsfragen sensibilisieren: Individuelle private Profile lassen vieles nachvollziehbar werden. Wer hat sich wann radikalisiert? Wer folgt wem? Wann sind die aktiven Zeiten welcher Personen? Facebook weiß schon heute an Hand deines Internetverhaltens vor dir, wann du schwanger sein könntest. Oder was deine (instrumentalisierbaren) Ängste und Sorgen sind. Der Staat investiert Geld in Forschungen zur Radikalisierung von jungen Leuten und greift selbstverständlich auf Datensätze dieser Art zurück. Was bedeutet das für linke Strukturen?
Wir sind weiterhin der Auffassung, dass politische Arbeit nichts auf privaten Smartphones zu suchen hat, und wollen zur Nutzung des TOR-Netzwerks und TAILS ermuntern. Problematisch, dass wir gleichzeitig mit Twitter dazu ermuntern uns in Zukunft individuell zu folgen.
Wir verspüren also Widersprüche, wir werden das für eine Weile aushalten und ausprobieren. Sollte Antifaschismus oder das Propagieren antagonistischen Widerstands künftig gegen Twitters Nutzungsbedingungen verstoßen und unser Account gelöscht werden, verlieren wir nichts Wichtiges: Die Geschichte der Gruppe ist seit 2004 auf unserer Website dokumentiert und weiterhin für alle Interessierten verfügbar. Diese Website liegt nicht ohne Grund auf dem Server eines linken Betreibers.

Twitter

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Bottom Line