Frauen sind Frauen und Män­ner sind Män­ner. Deswe­gen kön­nen die einen mit der Bohrmas­chine umge­hen, während die anderen dafür multi-​tasking-​fähig und auch viel emo­tionaler sind.
Wer davon aus­geht, hat einen wichti­gen Punkt überse­hen: Geschlecht wird gemacht! Rol­lenein­teilun­gen sind nicht natür­lich vorgegeben son­dern ein Kon­strukt der bürg­er­lichen Gesellschaft. In ihr wird der Frau Natur und damit Emo­tion­al­ität zugeschrieben, während der Mann der Kul­tur und der Ratio­nal­ität zuge­ord­net wird. Diese Zuschrei­bung, die die Ver­ban­nung der Frau in die häus­liche Sphäre mit sich bringt, wird nat­u­ral­isiert.
Wir haben es hier mit einer self­full­fill­ing prophecy zu tun, Geschlechter­bilder repro­duzieren sich selbst: wenn argu­men­tiert wird, dass es natür­lich so ist, dass Frauen nicht mit der Stich­säge umge­hen kön­nen, dann wer­den Frauen auch nicht dieselbe Energie aufwen­den wie Män­ner zu ler­nen damit umzuge­hen. Es ist ganz klar, was von jeder_​jedem erwartet wird und das hat damit zu tun, wie uns die Gesellschaft bee­in­flusst.
Was hat Sprache mit all­dem zu tun? Eine ganze Menge. Geschlecht wird vor allem durch Sprache gemacht. Und ebenso kann Sprache dazu dienen Geschlechter­rollen aufzubrechen. Verän­derte Sprache kann ein Mit­tel sub­ver­siver Poli­tik sein und somit ein Hebel im (Macht)Gefüge von Sprache und Geschlechtermatrix.

Geplante Änderun­gen in der Stu­dienord­nung sehen mehr benotete mündliche Leis­tun­gen vor. Warum mehr Noten nie­man­dem helfen.

Die Basis­gruppe Geschichte ist seit ihrem Beste­hen in soziale Kämpfe an der Uni­ver­sität involviert – auch und vor allem am eige­nen Fach­bere­ich. Wie an anderen Hochschulen kam es auch an der Uni­ver­sität Göt­tin­gen auf­grund der Umstruk­trurierun­gen der Stu­di­engänge hin zum Bachelor-​/​Master-​System zu Protesten. Eine Auswer­tung der eige­nen konkreten Kämpfe zu ihren Höhep­unk­ten in den Jahren 2009 und 2010 ist in der Dezember-​Ausgabe der Zeitschrift Analyse&Kritik erschienen. Da der Artikel online nicht ein­se­hbar ist und in der Print-​Version lei­der nur gekürzt erscheinen kon­nte, kann der Text nun hier kom­plett gele­sen werden:

Gegen den Burschen­tag in Eise­nach am 18.06.2011 hat das Bünd­nis “Den Burschen­tag in Eise­nach zum Desaster machen” eine Mobil­isierungszeitung veröf­fentlicht. Auch wir sind mit dem fol­gen­den Artikel vertreten. Die kom­plette Zeitung online findet ihr hier.

Am 6. Dezem­ber wurde in Athen der 15-​jährige Alexan­dros Grig­oropou­los von einem Polizis­ten im Dienst erschossen. Umit­tel­bar danach brachen in ganz Griechen­land teil­weise auf­s­tand­sähn­liche Krawalle aus, die auch im Aus­land vielfach auf Sol­i­dar­itäts­bekun­dun­gen stießen. Anders als von bürg­er­lichen Medien oft dargestellt, han­delt es sich bei den Aktio­nen in Griechen­land nicht um trauernde Schüler_​innen und Student_​innen ein­er­seits und riot­begeis­terte Chaot_​innen auf der anderen Seite. Stattdessen wer­den die Kon­fronta­tio­nen von einer bre­iten Basis getra­gen, auf­bauend auf einer bere­its vorher ent­stande­nen, starken linken Bewe­gung. Alexan­dros Ermor­dung wird nicht ein­fach als Einzeltat eines durchgek­nall­ten Bullen begrif­fen, son­dern als Kon­se­quenz und Gipfel der alltäglichen staatlichen Gewalt. Die in Griechen­land Revoltieren­den zer­legen Polizeire­viere, Banken, Geschäfte großer Einzel­han­dels­ket­ten usw. und greifen damit (sym­bol­isch) den Staat und die beste­hen­den Eigen­tumsver­hält­nisse an. Sie haben ver­standen, dass Gewalt kon­sti­tu­tiver Bestandteil einer kap­i­tal­is­tis­chen Gesellschaft ist. Aus­ge­hend von der Über­legung, dass der Kap­i­tal­is­mus auf der Exis­tenz von Klassen– und damit Inter­es­sen­ge­gen­sätzen basiert, liegt diese Erken­nt­nis alles andere als fern. Helfen kann dage­gen nur bürg­er­liche Ide­olo­gie, die neben der (primär staatlichen) Gewalt das andere Ele­ment bildet, durch das die beste­hen­den Zustände trotz der benan­nten Gegen­sätze aufrechter­hal­ten wer­den. Durch den zuvor forcierten Klassenkampf von oben (u.a. mas­siver Abbau von Sozialleis­tun­gen) ver­lor die Ide­olo­gie in Griechen­land allerd­ings – wie es in solchen Sit­u­a­tio­nen geschehen kann, aber keineswegs muss – an Überzeugungskraft.

Da – wie selbst große Tageszeitun­gen angesichts der jüng­sten Wirtschaft­skrise zugeben mussten – die von den Aufrührer_​innen attack­ierte Verge­sellschaf­tungs­form lei­der recht weit ver­bre­itet und auch hierzu­lande vorzufinden ist, lohnt es sich, die hiesi­gen Ver­hält­nisse eben­falls im Hin­blick auf staatliche Gewalt näher zu betrachten.

Die Gruppe redical(m) veröf­fentlichte in der Zeitschrift Phase2 eine Kri­tik an Freiraumkämpfen inner­halb der radikalen Linken. Unsere Antwort auf diesem Text erschien am 19.12.2008 in der Göt­tinger Druck­sache Nr.626.

Der Kom­mu­nis­mus ist bis auf weit­eres vertagt. Aus diesem Blick­winkel stellt sich die Forderung nach dem Freiraum als nichts anderes dar als eine Verkürzung der Forderung nach der freien Gesellschaft.“

Die Genoss_​innen der redical(m) haben Recht, wenn sie behaupten, dass der Kom­mu­nis­mus bis auf weit­eres vertagt ist. Immer­hin bröck­elt die radikale Linke an allen Enden, und dort wo sie aktiv ist, muss sie sich in weiten Teilen auf die Defen­sive ein­stellen. Trotz allen Ein­ver­ständ­nisses mit der ersten Erken­nt­nis stellen sich zwei Fra­gen, die in dem Text nicht beant­wortet wer­den. Auf welches „bis auf weit­eres“ beziehen sie sich? Was ist es, was den Kom­mu­nis­mus wieder auf den Plan bringt und warum stellt sich „die Forderung nach dem Freiraum als nichts anderes dar als eine Verkürzung der Forderung nach einer freien Gesellschaft“?

Es sind diese Punkte an denen die Verfasser_​innen in eine 1. undi­alek­tis­che (weil nicht ent­lang der imma­nen­ten Kri­tik) und 2. ide­al­is­tis­che (weil sie sich auf eine abstrakte Total­ität beziehen, der schein­bar jegliche Konkre­tion fehlt) Argu­men­ta­tion ver­stricken. Was mit diesen Punk­ten gemeint ist, soll hier im fol­gen­den dargestellt werden.

NPD-​Kader als Mit­glieder, Ver­anstal­tun­gen mit Holo­caustleugn­ern, Fluchthilfe nach einem ras­sis­tis­chen Über­fall – vor allem die in der „Deutschen Burschen­schaft“ (DB) organ­isierten Stu­den­ten­verbindun­gen sor­gen immer wieder für Schlagzeilen. Bei näherer Betra­ch­tung wird schnell klar, dass es sich hier keineswegs nur um „bedauer­liche Einzelfälle“ oder „Aus­rutscher“ han­delt.
Im Rah­men eines Vor­trages nah­men wir am 10.7.2008 den promi­nen­testen Dachver­band stu­den­tis­cher Verbindun­gen genauer unter die Lupe und stell­ten dabei sowohl die Gegen­wart als auch die Geschichte dieses Zusam­men­schlusses vor allem anhand burschen­schaftlicher Pub­lika­tio­nen dar. Einen beson­deren Schw­er­punkt legten wir dabei auf die Betra­ch­tung der Göt­tinger Kor­po­ra­tio­nen. Das Manuskript des Vor­trags kann hier herun­terge­laden werden.

Bei der Betra­ch­tung von stu­den­tis­cher Verbindun­gen springt ein Aspekt sofort ins Auge: Fast alle Kor­po­ra­tio­nen nehmen nur Män­ner auf, Frauen wer­den aus­geschlossen. Begrün­det wird dieser Auss­chluß – wenn sich dazu über­haupt geäußert wird – in der Regel unter Beru­fung auf die eigene Tra­di­tion. Beken­nt­nisse, die unmit­tel­bar als sex­is­tisch erkennbar sind, ver­suchen die meis­ten Verbindun­gen in diesem Zusam­men­hang zu ver­mei­den. Anscheinend haben sie inzwis­chen fest­gestellt, dass sich eine solche Legit­i­ma­tion mitunter schwer ver­mit­teln lässt. Auf der Web­seite der Dachver­bände der Corps liest sich das dann so: „Natür­lich gab und gibt es einige Tabus in den Corps für das schönere Geschlecht. Corps sind nun ein­mal tra­dionell Män­ner­bünde.“1

Ein Zim­mer in einer Villa im Ostvier­tel zu einem unglaublich gün­sti­gen Preis, dazu großes Wohn– und Bil­liardz­im­mer sowie Verpfle­gung durch eine eigens angestellte Köchin – was vie­len als hochat­trak­tives Woh­nungsange­bot erscheinen mag, ent­puppt sich in der Regel als Anzeige einer der zahlre­ichen Göt­tinger Stu­den­ten­verbindun­gen. Ger­ade zum Semes­ter­an­fang ver­suchen diese wieder ver­stärkt Erstse­mes­ter anzuwer­ben – zu “keilen”, wie es im Verbindungs­jar­gon heißt. Im Fol­gen­den wollen wir euch anhand einiger Aspekte des Verbindungswe­sens verdeut­lichen, warum ihr euch hüten soll­tet auf diese Wer­bung hereinzufallen.