headergrafik 1headergrafik 2headergrafik 3
 

Was geht ab?!

Feministische Funke:
Der RoteFaden

Logo von der Rotefaden - Feministische Funke vom feinsten.

Feministische Funke vom Feinsten zum immer am 2. Freitag im Monat um 18.05 Uhr
im StadtRadio Göttingen

Sendungen verpasst? Zum Nachhören


links unten Göttingen

Red Stuff für Subkulturen mit Klasse im Roten Buchladen


Interventionistische Linke

Die A.L.I. ist organisiert in der Interventionistischen Linken IL


Antifa Jugend (AJ)

Antifa Jugend Göttingen Logo


Rote Hilfe

Rote Hilfe


 

 Vor 30 Jahren: Neonaziterror, Polizeigewalt und eine ermordete Antifaschistin

 Conny Streifzug 20129Der Stadtrundgang durch die Geschichte des autonomen Antifaschismus findet im Rahmen verschiedener Veranstaltungen statt, die den 30. Todestag der Antifaschistin Conny zum Anlass nehmen, um sich mit den Entwicklungen antifaschistischen Widerstands der zurückliegenden drei Jahrzehnte auseinanderzusetzen.

Unser Stadtrundgang am 15.11.2019 soll auch die Kontinuität polizeilicher Sondereinheiten gegen die radikale Linke in Göttingen beleuchten: Vom AufKdo zum ZSK, von der Stationierung der Bereitschaftspolizei bis zu ihrer schlagkräftigen Aufrüstung mit einer BFE.

Zugleich stellen wir Fragen an die eigene antifaschistische Bewegung: wer erzählt unsere Geschichte, wenn nicht wir selber? Wie gehen wir mit Niederlagen, Verletzungen, Gefängnis oder Tod um? Wie gestalten wir eine antifaschistische Gedenk- und Erinnerungskultur?

60 Teilnehmer_Innen bei Streizug durch die Geschichte des autonomen Antifaschismus am 15.11.2019 durch Göttingen

+++ Fotos vom Streifzug findet ihr hier oder bei Linksunten Göttingen +++


Vor 30 Jahren wurde die Antifaschistin Conny in Göttingen nach einer Auseiandersetzung mit Neonazis von der Polizei in den fließenden Straßenverkehr gejagt. Dabei wurde sie von einem Auto erfasst, durch die Luft geschleudert und war sofort tot. FreundInnen und GenossInnen der getöten jungen Frau sagen: Das war ein politischer Mord!

Hintergrund dieser Eskalation waren regelmäßige Übergriffe von Neonazis gegen Linke, alternative Jugendliche und MigrantInnen in der Göttinger Innenstadt. Hiergegen organisierten autonome Antifas antifaschistische Selbsthilfe. Wurden Naziskinheads und andere Neofaschisten aus Göttingen oder dem Umland in der Stadt gesichtet, wurden diese militant vertrieben. Die Polizei schaute den Angriffen der Neonazis in der Regel tatenlos zu. Erst wenn die Schläger in Bedrängnis gerieten, griff die Polizei ein und geleitete die Faschisten sicher aus der Stadt. In der Öffentlichkeit wurden diese zugespitzten politischen Auseinandersetzungen als Konflikte rivalisierender Jugendcliquen verharmlost.

Zu solch einer Auseinandersetzung war es auch am Abend des 17. November 1989 gekommen. Conny gehörte zu einer Gruppe AntifaschistInnen, die ebenfalls alarmiert wurde, selber aber nicht in den Konflikt mit den Neonazis involviert war. Dennoch eröffnete die Polizei die Verfolgungsjagd auf ihre Gruppe. Eine besondere Rolle nahm dabei das Zivile Streifenkommando (ZSK) ein; eine politische Polizeieinheit in zivil, deren erklärtes Ziel es bereits seit Jahren war, gegen die lebendige radikale Linke in der Universitätsstadt vorzugehen. Dass sie Conny dabei auf der Weender Landstraße in Höhe des Idunazentrums in den fließenden Verkehr trieben, war kein „Unglück“ oder Zufall. Die Beamten folgten ihrem erklärten Feindbild und ihrer brutalisierten Einsatzpraxis. Gegen 21.10 Uhr erging am 17.11.1989 über Polizeifunk die Ansage: „Ich würde sagen, wenn wir genug Leute sind, sollten wir sie ruhig plattmachen!“. Wenige Minuten später war Conny tot.

Flyer Conny Streifzug 20129Die Wochen und Monate nach dem Tod von Conny waren in Göttingen von Mahnwachen, Demonstrationen und Auseinandersetzungen geprägt. Beispielsweise fand am 25.11.1989 eine bundesweite Demo mit 18.000 Menschen in Göttingen statt. Nachdem die Demo schweigend an der Todesstelle vorbeigezogen war, wurden in der Innenstadt aus Wut über Polizei- und Neonaziterror Fensterscheiben eingeschlagen, vor dem JuzI wurde eine heranstürmende Polizeieinheit mit Steinen, Zwillen und Brandsätzen zurück geschlagen. Der Tod der Antifaschistin offenbarte das Ausmaß der Polizeigewalt und der Bedrohung durch Neonazis. In der Neujahrsnacht 1990/91 ermordeten die Naziskinheads Sven Scharf und Oliver Simon in Rosdorf den 21-jährigen Alexander Selchow.
In den folgenden Jahren gelang es die Neonazis buchstäblich aus der Stadt zu prügeln. Die Polizei sah sich mit einer sensibilisierten und kritischen Öffentlichkeit konfrontiert. Diese Ereignisse prägen das gesellschaftliche Klima Göttingens bis heute. Zahlreiche Selbstverständlichkeiten in der gemütlichen Universitätsstadt stehen aber in den letzten Jahren vermehrt in Frage: eine Reihe von Neonazi-Kleinstkundgebungen, Bedrohungen vor Wohnhäusern und offenen Angriffen gegen Linke bzw. solche, die dafür gehalten wurden, spiegelt seit Ende 2015 das veränderte gesellschaftliche Kräfteverhältnis auch in Göttingen wieder. Mit einem aberwitzigen Aufwand arbeiteten Ordnungsämter, Polizei und Gerichte an einer Normalisierung des Auftretens von Neonazis. Die Polizei ist fortdauernd bemüht verlorenes Terrain wettzumachen. Anders als bei ihrer Vorgängereinheit, dem mit dem im Spudok-Skandal gescheiterten Aufklärungs- und Festnahmekommando (AufKdo), gelang es nach 1989 nicht, die öffentliche Forderung nach Auflösung des ZSK durchzusetzen.

1996 wurde eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei in Göttingen stationiert, die dazu beitrug, die kämpferische Demonstrationskultur in der Stadt zu zerschlagen. 2012 wurde die BePo um die Beweissicherungs-und Festnahmeeinheit BFE erweitert. Diese gibt sich seither alle Mühe ihren Ruf als selbstherrliche Schlägertruppe zu pflegen. Einen Vorgeschmack auf das Agieren der BFEen bekam Göttingen bereits 2009. Als zum 20. Todestag der Antifaschistin Conny etwa 1.500 Menschen demonstrierten, griff eine BFE ausgerechnet an der Todesstelle an und prügelte sich durch den Demonstrationszug. Ein Bereitschaftspolizei-Spalier postierte sich derart, dass es nicht möglich war Blumen oder Kerzen am Gedenkstein oder an der Skulptur für die getötete Antifaschistin abzulegen.


Fotos des Streifzugs

 Conny Streifzug 20129  Conny Streifzug 20129

"Sollen wir sie plattmachen?" Funkspruch der POlizei von damal an Wand gebeamt antifaschistischer Streifzug an der Todesstelle von Conny

Antifa Fahne an der Todesstelle von Conny Bild an Haus gebeamt an Todesstelle von Conny

Blume zu niederlegen an Todesstelle von Conny Denkmal an Todesstelle von Conny

Denkmal an Todesstelle von Conny Denkmal an Todesstelle von Conny

antifaschistische kämpfen Kerzen an Todesstelle von Conny

Wandelt Trauer in Wut und Widerstand! Bild

 

 

Bottom Line