Am heuti­gen Sam­stag demon­stri­erten ca. 150 Geflüchtete und Unterstützer*innen laut­stark unter dem Motto „Gegen Iso­la­tion und für men­schen­würdi­ges Wohnen – schließt die Siekhöhe!“ in der Göt­tinger Innen­stand. Am kom­menden Dien­stag, den 13.06., wird der Sozialauss­chuss über die Schließung mehrerer Sam­melun­terkün­fte im Göt­tinger Stadt­ge­biet entschei­den. Während das Aus der ehe­ma­li­gen Voigtschule bere­its Tat­sache ist, steht das IWF nun eben­falls zur Debatte. Auf der öffentlichen Auss­chus­sitzung am Dien­stag erfolgt die Über­gabe gesam­melter Unter­schriften, die sich stattdessen für eine Schließung der als Unterkunft völ­lig ungeeigneten Lager­halle Siekhöhe aussprechen.

Die Rede­beiträge der Aktivist*innen begrüßten zwar grund­sät­zlich die Schließung von Sam­melun­terkün­ften, da dezen­traler Wohn­raum vorhan­den sei und nur genutzt wer­den müsse. Kri­tisiert wurde vor allem aber, dass die Stadt Göt­tin­gen den Betrieb der am äußer­sten Stad­trand nahe der Auto­bahn gele­ge­nen Sam­melun­terkunft Siekhöhe, trotz aller Missstände weit­er­hin aufrecht erhal­ten will: „Die Lager­halle am Anna-​Vandenhoeck-​Ring im Gewer­bege­biet Grone ist seit einem Jahr das trau­rig­ste Beispiel für die massen­weise Unter­bringung von Geflüchteten in Göt­tin­gen“, so eine Sprecherin der Basis­demokratis­chen Linken, die zu dem Protest aufgerufen hatte. Bis zu 200 Men­schen sollen hier Platz finden. Baulich bed­ingt dringt kaum Tages­licht in die Halle, stattdessen brennt von mor­gens um sechs bis abends um zehn kün­stliche Beleuch­tung. Die Parzellen, die sich bis zu 12 Per­so­nen teilen müssen, haben keine Zim­merdecken, womit ein kon­stant hoher Lärm­pegel in der Unterkunft herrscht. Es gibt kaum Verbindun­gen des öffentlichen Nahverkehrs oder eine direkte Nach­barschaft, welche die man­gel­hafte Wohn­qual­ität in der Halle für die oft­mals trau­ma­tisierten Men­schen auf­fan­gen kön­nte. Kon­trol­liert durch eine repres­sive (über­wiegend männliche) Secu­rity leben in der Siekhöhe auch Frauen und Kinder, für die das Leben in der Lager­halle eine beson­dere Zumu­tung darstellt.

Bere­its vor einem Jahr, zur Eröff­nung der Siekhöhe, hatte es starken Protest gegeben, der sich gegen die men­sche­nun­würdi­gen Zustände dort richtete. Damals gin­gen zahlre­iche Geflüchtete begleitet von einer bre­iten sol­i­darischen Menge für ein selb­st­bes­timmtes Leben auf die Straße. Diesem Protest haben wir zu ver­danken, dass die Schließung der kosten­in­ten­siven Siekhöhe nun tat­säch­lich als Option auf dem Tisch liegt. Es bedarf aber weit­erer kräftiger Proteste, um die Schließung auch durchzuset­zen. „Die Stadt bemüht faden­scheinige Argu­mente, um an der Lager­halle als Unterkunft für Geflüchtete festzuhal­ten. Sam­melun­terkün­fte generell und beson­ders die Siekhöhe als Wohn­raum für Men­schen sind abso­lut inakzept­abel. Iso­la­tion, Kon­trolle und man­gel­nder Pri­vat­sphäre müssen endlich durch entsprechende Alter­na­tiven etwas ent­ge­genge­setzt wer­den“, so die Sprecherin.

Die zen­tralen Forderung der Demon­stra­tion sind:

  • Sofor­tige Schließung der Siekhöhe und aller men­sche­nun­würdi­gen Massenunterkünfte
  • Aus­bau der dezen­tralen Unter­rbin­gung mit Möglichkeit der Woh­nungswahl nach indi­vidu­ellen Bedürfnissen
  • kon­se­quente Nutzung von vorhan­denem Leer­stand als Wohnraum
  • ein öffentlicher Woh­nungs­bau, der guten und bezahlbaren Wohn­raum für alle Göttinger*innen schafft

Auf dem Blog der Göt­tinger Ini­tia­tiven sind mehrere Inter­views mit (ehe­ma­li­gen) Bewohner*innen der Siekhöhe veröf­fentlicht, in denen die mis­er­ablen Lebens­be­din­gun­gen aus Per­spek­tive der Betrof­fe­nen the­ma­tisiert wer­den: https://​goe​s​peak​out​loud​.word​press​.com/​c​a​t​e​g​o​r​y​/​u​n​t​e​r​k​u​n​f​t​e​/