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:: 2015 :: Nazis und Rassisten blockieren! PDF Drucken E-Mail
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Antifa-Rockers, Dorf-Punks,Vorstadt-Hippies in Güntersen!

Ending Road!

Faltblatt: Güntersen Ending RoadEs war bereits im Vorfeld ein Erfolg des antifaschistischen Widerstands in Südniedersachsen. Der dreist angekündigte Neonaziaufmarsch am 28.02.2015 in Güntersen (bei Göttingen) musste wieder abgesagt werden. Aus dem geplanten NS-verherrlichenden Horst-Wessel-Gedenken ist dank der breiten  Gegenmobilisierung nichts geworden.

Das Frühlingsfest gegen Rechts fand als deutliches Zeichen gegen neonazistische Umtriebe dennoch statt und wurde von kreativen antifaschistischen Aktionen begleitet. Bereits der Beginn mit einer Demonstration und einer  gemeinsamen Blockadeaktion von Göttinger AktivistInnen und der Günterser Dorfgemeinschaft bildete einen dynamischen Auftakt.

Unsere Presserklärungen vom 28.2.2015

Für den 28. Februar 2015 hatten Neonazis einen Aufmarsch zum Gedenken an den SA-Mann Horst Wessel im Ort Güntersen bei Göttingen angekündigt. Die Ankündigung eines Aufmarsches im Göttinger Umland ist eine Provokation. Göttingen und sein Umland sind keine Spielwiesen für Faschisten und Faschistinnen. weiter lesen


Bericht und Fotos | Kurzaufruf der A.L.I. | Aufruf Bündnis gegen Rechts | UnterstützerInnen BgR | Bus-Anreise | Karte von Güntersen | Infoveranstaltung in Göttingen | Medienberichte | Gedenkveranstaltung für Zwangsarbeiter

 


Frühlingsfest "Bunt statt Braun"

Aufgrund der breiten anitfaschistischen Mobilisierung und dem entschlossenen Auftreten der Günterser Dorfgemeinschaft und ihren BündnispartnerInnen aus Göttingen, wurde die Anmeldung für den geplanten Neonaziaufmarsch in Güntersen bereits im Vorfeld zurück gezogen. Nachdem die GöttingerInnen mit einer kleinen Demo in das Dorf kamen, begann das als Gegenaktion geplante Frühlingsfest in Güntersen mit einer dynamischen antifaschistischen Blockadeaktion am Dorfeingang, gemeinsam getragen von Günterser BürgerInnen und Göttinger AktivistInnen. Es beteiligten sich an diesem Photo-Shooting insgesamt 200 Menschen bei strahlendem Sonnenschein: Mit Transparenten, Parolen, Schildern und beschrifteten Regenschirmen machten die TeilnehmerInnen deutlich, dass es in Güntersen keinen Platz für rechte Aufmärsche und Propaganda gibt. Sie machten klar, dass sie die Neonazis gemeinsam blockiert hätten und sich ihnen auch in Zukunft in den Weg stellen werden.

GöttingerInnen aus den Bussen kommen an Symbolische Blockade in Güntersen Symbolische Blockade in Güntersen Symbolische Blockade in Güntersen Kreativ und bürgernah: Autonome Antifa! Symbolische Blockade in Güntersen

Das Fest begann dann offiziell mit Begrüßungen durch die Dorfgemeinschaft und mehreren Reden. Nachdem  bereits zahlreiche PolitikerInnen auf der Bühne ihre Solidarität mit den Güntersern bekundet hatten, machten AktivistInnen des AK Asyl und Geflüchtete in einem Redebeitrag deutlich, dass der Kampf gegen Rassismus nicht beim Widerstand gegen organisierte Neonazis aufhören darf.
Sie stellten klar, dass gesellschaftlicher und vor allem institutionalisierter Rassismus nicht nur Nährboden für neonazistisches Gedankengut, sondern auch eine akute Bedrohung Geflüchteter und MigrantInnen darstellt. Während Neonazis Menschen, die nicht in ihr menschenverachtendes Weltbild passen, bedrohen, angreifen und ermorden, betreibt der Staat seine rassistische Abschiebepolitik weiter.
Dieses hat für die von Abschiebungen betroffenen Menschen nicht nur weitreichende soziale, sondern oft auch gesundheitliche bis tödliche Kosequenzen. Solidaritätsbekundungen begleiteten diesen Redebeitrag und auch während der gesamten Veranstaltung machten AntifaschistInnen und AntirassistInnen mit gemeinsamen Aktionen auf den Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem und institutionalisiertem Rassismus und neonazistischem Gedankengut aufmerksam.

Nazis morden, der Staat schiebt ab Refugees welcome MigrantInnen und Geflüchtete sagen: wir bleiben alle! Refugees welcome!

Der Tag war nicht nur geprägt von strahlendem Sonnenschein, sondern auch vom welt-größten Kuchenbuffet: etwa 200 Kuchen und Torten wurden gebacken! Der Antifa-Infotisch war von ländlichem Flair geprägt: mit Strohballen und einen schwebenden Schaf. Der Betrieb am Table war sehr groß, viele BürgerInnen waren vor allem an Ending-Road interessiert.

Antifa-Infotisch Wir sind auf dem Land... Oldtimer gegen Rechts...

Den Abschluss bildete unsere Veranstaltung zum Gedenken an sowjetische und polnische Zwangsarbeiter, die währen des deutschen Faschismus nach Güntersen veschleppt wurden und von den Nazis ermordet wurden. Sie sind auf dem Günterser Friedhof begraben. Etwa 60 Menschen legten zu ihrem Andenken rote Nelken ab. Unseren Redebeitrag könnt Ihr hier nachlesen.

Gedenken an ermoderte Zwangsarbeiter Gedenken an ermoderte Zwangsarbeiter Gedenken an ermoderte Zwangsarbeiter Gedenken an ermoderte Zwangsarbeiter Gedenken an ermoderte Zwangsarbeiter Gedenken an ermoderte Zwangsarbeiter


Antifa Area

Antifa-Rockers, Dorf-Punks, Vorstadt-Hippies: ab nach Güntersen!

Lang nicht gesehen und doch immer noch in alter Feindschaft: für den 28. 02. 2015 haben Neonazis einen Aufmarsch zum Gedenken an den SA-Mann Horst Wessel im Ort Güntersen bei Göttingen angekündigt. Die offene Praxis, in der hier ein Mythos des deutschen Faschismus, in dem Wessel zum NS-Märtyrer verklärt wurde, einfach in seiner damaligen Form weiter gepflegt wird, lässt kein Blatt zwischen die heutigen Neonazis und ihre historischen Vorbilder passen: die Nazis, die die Welt mit einem Vernichtungskrieg überzogen und in völkischer Ideologie die grässlichsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte begangen haben.

Die Ankündigung eines Aufmarsches im Göttinger Umland ist eine Provokation. Seit Neonazis im Goldenen Oktober 2005 und im Doppelaufmarschversuch 2006 krachend am antifaschistischen Widerstand scheiterten, wurde hier kein erfolgreicher Naziaufmarsch mehr durchgeführt. Der damalige Protagonist, der Anmelder und Ex-FAP-Kader Christian Worch, hat mittlerweile seine eigene Neonazipartei gegründet, „Die Rechte“. Der neu in dessen Bundesvorstand gewählte, Göttinger Neonazi Mario Messerschmidt, fungiert jetzt als Anmelder in Güntersen. Messerschmidt fiel in der Vergangenheit dadurch auf, dass er in der rechtsoffenen Table-Dance-Bar Moonlight in Göttingen mit einer Pumpgun um sich schoss und hinterher versuchte, den Laden mit Molotow-Cocktails anzuzünden. 2009 wurde bei anschließenden Hausdurchsuchungen bei Neonazis in Südniedersachsen die militärische Aufrüstung der extrem rechten Szene durch ganze Arsenale von Waffen sichtbar. In eben jener Zeit, als parallel die Mörderinnen und Mörder des sogenannten „NSU“ schwer bewaffnet durchs Land zogen, um ihrem rassistischen Wahn brutal und tödlich nachzujagen. Damals wie heute ist es Teil der Nazi-Ideologie, geplant und gezielt diejenigen zu bedrohen, zu verfolgen und in der Konsequenz auch umzubringen, die sie als GegnerInnen ihres völkischen Weltbildes betrachten. Seine Zeit in der JVA Rostorf bei Göttingen verbrachte Messerschmidt damit, sich in Briefen an Linke in Gewaltphantasien zu ergehen. Wenn die Protagonisten des Aufmarsches also alte Bekannte sind, sagen wir ihnen gegenüber ganz klar: welcome back, to the end of the road!

Dabei sind Neonazis und ihre Waffen nur der offensichtlichste und brutalste Ausdruck einer bedrohlichen gesellschaftlichen Entwicklung eines reaktionären Roll-Backs. Im Windschatten eines nationalistischen Chauvinismus agitieren extreme Rechte erfolgreich bei Wutbürger-Auftritten, bei denen „ganz normale“ BürgerInnen mit Fackeln in Hellersdorf und Schneeberg vor Flüchtlingsheimen stehen oder ihren antimuslimischen Rassismus mit der sogenannten „PEGIDA“ in Dresden spazieren tragen. Auch jenseits von expliziten Neonazis entlädt sich die rassistische Gewalt rechter Hooligans bei der sogenannten „HoGeSa“. Der nationalistische Mainstream lebt hier seinen Rassismus aus, während die staatliche Ordnung ganz in dessen Sinne gleichzeitig tausende Menschen auf der Flucht im Mittelmeer vor Lampedusa ertrinken lässt und aktiv den rassistischen Konsens in rassistische Sondergesetze gießt. Imagine there’s no countries, it isn’t hard to do.

Obwohl Neonaziaufmärsche in Göttingen langfristig verhindert werden konnten, ist Göttingen als Teil der bürgerlichen Normalgesellschaft keineswegs frei von rechter Gewalt oder gar von Neonazis: der Mythos der „nazifreien“ Stadt bricht sich realistisch an rassistischer Gewalt und zunehmend provokantem Auftreten von Neonazis auch in Göttingen selbst – etwa wenn ein PUK-Minicar-Fahrer 2012 rassistisch verprügelt wird oder wenn 2013 Northeimer Neonazis in der Kneipe Sonderbar Stress mit Linken suchen. Nazigewalt und rassistischem Alltag gilt es sich immer antifaschistisch entgegen zu stellen, nicht nur wenn Aufmärsche angekündigt sind!

Mit dem jetzigen Aufmarsch versuchen die Faschisten und Faschistinnen vor diesem Hintergrund wieder als unverhohlene Zusammenrottung im Hinterland von Göttingen auftreten zu können. Das gilt es mit entschlossenem, antifaschistischen Widerstand zu verhindern – auf allen Ebenen! Göttingen und sein Umland sind keine Spielwiesen für Faschisten und Faschistinnen. Wo immer sie den Kopf aus der Deckung strecken, werden wir sie bekämpfen! Den erneuten Aufmarschversuch werden wir scheitern lassen!

Im Februar gemeinsam nach Güntersen! Ending Road for Neonazis!

Antifaschistische Linke International, Dezember 2014

 


Antifa-Rockers, Dorf-Punks, Vorstadt-Hippies: Ab nach Güntersen!

Plakat: Güntersen Ending Road

Es ist bereits jetzt ein Erfolg des antifaschistischen Widerstands in Südniedersachsen: Nach dreisten und vollmundigen Ankündigungen, am 28.2.2015 einen Neonaziaufmarsch in Güntersen (bei Göttingen) durchführen zu wollen, nach unverhohlenen Drohungen und wirren Winkelzügen wurde die Anmeldung für das NS-verherrlichende Horst-Wessel-Gedenken bereits Ende Januar wieder zurückgezogen. Die klare Stellungnahme der großen Mehrheit der DorfbewohnerInnen mit einem Anti-Neonazi-Frühlingsfest in Güntersen, die Ankündigung des Göttinger Bündnis gegen Rechts einen Aufmarsch egal an welchem Ort mittels Blockaden zu verhindern sowie die Verbotsandrohung der zuständigen Behörden haben den Aufmarsch-Anmelder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Jetzt gilt es, den politischen Erfolg, den wir gemeinsam im Vorfeld errungen haben, in einen tatsächlichen Erfolg am 28. Februar in Güntersen zu verwirklichen. Ein großes und kraftvolles Anti-Neonazi-Frühlingsfest kann für die versprengten aber im Hintergrund durchaus umtriebigen Neonazis in der Region Südniedersachsen eine klare Ansage sein: Ihr kommt mit euren Provokationen nicht durch! Ein gelungenes Frühlingsfest in Güntersen kann auch für andere Menschen in der Region ein Vorbild sein, ihre verharmlosende und zögerliche Haltung im Kampf gegen Neonazis zu überdenken und sich beherzter den rechten Umtrieben in ihren Gemeinden und Kleinstädten entgegenzustellen. Wenn das Frühlingsfest in Güntersen der politische Grund dafür ist, dass die Neonazis nicht aufmarschieren können, dann muss es auch tatsächlich vor Ort den entschlossenen antifaschistischen Ausdruck bekommen, der diesen Erfolg sichtbar macht!

In Güntersen geht es uns am 28.2.2015 auch darum, jenen eine Stimme zu geben, die in den aktuellen Debatten um Zuwanderung, Flüchtlingsunterbringung und Rassismus allzu gerne übergangen werden: Neben anderen offiziellen Rednern soll auch einE SprecherIn der Flüchtlingsselbstorganisation The Voice Refugee Forum (angefragt) einen Redebeitrag halten. Wir sind dabei und rufen: Refugees are welcome here!

Trotz oder gerade wegen der Erfolge des antifaschistischen Widerstands in Südniedersachsen müssen wir weiter sehr wachsam sein. Das zeigt schon die Ausgangslage: Das Zusammenwirken von Hells Angels und Neonazis in Adelebsen und Güntersen, die offenen Gewalt- und Todesdrohungen durch den Aufmarsch-Anmelder und die Waffenfunde bei einer Vielzahl von Faschisten in den Jahren 2008 und 2009. Die Versuche derselben Leute, sich mittels Pegida-Ablegern in Kassel, Northeim, Braunschweig und Hannover an die rechte Mitte der Gesellschaft anzubiedern, die chauvinistische und rassistische Stimmungsmache gegen eine Flüchtlingsunterkunft auf den Göttinger Zietenterrassen – all das ist eine brandheiße und gefährliche Mischung aus Rassismus, Volksgemeinschafts-Wahnsinn und Gewalt. Der Rückzieher der Neonazis in Güntersen markiert einen Erfolg aber er ist bei weitem nicht das Ende vom Lied!

70 Jahre nach der Befreiung vom deutschen Faschismus liegt es an uns, an allen AntifaschistInnen, genau hinzuschauen, aufzustehen und einzugreifen.


Samstag, 28.2.2015 | Güntersen
Kundgebung | Konzerte | antifaschistische Aktionen



Bus-Anreise aus Göttingen

Jetzt Bustickets kaufen!Das Göttinger Bündnis gegen Rechts organisierte für den 28. Februar 2015 eine gemeinsame Anreise aus Göttingen. 2 Reisebusse und zahlreiche PKW und Kleinbusse brachen am Morgen aus Göttingen nach Güntersen auf.

Der Ticketverkauf fand an diesen VVK-Stellen statt, wir danken für die Unterstützung:

ver.di | Groner-Tor-Straße 32 | Göttingen

DGB | Weender Landstraße 6 | Göttingen

Roter Buchladen | Nikolaikirchhof 7 | Göttingen

05-Fanraum | Platz der Synagoge | Göttingen

IG-Metall | Teichstraße 9-11 | Northeim

Eine Ortskarte von Güntersen findet Ihr hier.


Aufruf des Göttinger Bündnis gegen Rechts

Kein Fußbreit den Neonazis und deren Unterstützer - weder in Güntersen noch anderswo!

Für den 28. Februar 2015 ist ein Neonazi-Aufmarsch zum Gedenken an den SA-Verbrecher Horst Wessel im 600-EinwohnerInnen-Dorf Güntersen bei Göttingen angekündigt. Obwohl es in Güntersen keinerlei Bezug zu Horst Wessel gibt, wollen die Neonazis vom Ortseingang zum Dorffriedhof laufen und ausgerechnet vor dem Landgasthof Lindhorst enden, in dem der Rockerclub „Hells Angels“ ihre regelmäßigen, bundesweiten Treffen abgehalten hat. Diese Willkür gipfelt darin, dass auf dem Friedhof neben dem obligatorischen Soldatendenkmal auch ein Mahnmal für die von den Nazis ermordeten sowjetischen Zwangsarbeiter steht. Die Verantwortung vor der Geschichte der singulären nationalsozialistischen Verbrechen lässt es nicht zu, dass gerade an einem solchen Gedenkort und 70 Jahre nach der Befreiung vom deutschen Faschismus wieder Neonazis durch die Straßen marschieren! Wir werden es nicht zulassen, dass Neonazis unbeantwortet marschieren: weder in Güntersen, noch in Göttingen oder sonst irgendwo!


Der Anmelder des Aufmarsches, der Neonazi Mario Messerschmidt, legt seit Jahren ein aggressives und narzisstisches Verhalten an den Tag. 2008 schoss dieser in der rechtsoffenen Tabledancebar „Moonlight“ in Göttingen mit einer Pump-Gun auf „Kameraden“ und versuchte hinterher den Laden mit Molotowcocktails abzubrennen. Bei anschließenden Hausdurchsuchungen wurden bei verschiedenen Neonazis in der Region Massen an scharfen Waffen gefunden. Messerschmidt wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, die er damit zubrachte mehrere gewaltverherrlichende Drohbriefe an politische GegnerInnen zu schreiben. Schon direkt nach der Haftentlassung tummelte er sich wieder auf Neonaziaufmärschen, ist mittlerweile Beisitzer im Bundesvorstand der Neonazi-Partei „Die Rechte“ und versucht sich nun in
Güntersen zu profilieren.

Die Waffenfunde wurden 2009 noch vom damaligen CDU-Innenminister Uwe Schünemannals allgemeine Affinität zu Waffen unter Neonazis verharmlost. Dass Neonazis diese Waffenaber auch einsetzen, ist spätestens mit dem Bekanntwerden des sogenannten NSU 2011 deutlich geworden, auf dessen Listen auch Ziele in Göttingen standen und der keine Stunde entfernt von hier 2006 Halit Yozgat in Kassel ermordet hat. Neonazis und ihre menschenverachtende Ideologie sind eine konkrete Bedrohung für alle, die sie sich in ihrem rassistischen Wahn zum Feindbild machen.

 

Der angekündigte Aufmarsch ist daher nicht allein ein Problem in Güntersen: In der ganzen Region Göttingen versuchen sich Neonazis nach Jahren wieder Stück für Stück festzusetzen. In Katlenburg erwerben Neonazis eine Immobilie, in Northeim existieren seit Jahren etablierte, organisierte Neonazistrukturen und in Göttingen-Geismar wurden Jugendliche, die eine Hakenkreuzfahne entdeckt hatten, anschließend durch die Straßen gejagt. Deshalb unterstützen wir als Göttinger Bündnis gegen Rechts die Menschen in Güntersen in ihrer Gegenwehr gegen die Neonazis. Egal wo in der Region Südniedersachsen können und werden wir es nicht zulassen, dass Neonazis wieder Fuß fassen. Dagegen setzen wir alle unseren vielfältigen Widerstand!

Wir rufen alle AntifaschistInnen und Nazi-GegnerInnen dazu auf, im Februar mit uns zusammen den Aufmarsch der Neonazis zu verhindern und die Menschen in Güntersen nach allen Kräften zu unterstützen!

Göttinger Bündnis gegen Rechts, November 2014


UnterstützerInnenliste des Bündnisaufrufs

Über 50 Initiativen, Organisationen und Parteien sowie zahlreiche Einzelpersonen unterstützten den Aufruf des Göttinger Bündnis gegen Rechts .

Gruppen und Organisationen:

AKM – Anatolisches Kulturzentrum Göttingen
Antifaschistische Linke International A.L.I.
Attac Göttingen
Basisdemokratische Linke Göttingen
Basisgruppe Medizin Göttingen
Bündnis 90 / Die Grünen Kreisverband Göttingen
Bündnis 90 / Die Grünen Kreistagsfraktion Göttingen
Bündnis 90 / Die Grünen Stadtverband Göttingen
Bündnis 90 / Die Grünen Stadtratsfraktion Göttingen
Bürgerbündnis Bunt statt Braun im Landkreis Osterode am Harz e.V.
Deutsche Liga für Menschenrechte e.V.
DGB-Kreisverband Göttingen
DGB-Jugend Göttingen
DGB-Region Südniedersachsen-Harz
Die LINKE, Kreisverband Göttingen
DIE LINKE. Kreistagsfraktion Göttingen
DIE LINKE Kreisverband Northeim
DIE LINKE. Ortsverband Hann. Münden
DKP Göttingen
Dorf mit Zukunft Güntersen
Frauen-Notruf e.V.
Freie Altenarbeit Göttingen e.V.
Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba Regionalgruppe Göttingen (FG BRD-Kuba-Göttingen)
GEW Kreisverband Göttingen
Groner BürgerInneninitiative Antifaschismus (Grobian)
Grüne Jugend Göttingen
Grüne Jugend Niedersachsen
Göttinger Betriebsexpress
Göttinger LINKE Ratsfraktion
Göttinger Piraten Stadtratsfraktion
IG BAU OV Göttingen
IG Metall Jugend Süd-Niedersachsen-Harz
IG Metall Südniedersachsen-Harz
Integrationsrat Göttingen
Jüdische Gemeinde Göttingen
Jüdische Kultusgemeinde für Göttingen und Südniedersachsen e.V.
Juso Hochschulgruppe Göttingen
Jusos Göttingen
Jugendzentrum Innenstadt JuZI Göttingen
LAG Antifaschismus DIE LINKE.Niedersachsen
Linksjugend [‚solid] Göttingen
MC Kuhle Wampe Göttingen
Natur Freunde Göttingen
Ortsrat Güntersen
Paritätischer Wohlfahrtsverband KV Göttingen
RasenSportGuerilla
Rote Hilfe Göttingen
SDAJ Göttingen
SDS Göttingen
SPD Stadtverband Göttingen
Schöner Leben Göttingen
Supporters Crew 05
Umweltgewerkschaft
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN – BDA) Kreisvereinigung Göttingen
Ver.di-Jugend Göttingen
Ver.di-Ortsverein Göttingen
WählerInnengemeinschaft Göttinger Linke

Einzelpersonen:

Jan von Alvesleben (Jugendsekretär Ver.di)
Lothar Hanisch (DGB)
Patrik Humke (Ratsherr Stadt Göttingen, LaVo Die LINKE Nds.)
Kirsten Klein (Ratsfrau im Rat der Stadt Hann. Münden, DIE LINKE.)
Olaf Klein (DIE LINKE. Hann. Münden)
Siegfried Lieske (Dezernent Stadt Göttingen)
Marlen & Reinhard Neubauer (Göttingen)
Gerd Nier (Göttingen)
Lara Piepkorn (Stadtratsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen)
Meinhart Ramaswamy (Piraten Göttingen)
Ute Reichmann (Landkreis Göttingen)
Günther Siedbürger (Göttingen)
Katharina Simon (Piraten Göttingen)
Jürgen Trittin (MdB Bündnis 90 / Die Grünen)
Erich Wutschke (Göttingen)
Pia  Zimmermann (MdB, DIE LINKE.)
Helmhard Ungerer (Mitglied im Ortsrat Göttingen-Geismar)
Angelika Ungerer
Sissi Spiegler
Ulrich Maschke (Ratsherr DIE LINKE Samtgemeinde Dransfeld)


Karte Güntersen

Karte: Güntersen bei AdelebsenDer Ort Güntersen liegt als Ortsteil 6 km südlich vom Flecken Adelebsen und 18 km westlich von Göttingen. Er hat ca. 600 EinwohnerInnen und hat keinen eigenen Bahnhof. Die nächste Haltestelle mit dem Zug ist im benachbarten Adelebsen.

Für die Anreise zu den antifaschistischen Aktionen gegen den geplanten Neonaziaufmarsch am 28.2.2015 in Güntersen organisierte das Bündnis gegen Rechts eine gemeinsame Busfahrt aus Göttingen.

 

 


 

 

 


Info- und Mobilisierungsveranstaltung in Göttingen

Am Dienstag, den 17. Februar 2015 führten wir eine Info- und Mobilisierungsveranstaltung zu den antifaschistischen Aktivitäten in Guntersen durch. Im Holbornschen Haus lauschten und diskutierten knapp 50 Antifaschistinnen und Antifaschisten über Nazis in Südniedersachsen und antifaschistischen Widerstand dagegen. Besonders erfreulich war, dass etwa 10 Antifaschistinnen und Antifaschisten aus Güntersen zu der Veranstaltung kamen und sich in der Diskussion mit ihren Erfahrungen eingebracht haben. Schmankerl am Rande: unsere erste Schallplatte wurde produziert: "From Abbey Road to Güntersen"! Diese wurde auf dem Table präsentiert und begutachtet. Und: der erste Bus ist auf der Veranstaltung durch Fahrkartenverkauf auf Anhieb voll geworden. Ein zweiter Bus wurde nachgebucht und in den folgenden Tagen gefüllt.

Veranstaltung zu den antifaschistischen Aktivitäten in Güntersen Veranstaltung zu den antifaschistischen Aktivitäten in Güntersen Table Veranstaltung zu den antifaschistischen Aktivitäten in Güntersen Plattenhit: From Abbey Road to Guentersen Plattenhit: From Abbey Road to Guentersen

 


 

Gedenkveranstaltung für die ermordeten Zwangsarbeiter | Güntersen | 28.2.2015

Redebeitrag der Antifaschistischen Linken International A.L.I. während der Gedenkveranstaltung für drei ermordete Zwnagsarbeiter am 28.2.2015 in Güntersen.

Gedenken an ermoderte Zwangsarbeiter„Ich und einige meiner Landsleute wurden zu einer Gruppe von ca. 70 Menschen ins Dorf gebracht. Das Lager war im zweiten Stock einer Kneipe. Da standen Etagenbetten für die Übernachtung. […] Der erste Arbeitsplatz in Deutschland war ein paar Kilometer von dem Lager im Dorf Güntersen entfernt. Wir wurden zur Arbeit in einer Kolonne unter Bewachung geführt. […] Wir waren Sklaven ohne Rechte. Uns konnten sie schlagen und hungern lassen. […] Keinem, mir auch nicht, wurde ein Arbeitslohn für die geleistete Arbeit entrichtet. […] Wir mussten an dem Ärmel ein aufgenähtes Abzeichen mit dem Wort ‚OST‘ tragen. […] Schlafraum und Toiletten waren in einem Raum. Solche hygienischen Verhältnisse hatten wir. […] Schon der Aufenthalt im Lager war grausam, vor allem das schlechte und unzureichende Essen. […] Deswegen riskierte ich mein Leben; in einem fremden Land, ohne die Sprache zu kennen, sind wir zu dritt aus diesem Lager […] weggelaufen.“ (Nikolai Timofejewitsch Subanj, Zwangsarbeiter an einer Ferngasleitung, 1942)

„Die Menschen … werden verschleppt, wie Sklaven, weit, weit weg gebracht zum Arbeiten, werden ihre Heimat nie mehr sehen. Aus Russland, Holland, Belgien, Frankreich usw…. Das ist die Kultur des Abendlandes! Heraufbeschworen von Männern, man kann es nicht anders nennen, die wahnsinnig sind. Kommt es wirklich darauf an, dass ein Land reicher ist als das andere? Oder wäre es nicht doch richtiger, erst und vor allen Dingen den Menschen und den Arbeitern ihr Los zu erleichtern. Diese Ärmsten der Armen, von denen alles Glück und aller Wohlstand auf Erden erarbeitet wird, und der dafür nur den Bruchteil erhält und zu immer größeren Leistungen getrieben wird. Wie wird es enden?“ (Zwangsarbeiter des Reichsbahnausbesserungswerks, 1943)

Statt den Tätern muss den Opfern des deutschen Faschismus gedacht werden. Hier in Güntersen namentlich Sigmund Lusicke, Egon Dornitschew und Vjasily Karwalow. Die Namen finden sich auf einer Gedenktafel auf dem Friedhof und stehen hier auf dem Banner.

Etwa 13.5 Millionen ausländische Arbeitskräfte und Gefangene wurden auf dem Gebiet des damaligen so genannten „Deutschen Reichs“ zur Arbeit gezwungen. Die Zahl der ZwangsarbeiterInnen setzten sich aus etwa 8,4 Millionen zivilen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, 3,4 Millionen Kriegsgefangenen und 1,7 Millionen Häftlingen aus Konzentrationslagern, Ghettos und ähnlichen Lagern zusammen.

Gedenken an ermoderte ZwangsarbeiterDie Zwangsarbeitenden wurden als Kriegsbeute ihren Umfeldern entrissen, in völlig überfüllten Zügen, zusammengepfercht und nach Deutschland deportiert. Dort wurden sie einer ärztlichen Kontrolle unterzogen und einen Monat lang in Quarantäne gehalten, bevor sie in verschiedene Städte und Dörfer verteilt wurden. Die Menschen arbeiteten und lebten unter menschenunwürdigen Bedingungen: Sie verrichteten viele Stunden am Tag harte Arbeiten, daneben standen prügelnde Aufseher. Das Essen war schlecht, die Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen unterernährt, täglich gab es Misshandlungen. ZwangsarbeiterInnen aus der Sowjetunion und Osteuropa erhielten keine Bezahlung für ihre Arbeit; Flüchtende, die gefasst wurden, wurden erschossen. Die ZwangsarbeiterInnen galten als Menschenmaterial aus den besetzten Gebieten. Während deutsche Soldaten an der Front mordeten, ermöglichte das Zwangsarbeitersystem die Aufrechterhaltung der Produktion und die Kriegsfähigkeit der Deutschen. Das heißt die Zwangsarbeiter wurden dazu gezwungen die Kriegsfähigkeit ihres Feindes zu erhalten und damit auch ihre eigene Gefangenschaft zu verlängern. Gleichzeitig sollte ihre Arbeitskraft bis zur Vernichtung ausgebeutet werden. Die Verschleppten und Versklavten hatten keinerlei Rechte und unterlagen Sondergesetzen: Zwangsarbeiter aus Osteuropa und der Sowjetunion befanden sich am untersten Ende der NS-Rassenideologie, was sich in der Behandlung, Unterbringung und Essensversorgung widerspiegelte. Sie durften nicht sichtbar am öffentlichen Leben teilhaben, wurden in Lagern eingepfercht und durften nur zum Arbeiten hinaus. Mehr als die Hälfte der sowjetischen Kriegsgefangenen wurden durch Arbeit zu Tode geschunden.

Auch die Region Göttingen und damit auch Güntersen profitierten von der Ausbeutung durch Zwangsarbeit: Hier in Güntersen gab es vier Lager bzw. Arbeitsorte: In der Langen Straße 9 beim Betrieb Werner, im Basaltsteinbruch am Backenberg und auf dem Günter´ser Rittergut. Viertens schliefen im Jahr 1942 im Saal eines Gasthauses Zwangsarbeiter, die an der Ferngasleitung durch Südniedersachsen für die Firma Mannesmann arbeiteten.  Insgesamt wurden allein in Güntersen zwischen 1939 und 1945 knapp 400 Menschen zu schwerer Arbeit gezwungen. Die meisten der hier arbeitenden Menschen stammten aus Osteuropa und der Sowjetunion, gehörten also zum untersten Ende der  faschistischen Rassenideologie und waren damit komplett entrechtet.

Güntersen, Adelebsen, Lödingsen, Wibbecke, Barterode - Kein Ort der Region, Kein Ort in ganz Deutschland kann von sich behaupten keine ZwangsarbeiterInnen ausgebeutet zu haben!

In dem Basaltwerk am Backenberg lebten die Menschen in Stein- und Holzbaracken, eingezäunt von Stacheldraht, bewacht von Soldaten. Täglich mussten sie unter schwerster körperlicher Anstrengung Basalt aus der Wand schlagen, der auf Schienen abtransportiert wurde. Die Anteilseigner der Basaltwerke waren u.a. die Landkreise Duderstadt, Göttingen und Münden.

Vjasily Karwalow, der hier auf dem Friedhof in Güntersen liegt, und auf der Gedenktafel steht, wurde am 1.10.1941 im Alter von 19 Jahren auf der Flucht ermordet. Kopfschuss. Er wurde am Tunnel vor dem Backenberg tot aufgefunden.

Der Steinspalter Symund Lusike starb am 20.06.1942 mit 25 Jahren an einer Magenkrankheit in Folge von schlechter Ernährung und mangelnder medizinischer Versorgung. Auch er liegt auf diesem Friedhof und steht auf der Gedenktafel.

Ein zweites Zwangsarbeitslager befand sich im Saal einer Gastwirtschaft hier in Güntersen, in dem 70 russische Zwangsarbeiter einen Schacht für eine Ferngasleitung für die Firma Mannesmann im Auftrag der sogenannten Hermann-Göring-Werke in Salzgitter graben mussten. Das ist die heutige Salzgitter AG. Die Firma Mannesmann wurde 2000 von eben dieser Salzgitter AG aufgekauft.

In diesem Lager wurden viele, unter ihnen auch Nikolai Timofejewitsch Subanj aus dem Anfangszitat, 24 Stunden lang bewacht und eingeschlossen. Es kam regelmäßig zu Misshandlungen, die Arbeitenden wurden geschlagen, waren unterernährt und oft völlig erschöpft. Sie mussten sich durch ganz Südniedersachsen graben, um diese Leitung zu verlegen und wurden immer wieder an andere Orte versetzt, an denen sie zum Arbeiten eingesperrt wurden.

Wir gedenken heute der vielen ermordeten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter während des deutschen Faschismus. Hier in Güntersen heute namentlich Sigmund Lusicke, Egon Dornitschew und Vjasily Karwalow, die hier ermordet wurden. Denn gerade 70 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus ist es unsere Aufgabe uns daran zu erinnern wer die Täter und wer die Opfer waren. Aus diesem Grund verwehren wir uns dem Gedenken an deutsche Soldaten - unser Gedenken gebührt diesen Männern auf dem kleinen Schild! Den Tätern des NS kein vergeben und kein vergessen!

In diesem Sinne schließen wir mit einem Zitat vom 01.05.1945 eines Zwangsarbeiters:
„Die Einzigen, die wieder freier atmen können, sind wir, die wir 12 Jahre dieses Joch ertragen haben, am schwersten wohl… Nun ist auf einmal alles vorbei, sie haben sich in alle Winkel verkrochen, die vorher die große Schnauze hatten. Es ist schade, dass wir den Führer nicht bekommen können. Es sind aber noch andere da, und hoffentlich machen wir die Abrechnung gründlich und richtig in unseres Freundes Namen. Nie wieder werden wir die Schande von Deutschland abwischen können, die die Verbrecher angerichtet haben.“1


Literaturverzeichnis:

Geschichtswerkstatt Göttingen e.V.: Von der Konditorei zur Messtechnik. NS-Zwangsarbeit in Göttingen. Ein Stadtrundgang zu Fuß und mit dem Fahrrad. Göttingen 2011.

Siedbürger, Günther: Zwangsarbeit im Landkreis Göttingen 1939-1945. Duderstadt 2005.

Onlinequellen:

www.geschichtswerkstatt-goettingen.de/extrablatt/p-04.htm

www.zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu


Presseinformationen

Presseinformation II vom 28.02.2015


Erfolgreicher antifaschistischer Widerstand in Güntersen
1500 Menschen auf der Strasse gegen Rechts


Etwa 1500 Menschen beteiligten sich am heutigen Samstag, den 28.02.2015, in Güntersen am Frühlingsfest gegen Rechts und den begleitenden antifaschistischen Aktionen im Ort.

Aufgrund eines angekündigten Neonaziaufmarsches hatte die Günterser Dorfgemeinschaft das Fest unter dem Motto „Bunt statt Braun“ ins Leben gerufen und gemeinsam mit AktivistInnen der Antifaschistischen Linken International (A.L.I.) aus Göttingen und dem Göttinger Bündnis gegen Rechts offensiv gegen die neonazistischen Umtriebe mobilisiert. Diesem Widerstand war es zu verdanken, dass der Aufmarsch bereits im Vorfeld wieder abgesagt wurde.

Die antifaschistischen Aktionen und das Fest heute haben gezeigt, dass auch in Zukunft in Güntersen kein Platz für Neonazis und Rassisten ist. Eine Sprecherin der A.L.I. wertete den Tag als vollen Erfolg und sagte hierzu: “Die Ankündigung ‚Kein Fußbreit den Faschisten!‘ wurde heute gemeinsam mit der Günterser Dorfgemeinschaft eindrucksvoll in die Tat umgesetzt. Das ist ein klarer Erfolg und eine Ansage für das Göttinger Umland!“

Das Fest wurde den Tag über von kreativen antifaschistischen Aktionen begleitet. Den Auftakt bildete eine kurze dynamische Demonstration und eine Blockadeaktion auf der Hauptstraße von etwa 150 Menschen mit Transparenten, Schildern, beschrifteten Regenschirmen und Parolen (siehe auch Presseinformation 1 vom 28.02.2015).

Dass der Kampf gegen Rassismus nicht beim Widerstand gegen organisierte Neonazis aufhören darf, machten antirassistische AktivistInnen und Geflüchtete in einem Redebeitrag deutlich. Dieser bildete einen deutlichen Kontrast zu den vorherigen Bekundungen diverser PolitikerInnen, welche sich überwiegend auf neonazistische Aktivitäten beschränkten. Die Forderungen nach Bleiberecht und gegen rassistische Abschiebegesetze wurden von antifaschistischen AktivistInnen unter anderem mit Sprechchören und einem schwebenden Banner solidarisch begleitet. „Gesellschaftlicher und institutionalisierter Rassimus und Abschiebungen sind für Geflüchtete eine ebenso reale Gefahr wie mordende Neonazis und deren Betreuer beim Verfassungsschutz.“ bekräftigte hierzu eine Sprecherin der A.L.I..

Desweiteren fand am Günterser Friedhof eine Gedenkveranstaltung für die drei dort beerdigten Zwangsarbeiter statt, welche im deutschen Faschismus ermordet wurden. In einem bewegenden Redebeitrag wurde den mehreren hundert in die Region verschleppten ehemaligen ZwangsarbeiterInnen gedacht und zu ihrem Andenken Blumen niedergelegt.

Ursprünglich hatte der Anmelder des Neonazi-Aufmarsches ausgerechnet an dieser Stelle im Sinne eines faschistischen Märtyrerkultes eine Kranzniederlegung für den SA-Mann Horst Wessel geplant. „Diese Provokation konnte verhindert und durch ein bewegendes Gedenken an die tatsächlichen Opfer des deutschen Vernichtungskrieges ersetzt werden.“, so  die Sprecherin der A.L.I.

Das Frühlingsfest dauert mit einem Kulturprogramm noch bis in den Abend an.

Während in Güntersen Nazis und Rassisten keinen Fuß auf den Boden bekommen konnten, nahmen zwei organisierte Neonazis aus der Region zeitgleich an einer Veranstaltung für einen inhaftierten Nazikader in Hildesheim teil und beteiligten sich dort an gewalttätigen Ausschreitungen.

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Presseinformation I vom 28.02.2015

Frühlingsfest gegen Rechts in Güntersen

Kreative antifaschistische Aktion zum Auftakt

Mit einer antifaschistischen symbolischen Blockadeaktion von Göttinger AktivistInnen gemeinsam mit den EinwohnerInnen aus Güntersen begann heute Morgen das dortige Frühlingsfest gegen Rechts.

Aufgrund eines angekündigten Aufmarsches von Neonazis findet in Güntersen am heutigen Samstag, den 28.02.2015, ein Frühlingsfest unter dem Motto „Bunt statt Braun“ statt. Nach entschlossener antifaschistischer Gegenmobilisierung aus Güntersen und Göttingen zog der Anmelder des Neonazi-Aufmarsches, Mario Messerschmidt, die Anmeldung bereits zurück. Als deutliches Zeichen gegen Rechts findet das Frühlingsfest heute dennoch statt. Zu Beginn versammelten sich die angereisten AntifaschistInnen aus Göttingen gemeinsam mit vielen Günterser EinwohnerInnen zu einer symbolischen Blockadeaktion auf der Hauptstraße. Etwa 150 Menschen machten mit Transparenten, Schildern, beschrifteten Regenschirmen und Parolen deutlich, dass in Güntersen kein Platz für rechte Umtriebe ist.

„Mit der dynamischen Blockadeaktion wurde deutlich gemacht, dass im Göttinger Umland stets mit entschlossenem antifaschistischen Widerstand zu rechnen ist.“, so eine Sprecherin der Antifaschistischen Linken International (A.L.I.) aus Göttingen. „Die Situation in Güntersen ist ein klarer Erfolg und Ergebnis einer gesellschaftlich breiten Zusammenarbeit und offensiven antifaschistischen Gegenmobilisierung gemeinsam mit der Günterser Dorfgemeinschaft.“

Den ganzen Tag finden in Güntersen weitere Veranstaltungen und Aktionen im Rahmen des Frühlingsfestes statt. Göttinger AntifaschistInnen sind unter anderem mit einem Infostand vertreten.



Medienberichte

Stadtradio Göttingen, 2.3.2015

"Gegen Rechts": 2.000 Menschen besuchen Günterser Frühlingsfest

Etwa 2.000 Menschen haben sich am Samstag am Günterser Frühlingsfest gegen Rechts beteiligt. Den Auftakt bildete eine Demonstration auf der Hauptstraße. Im Festzelt bekundeten die Göttinger Bundestagsabgeordneten Jürgen Trittin (Grüne) und Fritz Güntzler (CDU) sowie der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel ihre Solidarität mit den Güntersern. Sie, weitere Politiker und Vertreter verschiedener Organisationen sprachen sich gegen jegliche Form von Rassismus aus. Auf dem Günterser Friedhof wurde den Zwangsarbeitern in der Region während der NS-Zeit gedacht. Der Anmelder des ursprünglich geplanten Neonazi-Aufmarsches in Güntersen wollte genau dort einen Kranz für den SA-Mann Horst Wessel niederlegen. Eine Sprecherin der Antifaschistischen Linke International wertete den Tag als vollen Erfolg. Die verschiedenen Aktionen und das Fest insgesamt hätten gezeigt, dass auch in Güntersen kein Platz für Neonazis und Rassisten sei. Das Frühlingsfest und seinem Kulturprogramm, darunter auch ein Auftritt des Göttinger Symphonie-Orchesters, dauerte bis in den späten Abend.

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HNA, 2.3.2015

Kulturfest in Güntersen

Güntersen: Ein Dorf setzt Zeichen gegen Rechte und Hells Angels

Güntersen. Bunt statt Braun, Vielfalt statt Rassismus: Mit einem Frühlingsfest haben die 500 Einwohner von Güntersen und viele Gäste am Samstag ein Zeichen gesetzt.

Und das reicht weit über Südniedersachsen hinaus. Der Dirigent des Göttinger Symphonie-Orchesters, Christoph-Mathias Mueller, brachte es am eigenen Beispiel auf den Punkt: Das Arbeiten und Erleben in einem Orchester mit Musikern aus 23 Nationen ersticke jeden Rassismus im Keim. Das strahle in die Familien und die Gesellschaft aus. Von daher sei es eine Selbstverständlichkeit für das Orchester, das Frühlingsfest zu unterstützen.

Und das tat es mit dem, was es am besten kann. Mit Musik, aber in kleiner Besetzung in der kleinen St.Martini-Kirche, wo kein Stehplatz frei blieb. So war es auch im Festzelt. Dort bekundeten ihre Solidarität mit dem Ort und den Menschen auch die Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler (CDU, Thomas Oppermann (SPD) und Jürgen Trittin (Grüne), sowie der niedersächsische Umweltminister und stellvertretende Ministerpräsident Stefan Wenzel (Grüne), Kommunalpolitiker und Vertreter von Verbänden und Organisationen. Alle warnten vor den Folgen von Rechtsextremismus und Rassismus. Mit dabei waren auch Vertreter der jüdischen und islamischen Gemeinden in Göttingen.

Zu dem Fest kam es, weil Neonazis der Partei „Die Rechte“ für den 28. Februar zu einen Aufmarsch zum Gedenken an den Nazi Horst Wessel angekündigt hatten. Obwohl es in dem Dorf keinen Bezug zu Wessel gibt, so Bernd Lehr vom Festkomitee, wollten sie vom südlichen Ortseingang bis zum Dorffriedhof und zu einem Gasthaus ziehen, in dem der Rockerklub Hells Angels mehrmals bundesweite Treffen abgehalten hatte. Also beschlossen die Einwohner mit Ortsbürgermeister Dr. Norbert Hasselmann (Grüne) an der Spitze, Flagge zu zeigen: Bunt statt Braun.

Das Resultat: Am Samstag drängelten sich die Besucher in der Ortsmitte nicht nur zur Kundgebung, sondern auch, um das Kulturprogramm zu genießen, obwohl die Göttinger Hells Angels inzwischen verboten sind und die Rechte-Kundgebung nach einer Verbotsandrohung durch den Landkreis Göttingen abgesagt worden war.

„Richtig gut aufgezogen“, lobte Lothar Querforth das Frühlingsfest. Er war extra aus Heisebeck gekommen. Der Intendant des Jungen Theaters Göttingen, Nico Dietrich, der sich zwischendurch die Bihunsuppe aus dem benachbarten Barterode schmecken ließ, gehörte zu den Unterstützern.

Güntersens Gastwirt Steffen Meyer, in dessen Saal die Frauen des Dorfes mit einem Kuchen- und Tortenbuffet aufwarteten, sagte angesichts des Engagements: „Der Zusammenhalt im Dorf ist unglaublich.“ Die Sprecherin des Frühlingsfestes, Barbara Jahns-Hasselmann, sagte, Güntersen sei kein Einzelschicksal. Deshalb müsse man gegen Rechtsextremismus und Rassismus kämpfen.

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GT, 2.3.2015

Güntersen zeigt Flagge

2000 Gäste bei Fest gegen Nazi-Aufmarsch in Güntersen

Mehr als 2000 Menschen haben am Sonnabend in Güntersen mit einem Frühlingsfest gegen Rockerbanden und Neonazis in dem 700-Einwohner-Dorf protestiert.

Güntersen. Unter dem Motto „Bunt statt Braun - wir zeigen Flagge“ feierten sie mit Musik namhafter Künstler von Klassik bis Rock und weiteren Aktionen auf drei Bühnen und auf der Hauptstraße. Das Fest war ihre Antwort auf einen an diesem Tag geplanten Nazi-Aufmarsch und vorangegangene Treffen der inzwischen verbotenen Rockervereinigungen Hells Angels, die sich mehrfach in Güntersen versammelt hatten.

„Es gehört viel persönlicher Mut dazu, sich gegen solche Bedrohungen zu stellen“ , sagte die stellvertretende Göttinger Landrätin Maria Gerl-Plein (Grüne) zu Beginn des Festes, an dem sich viele Abgeordnete aus der Region beteiligt haben. Mit ihrem Widerstand und dem Fest zeigten die Bürger, „dass in Güntersen kein Platz für menschenverachtendes Gedankengut und für Rechtsextremismus ist“, fügte der Staatssekretär im niedersächsischen Innenministerium, Stephan Manke, an.

Der Adelebser Neonazi Mario Messerschmidt, der im Bundesvorstand der Partei „Die Rechte“ sitzt, wollten an diesen Sonnabend auf dem Friedhof einen Kranz zum Gedenken an Horst Wessel, Verfasser der NSDAP-Parteihymne, niederlegen. Darauf formierten sich etwa 60 Günterser in einer Initiative, die in 150 Tagen das Frühlingsfest als Gegenveranstaltung organisierten. Nach einer Verbotsankündigung durch den Landkreis Göttingen hatte Messerschmidt den geplanten Aufmarsch schließlich abgesagt. Das werteten viele als Erfolg der Günterser.

„Ich bin überwältigt von dieser ganz eigenen Dynamik im Dorf, die die Ängste und Befürchtungen jetzt überlagert“, sagte Ortsbürgermeister Norbert Hasselmann (Grüne). „Heute sind wirklich alle aus dem Dorf unterwegs“, fügte er an – und mehrere Hundert Besucher aus Südniedersachsen. Nach einem ökumenischen Gottesdienst und Redebeiträgen herrschte den ganzen Tag über Volksfeststimmung bei Bratwurst und Gnocchi, „regionaler Bihunsuppe“ (Moderator Lars Wätzold), 90 Kuchen und einem großen Kulturprogramm.

Ein Konzerte des Göttinger Symphonie Orchesters in der Kirche war ebenso überfüllt wie Auftritte von Bands wie Seven Up und Merry-go-Round Reißenden Absatz fanden „Widerstandsbretter“ der Günterser bei einer Versteigerung zu Gunsten der Fest-Kasse: Mitglieder der Initiative hatten im August mit lauten Maschinen Fichtenbretter zersägt, um gleich nebenan tagende Präsidenten der Hells Angels zu stören. Für die Versteigerung hatte die Werkstatt des Deutschen Theaters Göttingen die Holzstücke „vergoldet“.

„Mit großer Zivilcourage“ habe Güntersen „drohendes Ungemach“ verhindert, kommentierte der SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann die Initiative. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler wertete das Engagement der Dorfbewohner als „gelebte wehrhafte Demokratie“. „Ihr seid aufgestanden und habt eine Antwort gegen die gefunden, die euch heimgesucht haben“, lobte der Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin (Grüne) die Dorfbewohner. Lob gab es auch von Mitglieder im Göttinger Arbeitskreis Asyl. Sie kritisierten aber auch eine geplante Verschärfung des Asylrechts in Deutschland, die „Menschen mit rassistischem Gedankengut in ihrem Tun ermutigt“.

Kritik gab es schließlich auch vom Vorsitzenden des Festkomitees, Bernd Lehr: Er sei stolz auf sein Team und die vielfältige Hilfe von außen, aber: „Vom Gemeinderat Adelebsen hätte ich mir mehr Unterstützung gewünscht.“

„Ending Road“ und Gedenken

Güntersen. Solidarisch unterstützt wurde die Günterser von der Gruppe Antifaschistische Linke International (Ali) und vom Göttinger Bündnis gegen Rechts. Sie organisierten eine kurzzeitige Straßenblockade am Ortseingang, kombiniert mit einer Nachbildung des berühmten Platten-Motivs „Abbey Road“ der Beatles als symbolische „ending Road“ für Neonazis.

Gegen Abend gab es auf dem Friedhof eine Gedenkveranstaltung für drei dort beerdigte Zwangsarbeiter des NS-Regimes. „Wir wollen damit zeigen, dass es gute Gründe für den Widerstand der Günterser gegen Rechte gibt“, sagte ein Ali-Sprecher. Vorsorglich hatten die Gruppen auch Kundgebungen an den Bahnhöfen in Göttingen, Adelebsen und Northeim angemeldet. Sie wollten spontanen Aufmärschen von Rechten entgegen wirken – die aber ausblieben.


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NDR, 28.2.2015

Güntersen setzt Zeichen gegen Rocker und Rechte

Fernsehbeitrag vom 28.2.2015

Gerade einmal 500 Menschen leben im beschaulichen Güntersen bei Göttingen. Doch das kleine Dorf hat bereits große Schlagzeilen gemacht: Denn ausgerechnet in Güntersen haben sich im vergangenen Jahr wiederholt führende Mitglieder der Rockergruppe "Hells Angels" versammelt. Dann hatte die Partei Die Rechte auch noch einen Aufmarsch zum Gedenken an Horst Wessel in Güntersen angekündigt. Dabei hatte der 1930 erschossene SA-Sturmführer Wessel gar keine Beziehung zum Dorf. In Güntersen wollte man sich das nicht mehr gefallen lassen: Ein Frühlingsfest wurde beschlossen, um am Tag des Neonazi-Aufmarsches Widerstand zu leisten. Der Aufmarsch wurde inzwischen abgesagt, die Göttinger "Hells Angels" verboten. Das Fest will Güntersen heute trotzdem feiern - und damit nachdrücklich ein Zeichen setzen gegen Rocker und Rechte.

Zahlreiche Unterstützung aus der Politik

"Egal ob Nazis oder 'Hells Angels', mit dem Fest wollen wir unseren Widerstand zeigen", sagt Organisator Bernd Lehr. Prominente Unterstützung gibt es aus der Politik: Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) hält eine Rede, ebenso die Bundespolitiker Thomas Oppermann (SPD) und Jürgen Trittin (Grüne). Gestern haben darüber hinaus Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) sowie die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, ihre Solidarität mit dem Dorf bekundet. "Sie setzen mit Ihrem Frühlingsfest 'bunt statt braun' ein ganz wichtiges Zeichen. Für Ihren Wohnort Güntersen, aber auch für die Demokratie in unserem Land", schreibt Pistorius in einem Grußwort. In dem Schreiben von Käßmann heißt es: "Wenn wir Gemeinschaft herstellen und in gegenseitigen Beziehungen Vertrauen entsteht, ist das eine langfristige Antwort auf die Aggressoren."

Ein politisches Fest

Das Fest beginnt heute gegen 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst. Dabei sprechen Vertreter jüdischer, christlicher und muslimischer Gemeinden. Zusätzlich hat das Dorf ein aufwendiges Kulturprogramm auf die Beine gestellt. Den Auftakt macht das Göttinger Symphonie-Orchester, bis in die Abendstunden sollen noch weitere Bands spielen. Teilfinanziert wird das Fest durch mehr als 50 Sponsoren, sagt Organisator Lehr, der von der Unterstützung überwältigt ist. Lehr betont, dass es sich um ein politisches Fest handelt. Die Dorfbewohner hätten deshalb auch das Göttinger "Bündnis gegen Rechts" und antifaschistische Gruppen eingebunden. Mit einer gemeinsamen, symbolischen Straßenblockade gegen rechts soll der Schulterschluss am Vormittag bekräftigt werden. Zu dem Fest erwarten die Veranstalter mehr als 1.000 Gäste - und eine Medienresonanz, die diesmal durchweg positiv ist.

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Monsters of Göttingen

Beitrag vom 28.2.2015

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dpa, 28.2.2015

Polit-Prominenz unterstützt Dorf bei Demo gegen Rechts

Güntersen (dpa/lni) - Bekannte Politiker wie Jürgen Trittin (Grüne) und Thomas Oppermann (SPD) haben ein Dorf im Landkreis Göttingen bei einer kleinen Demo gegen Rechts unterstützt. Unter dem Motto «bunt statt braun» trafen sich am Samstag rund 400 Menschen in dem 700-Einwohner-Dorf Güntersen, sagte eine Sprecherin der Polizei Göttingen. Hintergrund war ein geplanter und später wieder abgesagter Gedenkmarsch für den von den Nazis gefeierten SA-Mann Horst Wessel. Neben dem Grünen-Politiker Trittin und dem Chef der SPD-Bundestagsfraktion Oppermann war auch Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) da.

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GT, 7.2.2015

Frühlingsfest
Kreisgrüne loben Widerstand der Günterser gegen Neonazi-Aufmarsch


Dass es am 28. Februar in Güntersen keinen Aufmarsch von Neonazis geben wird, sei dem entschiedenen Widerstand und dem Zusammenhalt der Günterser Dorfbevölkerung zu verdanken, schreiben die Kreistagsfraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und SPD in einer gemeinsamen Presseerklärung.

Güntersen. Vielmehr werde in Güntersen an dem Tag ein „friedliches und fröhliches Frühlingsfest“ gefeiert, „auf dem Weltoffenheit und Toleranz im Vordergrund stehen“, so der Fraktionsvorsitzende der SPD, Reinhard Dierkes. Martin Worbes, Fraktionsvorsitzender der Grünen, nennt das für wichtig und richtig, „weil in den letzten Wochen und Monaten in Deutschland ein deutliches Anwachsen fremdenfeindlichen Denkens zu registrieren war.“ An vielen Orten sei seit Wochen unter dem Deckmäntelchen des „Sich besorgt Gebens“ „in erschreckender Weise Hass gegenüber Flüchtlingen und Migranten geschürt“ worden. Stattdessen, so wünschen sich die beiden Fraktionen, „dass Aufnahmebereitschaft, Offenheit, Hilfe und Gastfreundschaft gegenüber Flüchtlingen aus Krisengebieten eine Selbstverständlichkeit in einer modernen Gesellschaft wie der unseren sein muss.“

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Stadtradio Göttingen, 04.02.2015

SPD, Grüne und DGB rufen weiterhin zu Teilnahme am Frühlingsfest in Güntersen auf

SPD und Grüne im Göttinger Kreistag sowie der DGB rufen weiterhin zu Teilnahme am Frühlingsfest in Güntersen auf. Die Veranstaltung sei vor allem deshalb so wichtig, weil in den letzten Wochen und Monaten in Deutschland ein deutliches Anwachsen fremdenfeindlichen Denkens zu verzeichnen sei, so Martin Worbes, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Trotz der Absage des Nazi-Aufmarsches sei es außerdem nicht auszuschließen, dass die Rechten ihre Gedenkveranstaltung woanders abhalten, ergänzt der Regionsgeschäftsführer des DGB Region Südniedersachsen-Harz Lothar Hanisch. Um genug Unterstützer von Göttingen nach Güntersen zu bringen, organisiert der Gewerkschaftsbund einen Bustransfer. Fahrkarten gibt es beim Roten Buchladen am Nikolaikirchhof, in der ver.di Geschäftsstelle und beim DGB. Das Frühlingsfest in Güntersen beginnt am 28. Februar um 10 Uhr mit einem Gottesdienst. An drei Veranstaltungsorten sind neben einigen Reden auch verschiedene Konzerte geplant.

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Göttinger Tageblatt, 30.1.2015

Warnung vor Neonazis
Weitere Mobilisierung


Güntersen. Auch nachdem Neonazis einen Aufmarsch in Güntersen am 28. Februar abgesagt haben, bleibt die Antifaschistische Linke International (Ali) in Göttingen skeptisch. Einerseits wertet die Organisation den Rückzieher der Neonazis zwar als „Erfolg einer gesellschaftlich breiten und entschlossenen antifaschistischen Gegenmobilisierung“. Nur aufgrund des frühen Widerstands in Güntersen und aus Göttingen sei der Aufmarsch bereits im Vorfeld verhindert worden, heißt es in einem Schreiben. „Für die Neonazis ist es im Göttinger Umland langsam ungemütlich geworden. Jetzt verkrümeln sie sich wieder.“

Andererseits mobilisiert die Ali jedoch weiter für den Tag und ruft dazu auf, das als Aktion gegen den Aufmarsch geplante Frühlingsfest in Güntersen zu besuchen. Auch die Busse des Göttinger Bündnisses gegen Rechts würden wie geplant nach Güntersen fahren.

Aufgrund von Beobachtungen im Neonazi-Umfeld hält es die Ali für möglich, dass die Neonazis trotz der Aufmarsch-Absage versuchen, am 28. Februar in Güntersen oder im Göttinger Umland aufzutreten. „Die eigenen, veröffentlichten Aussagen des Anmelders und seiner Anhänger sprechen eher für ein spontanes und unabsehbares Verhalten.“ Dagegen will sich die Ali stemmen: „Wir werden daher die antifaschistische Gegenmobilisierung weiterhin aufrecht erhalten, um im Zweifel den Neonaziaufmarsch vor Ort verhindern zu können.“

Beim Frühlingsfest in Güntersen werden unter dem Motto „Bunt statt braun“ auf drei Bühnen Musikgruppen auftreten. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 1500 Besuchern. Das Programm moderiert Lars Wätzold von der Göttinger Comedy-Company.

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Stadtradio Göttingen, 29.1.2015

Güntersen: Antifaschistische Linke verbucht Absage des "Naziaufmarsches“ als Erfolg

Die Antifaschistische Linke in Göttingen sieht die Absage des „Naziaufmarsches“ in Güntersen als einen Erfolg der Antifaschisten. Nur wegen des früh aufgestellten Widerstands sei der Aufmarsch am 28. Februar bereits im Vorfeld verhindert worden. Für die Neonazis im Göttinger Umland sei es ungemütlich geworden, so eine Sprecherin der Gruppe. Trotz der Absage vermutet die Antifaschistische Linke, dass einige Mitglieder der rechten Szene in Güntersen auftauchen werden. Daher müsse der Widerstand aufrechterhalten werden. Auch das Frühlingsfest, das zunächst als Gegenprotest ins Leben gerufen wurde, wird wie geplant stattfinden. Das Fest soll um 10 Uhr mit einem Gottesdienst und verschiedenen Grußworten eröffnet werden. Im Anschluss daran sollen in der St. Martini Kirche, im Gasthaus Kesten und in einem Festzelt auf dem Günterser Schmiedeplatz verschiedene Musikgruppen auftreten.

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HNA, 29.1.205

Aufmarsch von Partei "Die Rechte" abgesagt
Rechte bleiben weg - trotzdem Protestfest in Güntersen


Güntersen. Das Frühlingsfest, eigentlich eine Protestveranstaltung gegen den – nun abgesagten Aufmarsch von Mitgliedern der Partei „Die Rechte“, findet dennoch in Güntersen statt. Man wolle damit zeigen, dass es keinen Raum für Rechte im Ort geben kann, sagten die Fest-Organisatoren am Dienstag bei einer Pressekonferenz. „Nach der dritten Zusammenkunft der Hells Angels ist der Widerstand gewachsen“, erzählt Bernd Lehr die Geschichte des geplanten Frühlingsfestes „Bunt statt Braun“. Nachdem der Göttinger Rockerclub „Hells Angels“ mit seiner Niederlassung in Adelebsen verboten worden war, habe „in deren Fahrwasser“ ein Mitglied der Rechten eine Demonstration angemeldet. Als Widerstand dagegen sei „trotz aller Ängste“ die Idee für das Frühlingsfest aufgekommen. Mittlerweile würden jedoch die Rechten hervorheben, dass das für das Fest benötigte Geld ja auch sinnvoller ausgegeben werden könnte. Doch „ohne das Fest wäre das Geld gar nicht zusammengekommen“, erklärt Lehr. Mittlerweile sei man finanziell zwar gut abgesichert, aber noch auf Spenden angewiesen. Auch die auftretenden Musiker beteiligen sich an dem Fest, indem sie „für ihre Auftritte nur kleine Aufwandsentschädigungen“ nehmen, sagt Lehr. Das Fest nehme dabei eine Größe an, wie man sie sich nicht hätte träumen lassen. Durch das Festprogramm wird Lars Wätzold von der Comedy Company führen, ergänzt Ortsbürgermeister Norbert Hasselmann. Mit dem Fest wolle man zeigen, dass es möglich sei, gegen extremistische Tendenzen vorzugehen. „Wir wollen nicht zulassen, dass in unserem Ort braune Flecken entstehen.“ Das Programm startet um 9.30 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst, anschließend wird es Grußworte und Reden verschiedener Politiker geben, wie zum Beispiel von Fritz Güntzler (CDU), Thomas Oppermann (SPD), und Jürgen Trittin (Grüne). Auch Stephan Manke, niedersächsischer Staatssekretär hat sich angekündigt. Die Veranstaltung solle aber nicht nur Forum für Politik sein, sagt Norbert Hasselmann. Ab 13 Uhr gibt es daher Auftritte des Göttinger Symphonie Orchesters, des Deutschen Theaters und verschiedener Musikgruppen, die auf einer Bühne, in der Kirche und im Gasthaus Kesten stattfinden werden. Im Gasthaus treten die Bands Garage Royal und Deep River auf, im Zelt Zigan-tzigan, Merry-go-round und Mark Gillespie mit Band. In der Kirche können Besucher Auftritte des Göttinger Symphonie Orchesters und des jüdischen Klezmer-Orchesters Klezpo verfolgen. Wie viele Menschen zu dem Fest kommen, sei aber schwer kalkulierbar. „Wenn 300 kommen, ist es ein Erfolg“. Essen und Trinken, sowie beheizbare sanitäre Einrichtungen wird es auch geben.

Hintergrund
Das Frühlingsfest in Güntersen am Samstag, 28. Februar, ist als Widerstand gegen den Aufmarsch der neonazistischen Partei „Die Rechte“ gedacht. Mitglieder der Gruppe wollten zu Ehren des Nationalsozialisten Horst Wessel in Güntersen marschieren. In der Zwischenzeit ist die Veranstaltung zurückgenommen worden, nachdem der Landkreis Göttingen eine Verbotsverfügung angekündigt hatte. Zuvor waren in Güntersen auch Hells Angels aktiv: In einer Gaststätte hatten sich Clan-Chefs aus ganz Deutschland getroffen. Das hatte zu einer Verunsicherung in der Bevölkerung geführt. Laut Ortsbürgermeister Norbert Hasselmann treffen sich die Rocker vermutlich noch immer in der Kneipe. Bei dem Besitzer der Gaststätte habe offenbar kein Umdenken stattgefinden, glaubt Hasselmann. (jvp)

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HNA, 26.1.205

Veranstalter zog Anmeldung zurück
Kein Aufmarsch von Neonazis in Güntersen


Landkreis Göttingen. Die angekündigte Demonstration zum „Gedenken an Horst Wessel" in Güntersen findet nicht statt, teilt der Landkreis Göttingen mit. Für den 28. Februar war dort und alternativ in Adelebsen eine Versammlung beabsichtigt.

Der Landkreis Göttingen hatte dem Anmelder der Versammlung dazu eine Verbotsverfügung angekündigt. Dieser habe daraufhin die Anmeldung zurückgezogen, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Der Landkreis hatte gegenüber dem Anmelder erklärt, er beabsichtige, die Versammlung einschließlich aller möglicher Marschrouten sowie sonstiger Ersatzveranstaltungen zu verbieten. Die Kreisverwaltung räumte ihm Gelegenheit zur Stellungnahme ein. Noch vor Ablauf der Anhörungsfrist am 28. Januar ging beim Landkreis die Mail mit der Absage des Anmelders ein. Landrat Bernhard Reuter begrüßt in einer ersten Stellungnahme die Absage der Demonstration. Den Bürgerinnen und Bürgern von Güntersen bleibe ein ungewolltes Schauspiel erspart. „Die Menschen in Güntersen und dem Flecken Adelebsen haben durch ihre geschlossene Haltung klar gemacht, dass sie keinen rechten Aufmarsch wollen. Das zeigt Wirkung“, so Reuter. Die Kreisverwaltung habe mit klarem und unmissverständlichem Handeln die Günterser im Ringen um den Zusammenhalt und die Sicherheit im Dorf unterstützt. „Ich bin erleichtert, dass wir am 28. Februar nun völlig unbelastet ein buntes Frühlingsfest in Güntersen feiern können“, sagt der Landrat. In Güntersen hatten Einwohner bereits ein Anti-Neonazi-Fest geplant. Die Nachbargemeinden wie Niemetal und die Samtgemeinde Dransfeld hatten ihre Unterstützung signalisiert. (red/tns)

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HNA, 24.1.2015

Partei „Die Rechte“ sagt Aufmarsch in Güntersen ab

Güntersen. Aufatmen in Güntersen: Der Aufmarsch der Partei „Die Rechte“ am Samstag, 28. Februar, ist abgesagt worden. Das berichtet der Landkreis Göttingen. Laut Landkreis war die Versammlung in Güntersen und alternativ in Adelebsen geplant. Die Behörde hatte dem Anmelder der Versammlung dazu eine „Verbotsverfügung“ angekündigt. Dieser zog daraufhin die Anmeldung für den Aufmarsch zum „Gedenken an Horst Wessel“ zurück. Ein Mitglied der Partei „Die Rechte“ stand hinter der Anmeldung für den Aufmarsch. Der Landkreis hatte dem Parteimitglied vor einer Woche in einem Schreiben signalisiert, dass er die Versammlung einschließlich aller möglichen Marschrouten sowie sonstiger Ersatzveranstaltungen verbieten wolle. Die Kreisverwaltung räumte dem Anmelder die Gelegenheit zu einer Stellungnahme ein. Noch vor Ablauf der Anhörungsfrist am Mittwoch, 28. Januar, ging am Freitag beim Landkreis eine Mail mit der Absage des Anmelders ein, heißt es in einer Pressemitteilung. Landrat Bernhard Reuter begrüßte in einer ersten Stellungnahme die Absage der Demonstration. Den Bürgern von Güntersen bleibe ein ungewolltes Schauspiel erspart. „Die Menschen in Güntersen und dem Flecken Adelebsen haben durch ihre geschlossene Haltung klargemacht, dass sie keinen rechten Aufmarsch wollen. Das zeigt Wirkung“, sagte Landrat Bernhard Reuter. Die Kreisverwaltung habe mit klarem und unmissverständlichem Handeln die Günterser im Ringen um den Zusammenhalt und die Sicherheit im Dorf unterstützt. „Ich bin erleichtert, dass wir am 28. Februar nun völlig unbelastet ein buntes Frühlingsfest in Güntersen feiern können“, sagte der Landrat. Gegen den Aufmarsch der Partei „Die Rechte“ hatte sich starker Widerstand formiert. Ein „Göttinger Bündnis gegen Rechts“ rief zur Gegenwehr auf. In dem Bündnis hatten sich zahlreiche Gruppen, vor allem aus Parteien und Gewerkschaften, zusammengeschlossen. (bsc)


Hintergrund: Neonazistische Kleinpartei „Die Rechte“ und Horst Wessel
Die Partei „Die Rechte“ gilt laut Online-Lexikon Wikipedia als eine neonazistische Kleinpartei in Deutschland. An der Gründung der Partei am 27. Mai 2012 waren hauptsächlich ehemalige Mitglieder der inzwischen aufgelösten rechtsextremen Deutschen Volksunion, die im Mai 2012 mit der NPD fusioniert hatte, beteiligt. Der Aufmarsch sollte zum „Gedenken an Horst Wessel“ stattfinden. Er war ein Sturmführer der SA, der paramillitärischen Kampforganisation der NSDAP. Er starb im Februar 1930 an den Folgen einer Schussverletzung und wurde von den Nationalsozialisten zum „Märtyrer der Bewegung“ stilisiert. Wessel schrieb den Text zum „Horst-Wessel-Lied“, das kurz nach seinem Tod zur offiziellen Parteihymne der NSDAP wurde. Von 1933 bis 1945 wurde das Lied als inoffizielle Hymne stets im Anschluss an das offizielle Deutschlandlied gesungen. Das „Horst-Wessel-Lied“ ist in Deutschland verboten. (bsc)

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GT, 24.1.2015

Verbotsankündigung
Rückzieher der Neonazis - Aufmarsch in Güntersen abgesagt


Der für den 28. Februar in Güntersen vorgesehene Neonazi-Aufmarsch fällt aus. Nach einer Verbotsankündigung durch den Landkreis Göttingen zog Anmelder Mario Messerschmidt, der im Bundesvorstand der Neonazi-Partei Die Rechte sitzt, das Vorhaben zurück. Güntersen / Göttingen. Bei der Neonazi-Kundgebung sollte auf dem Friedhof in Güntersen ein Kranz zum Gedenken an Horst Wessel, den Verfasser der NSDAP-Parteihymne, niedergelegt werden. Der Landkreis teilte mit, er habe Messerschmidt angekündigt, den Aufmarsch in Güntersen und auch in dem von Messerschmidt als Alternative angegebenen Adelebsen zu verbieten. Die Kreisverwaltung räumte Messerschmidt zugleich die Gelegenheit zur Stellungnahme ein. Noch vor Ablauf der Anhörungsfrist habe Messerschmidt das Vorhaben nun abgesagt. Begründet haben soll er das mit der weitreichenden Mobilisierung gegen den Aufmarsch, der ein Gedenken an Wessel unmöglich mache. In Güntersen soll als Gegenmaßnahme ein großes Frühlingsfest gefeiert werden, das von zahlreichen Initiativen und Musikern unterstützt wird. Landrat Bernhard Reuter (SPD) begrüßt in einer ersten Stellungnahme die Absage der Demonstration. Den Bürgern von Güntersen bleibe ein ungewolltes Schauspiel erspart. „Die Menschen in Güntersen und dem Flecken Adelebsen haben durch ihre geschlossene Haltung klar gemacht, dass sie keinen rechten Aufmarsch wollen. Das zeigt Wirkung“, so Reuter. „Ich bin erleichtert, dass wir am 28. Februar nun völlig unbelastet ein buntes Frühlingsfest in Güntersen feiern können“, sagt der Landrat.

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GT, 17.1.2015

Breites Bündnis
Anti-Neonazi-Fest mit Mark Gillespie in Güntersen


Für das Anti-Neonazi-Fest in Güntersen am 28. Februar formiert sich ein breites Bündnis, das auch für ein mehrstündiges Kulturprogramm sorgen will. Mit von der Partie sind unter anderem das Deutsche Theater (DT), das Göttinger Symphonie Orchester und mehrere Bands. Auf drei Bühnen soll das Fest in dem 700-Einwohner-Dorf steigen: in der Kirche, in einem Zelt und im Gasthaus Kesten.

Güntersen. Im Zelt sollen die Bands Zigan-tzigan, Merry-go-round sowie Mark Gillespie und Band für Stimmung sorgen. In der Kirche treten Musiker des Göttinger Symphonie Orchesters (GSO), die Formation „Seven up“ und das Klezmer-Projekt-Orchester Klezpo auf. Dass jüdische Klezmer-Musik vertreten ist, darf sicher als deutliches Statement der Organisatoren an die Adresse der Neonazis verstanden werden. Das Programm komplettieren im Gasthaus Kesten die Bands Deep River und Garage Royal.

Auch das Deutsche Theater (DT) in Göttingen wird sich mit einem Teil des Ensembles an dem Fest beteiligen, wie Intendant Erich Sidler erklärt. In Zeiten der Pegida-Bewegung und der Terroranschläge in Paris gewinne das Frühlingsfest in Güntersen fast schon exemplarischen Charakter über Südniedersachsen hinaus, meint Sidler. Es sei bemerkenswert, mit welch großer Leidenschaft eine Vielzahl von Personen für das Fest mobilisiere. Sidler geht davon aus, dass am 28. Februar ein deutliches Zeichen gesetzt wird.

Das Fest richtet sich gegen einen an diesem Tag geplanten Neonazi-Aufmarsch im Dorf. Angemeldet wurde er von Mario Messerschmidt, der im Bundesvorstand der Neonazi-Partei „Die Rechte“ sitzt und in der Gemeinde Adelebsen lebt, zu der auch Güntersen gehört. Bei der Neonazi-Kundgebung soll auf dem Friedhof in Güntersen ein Kranz zum Gedenken an Horst Wessel, den Verfasser der NSDAP-Parteihymne, niedergelegt werden. Der SA-Sturmführer war 1930 noch vor der Nazi-Diktatur gewaltsam ums Leben gekommen. Er wurde von den Nazis zum Märtyrer stilisiert und wird heute von den Neonazis verehrt.

Der Landkreis Göttingen prüft unterdessen noch immer ein Verbot des Neonazi-Aufmarsches. Ihr Frühlingsfest wollen die Günterser aber auf jeden Fall durchziehen. Das Fest soll um 10 Uhr mit einem Gottesdienst beginnen, den der Superintendent des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Göttingen, Friedrich Selter, und der Dechant des katholischen Dekanats Göttingen, Wigbert Schwarze, gestalten. Ab 11.30 Uhr soll es Reden und Grußworte geben. Danach ist das Kulturprogramm geplant, das bis zum Abend dauern soll.

Der Rat der Gemeinde Adelebsen und der Günterser Ortsrat unterstützen das Frühlingsfest finanziell. Das Göttinger Bündnis gegen Rechts hat seine Anhänger mobilisiert und zur Unterstützung für die Günterser aufgerufen. Göttinger Landes- und Bundespolitiker haben Solidaritätsadressen geschickt. Die Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann (SPD) und Fritz Güntzler (CDU) haben ihre Teilnahme am Fest zugesagt.

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HNA, 30.11.2014

Region ist gegen Rechts
Vor Aufmarsch der Partei "Die Rechte" formiert sich Widerstand


Güntersen/Göttingen. Gegen den geplanten Aufmarsch der Partei „Die Rechte“ am Samstag, 28. Februar, in Güntersen (Kreis Göttingen) formiert sich Widerstand.

Ein „Göttinger Bündnis gegen Rechts“ ruft zur Gegenwehr auf. In dem Bündnis haben sich Gruppen, vor allem aus Parteien und Gewerkschaften, zusammengeschlossen. Sprecherin Erika Goebel, Vorsitzende der DGB-Region Südniedersachsen-Harz, macht deutlich, dass das Bündnis die Einwohner in Güntersen in ihrer Gegenwehr gegen den Aufmarsch unterstützen werden.

Laut Anmeldung ist eine Kundgebung zum Gedenken an den einstigen SA-Sturmführer Horst Wessel mit Kranzniederlegung am Ehrenmal auf dem Friedhof in Güntersen geplant.

Die Partei „Die Rechte“ gilt laut Online-Lexikon Wikipedia als eine neonazistische Kleinpartei in Deutschland. An der Gründung der Partei am 27. Mai 2012 waren hauptsächlich ehemalige Mitglieder der inzwischen aufgelösten rechtsextremen Deutschen Volksunion, die im Mai 2012 mit der NPD fusioniert hatte, beteiligt. Vorsitzender ist der aus Kameradschaftskreisen bekannte Neonazi Christian Worch. Auch ein Mitglied der Göttinger Neonazi-Szene soll Mitglied im Bundesvorstand sein.

Das „Göttinger Bündnis gegen Rechts“ macht deutlich: „Wir werden es nicht zulassen, dass Neonazis unbeantwortet marschieren: weder in Güntersen, noch in Göttingen oder sonst irgendwo“, heißt es in einer Pressemitteilung. Der angekündigte Aufmarsch ist aus Bündnis-Sicht nicht allein ein Problem in Güntersen: „In der ganzen Region Göttingen versuchen sich Neonazis nach Jahren wieder Stück für Stück festzusetzen.“ Laut Sprecherin Erika Goebel hätten Neonazis in Katlenburg eine Immobilie erworben, existierten seit Jahren in Northeim etablierte, organisierte Neonazi-Strukturen und im Göttinger Stadtteil Geismar seien Jugendliche, die eine Hakenkreuzfahne entdeckt hatten, anschließend durch die Straßen gejagt worden, sagt Goebel. (bsc)

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GT, 29.11.2014

Gegenwehr gegen Neonazi-Aufmarsch
Bündnis gegen Rechts unterstützt Günterser


Das Göttinger Bündnis gegen Rechts unterstützt die Menschen in Güntersen bei ihrer Gegenwehr gegen die Neonazis. „Egal wo in der Region Südniedersachsen können und werden wir es nicht zulassen, dass Neonazis wieder Fuß fassen“, heißt es in einer Mitteilung, in der „vielfältiger Widerstand“ angekündigt wird.

Güntersen. Alle Antifaschisten und Neonazi-Gegner werden aufgefordert, den für den 28. Februar geplanten Aufmarsch von Neonazis in Güntersen zu verhindern. Die Günterser wollen an diesem Tag als Aktion gegen die Neonazis ein Frühlingsfest feiern. Zum Göttinger Bündnis gegen Rechts gehörten unter anderem die Antifaschistische Linke International, der DGB-Kreisverband und die Jusos.

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GT, 28.11.2014

Antrag auf Zuschuss bei der Gemeinde Adelebsen
Güntersen bereitet sich auf Anti-Neonazi-Fest vor


Mit einem „Frühlingsfest“ will Güntersen am 28. Februar gegen Neonazis mobil machen. Für dieses Datum hat Mario Messerschmidt, Vorstandsmitglied der Neonazi-Partei „Die Rechte“ eine Demonstration in dem Dorf angemeldet.

Güntersen. Dabei soll am Ehrenmal auf dem Friedhof ein Kranz für  Horst Wessel niedergelegt werden, dessen Lied Parteihymne der NSDAP war. Der Landkreis Göttingen prüft laut Sprecher Ulrich Lottmann noch immer ein Verbot der Veranstaltung. Die Prüfung werde noch bis in den Dezember hinein dauern.

Im Ort werden unterdessen die Vorbereitungen für das Frühlingsfest getroffen. So hat Gudrun Sakowsky (Wählergruppe Günterser Liste) im Ortsrat einen Antrag eingebracht, in dem die Gemeinde Adelebsen um einen Zuschuss in Höhe von 2000 Euro für das Frühlingsfest gebeten wird.

Das Günterser Frühlingsfest werde ein wichtiges Ereignis zur Stärkung des bürgerlichen Engagements, der Zivilcourage und des erfolgreichen Kampfes gegen Demokratiefeindlichkeit und den Aufmarsch von Rechtsextremisten im Flecken Adelebsen, heißt es zur Begründung. Doch auch bei allem ehrenamtlichen Engagement könne das Fest bis zu 10 000 Euro kosten. Das Geld sei unter anderem notwendig für Plakate, Aufbau und Warmhalten eines Zelts und Technik.

Prominente Politiker wie der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann haben ihr Kommen zum Fest bereits zugesagt. Auch bekanntere Künstler werden möglicherweise das Fest unterstützen. Von den 10000 Euro sollen nach dem Finanzierungsvorschlag des Festkomitees 4000 Euro von den Günterser Vereinen, 2000 Euro aus der Gemeinde Adelebsen und 500 Euro aus dem Dorf-mit-Zukunft-Topf kommen.

3500 Euro sollen über Sponsoring aufgebracht werden. Den Antrag auf den Zuschuss der Gemeinde empfahl der Ortsrat einstimmig und beschloss zugleich, sich selbst mit 1000 Euro am Fest zu beteiligen. Ebenfalls einstimmig empfahl der Ortsrat einen Antrag an die Gemeinde auf einen Zuschuss in Höhe von 3500 Euro zur Renovierung der Duschen und Toiletten in der Kleinturnhalle.

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GT 6.10.2014

Treffen sollen verhindert werden
Hells Angels Thema im Göttinger Kreistag


Die Hells-Angels-Treffen und der geplante Neonazi-Aufmarsch beschäftigen nicht nur die Menschen in Adelebsen und Güntersen, sondern auch den Göttinger Kreistag. In der Sitzung am Freitag, 10. Oktober, geht es um einen überparteilichen Antrag, die beiden weithin unerwünschten Veranstaltungen zu verhindern.

Göttingen. Neonazi-Demonstrationen seien weder in Güntersen noch anderorts zu erlauben, heißt es in der Resolution. Das Auftreten der Hells Angels bedrohe den Rechtsstaat und das Sicherheitsgefühl der Bürger. Zumal ausgerechnet der 48 Jahre alte Präsident der Göttinger Hells Angels im Verdacht steht, eine Erpressung begangen zu haben und sich in Untersuchungshaft befindet.

Wichtig ist auch der Auftakt der Sitzung. Landrat Bernhard Reuter (SPD) wird den Haushalt 2015 einbringen. Diesmal muss er ausgeglichen sein – wegen der Verpflichtungen im Zukunftsvertrag. Im Anschluss daran beschäftigt sich der Kreistag mit einem Antrag der Gruppe von CDU und FDP, die Fusion der Kreise  Göttingen und Osterode transparenter zu gestalten.

Weiteres Thema ist die Neuregelung der Finanzbeziehungen zwischen Landkreis und Stadt. Dieser Tagesordnungspunkt dürfte kaum strittig sein – alle politischen Gruppierungen sind für den nach zähem Ringen ausgehandelten Kompromiss. Durchgängige Meinung ist, dass der Finanzausgleich damit seit 1964 zum ersten Mal nachvollziehbar und nachprüfbar ausgehandelt werden kann. Damit würde ein jahrzehntelanges Hickhack um Zahlungen und Aufgaben ein Ende finden. Allerdings muss die Regelung vom Landtag abgesegnet werden.

Außerdem muss der Kreistag über die Fortschreibung des Rettungsdienst-Bedarfplanes für das laufende Jahr beschließen. Weiterhin geht es um die Weitergabe von maximal 49,99 Prozent der von den Landkreisen erworbenen Anteile am Stromversorger EAM. Diese Anteile können von konzessionsgebenden Städten und Gemeinden erworben werden. Diskutiert wird auf Antrag von Linken und Piraten darüber hinaus auch der Bau einer Radwegeverbindung zwischen Flüthewehr und Niedernjesa einschließlich einer Brücke über die Rase. Im Bau- und Wirtschaftsausschuss war der laut Verwaltung teure Plan einstimmig abgelehnt worden.

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GT, 20.9.2014

Thema im Landtag
Hells Angels und Neonazis in Güntersen


Der fortgesetzte Widerstand der Günterser gegen die Aktivitäten von Hells Angels und Neonazis im Ort zeigt erste Wirkungen. Nach vier bundesweiten Treffen des Rockerclubs im Ort und der Ankündigung eines Neonazi-Aufmarsches hatte der Ortsrat einen Brandbrief mit der Bitte um Hilfe an Landes- und Bundestagsabgeordnete aus der Region geschickt.

Güntersen. Als Antwort gab es nicht nur prominente Solidaritätsbekundgebungen – das Thema steht außerdem am Freitag, 26. September, auf der Tagesordnung des niedersächsischen Landtags.

Die beiden Grünen-Abgeordneten Meta Janssen-Kucz und Helge Limburg wollen dann – mit Blick auf Güntersen – von der Landesregierung eine Antwort auf die Frage: „Verfestigen sich die Strukturen der Hells Angels in Südniedersachsen? Was tut die Landesregierung, um die Bürgerinnen und Bürger zu schützen?“

Auf die Landtagssitzung verweisen auch die Landtagsabgeordneten Gabriele Andretta (SPD) und Ronald Schminke (SPD). Innenminister Boris Pistorius (SPD) sei aus Polizeikreisen bestens informiert, so Schminke. Der Schutz der Bevölkerung habe natürlich oberste Priorität.

„Das Auftreten der Hells Angels und Neonazis ist ein direkter Angriff auf unsere demokratische Zivilgesellschaft, gegen den wir uns gemeinsam wehren müssen“, ergänzt Andretta. „Auf keinen Fall dürfen wir die Menschen in Güntersen mit ihren Sorgen allein lassen, der Kampf gegen kriminelle Rockerbanden und Neonazis geht uns alle an.“

Unhaltbare Zustände

In Adelebsen, wo die Göttinger Hells Angels ihr Hauptquartier haben, und Güntersen hätten sich unhaltbare Zustände entwickelt, sagt der Göttinger Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann (SPD). Er kündigte an, eine der nächsten Sitzungen des SPD-Unterbezirksvorstandes in Güntersen abzuhalten und dabei auch mit den Bürgern zu sprechen: „Damit wollen wir zeigen, dass wir an ihrer Seite stehen.“

Wenn einzelne Ortschaften oder Personen sich bedroht fühlten, sei die Solidarität aller Bürger des demokratischen Rechtsstaats gefordert, sagte der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Es könne nicht sein, dass ein Dorf schutzlos der organisierten Kriminalität und dem Rechtsradikalismus überlassen werde, mahnt der Göttinger Bundestagsabgeordnete Jürgen Tritten (Grüne): „Die Situation in Güntersen darf kein Mackenrode 2 werden.“

In dem ebenfalls bei Göttingen gelegenen Dorf hatte es vor 30 Jahren ein rechtsextremes Schulungszentrum gegeben. Die Landesvorsitzende Janssen-Kucz werde bei Pistorius auf eine konsequente Strafverfolgung dringen, so Trittin. Im Übrigen müsse alles dafür getan werden, dass der für Februar angemeldete Umzug zu Ehren des Nazis Horst Wessel verhindert werde.

Der Göttinger Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU) schrieb an die Einwohner von Güntersen zurück: „Ich kann Ihre Ängste und Befürchtungen nachvollziehen und bin von Ihrem mutigen Einschreiten gegen die Hells Angels beeindruckt.“ Die gemeinsame Strategie von Hells Angels und Neonazis, das Dorf als Plattform zu missbrauchen, dürfe nicht aufgehen. Güntzler sicherte seine Unterstützung zu und bot ein persönliches Gespräch an.

Mackenrode: Neonazis im Dorf

Ein Neonazi-Zentrum in einem Dorf in der Nähe von Göttingen gab es schon einmal. In den 1980er-Jahren scharte der Landesvorsitzende der rechtsextremen Freiheitlichen Arbeiterpartei (FAP), Karl Polacek, in seinem Haus in Mackenrode Getreue um sich, die bei Märschen durch den Ort die Anwohner in Angst versetzten.

In Göttingen und der Region gab es Übergriffe durch Neonazis, Antifaschisten hielten dagegen. 1992 wurde Polacek nach Österreich abgeschoben, 1995 die FAP verboten. Die Lage beruhigte sich wieder.

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GT, 17.9.2014

Güntersen
Dorf bittet um Hilfe gegen Nazis und Rocker


Erst treffen sich Deutschlands Hells Angels in der Dorfschenke, dann wollen Neonazis auf dem Friedhof für die Rehabilitierung von Horst Wessel demonstrieren: Ein 700-Seelen-Ort in Niedersachsen sieht seinen Ruf als "Dorf mit Zukunft" ruiniert. Der Gemeinderat tagt nur noch unter Polizeischutz.

Güntersen. Ein Kripo-Chef beobachtet eher selten Ortsrats-Sitzungen. Kriminaldirektor Volker Warnecke hat sich trotzdem auf den Weg ins Gasthaus Kesten im Dorf Güntersen gemacht – und gleich ein paar Polizeibeamte mitgebracht, die auf dem Parkplatz draußen für ein sicheres Gefühl sorgen sollen. Schließlich war der Ort schon nach vier bundesweiten Hells-Angels-Treffen im nur wenige Schritte entfernten Gasthaus Lindhorst in heller Aufregung. Und kürzlich hat Mario Messerschmidt aus dem Bundesvorstand der Neonazi-Partei „Die Rechte“ noch einen draufgesetzt und für Februar eine Kundgebung für Horst Wessel, den Verfasser der NSDAP-Parteihymne, auf dem Günterser Friedhof angemeldet.

Messerschmidt, kahlköpfig und gesichtstätowiert, ist Einwohner der Gemeinde Adelebsen, zu der Güntersen gehört. Als solcher ist auch er zur Ortsratssitzung gekommen – und sitzt gemeinsam mit einem Kumpel ganz vorne, Auge in Auge mit den Ortsratspolitikern und zwei Meter von Warnecke entfernt.

In Messerschmidts Rücken: 60 empörte, frustrierte Einwohner von Güntersen. Jahrelang haben sie mit viel Engagement im Projekt „Dorf mit Zukunft“ versucht, den Ort attraktiv zu gestalten. Nun haben Aktionen des Rockerclubs und der Neonazis den Ruf des 700-Einwohner-Dorfes vorerst ruiniert.

Der Ärger bricht sich in der Einwohnerfragestunde Bahn. Mehrere Zuhörer beklagen, dass sie sich mit dem Problem allein gelassen fühlen, auch von der Gemeinde Adelebsen. Deren Bürgermeistermeister Holger Frase (SPD) verweist darauf, dass die rechtlichen Möglichkeiten und auch die personellen Kapazitäten der Gemeinde begrenzt seien. In Güntersens Nachbarort Adelebsen hat das Hells-Angels-Charter Göttingen sein Hauptquartier eingerichtet.

Warnecke versucht, die Wogen zu glätten. Er verweist auf die mittlerweile verstärkte Präsenz der Polizei – und erhält dankbaren Applaus dafür. Im Hinblick auf die Hells Angels spricht der Kripochef Klartext. Die Mitglieder des Rockerclubs seien keine „lieben, netten, starken Kerle“, es gehe bei der Vereinigung um organisierte Kriminalität. Wo immer es möglich sei, werde die Polizei Ermittlungsverfahren gegen die Rocker einleiten. Er rät den Einwohnern, Straftaten wie Beleidigungen oder Sachbeschädigungen zu melden, damit dem nachgegangen werden kann. Das Problem offenbart sich allerdings in einer Rückfrage aus dem Publikum: Ob es denn möglich ist, dabei anonym zu bleiben. Das muss Warnecke verneinen.

Im Publikum ist trotzdem der Wille spürbar, sich nicht mit der Situation abzufinden. Politik und Verwaltung würden alles tun, um eine Neonazi-Demonstration zu verhindern, sagt Ortsbürgermeister Norbert Hasselmann (Grüne) – und erntet Applaus. Bürger, die gleich schon Maßnahmen gegen Neonazis und Hells Angels  planen wollen, bremst er aus, denn die sollen lieber im kleinen Kreis besprochen werden.

Als ein Bürger fragt, warum es ausgerechnet Güntersen sein muss, ergreift Messerschmidt  das Wort. Sein Name sei in dem Ort durch den Schmutz gezogen worden, nun wolle er es dem Dorf und dem Ortsbürgermeister zeigen.

Messerschmidts Name sei nicht durch den Schmutz gezogen worden, entgegnet Hasselmann – und blickt lieber nach vorn. Es sei für den Ortsrat ein „sehr, sehr gutes Gefühl, das Dorf hinter sich zu wissen“, sagt er unter Applaus. Güntersen macht sich Mut.
Hilferuf ans Land

Hilfe zur „Wiederherstellung von Dorffrieden, Sicherheit und Lebensqualität“ – das erbittet der Ortsrat Güntersen in einem Schreiben an Landtags- und Bundestagsabgeordnete sowie an Landes- und Bundesminister. Mit den Aktionen von Hells Angels und Neonazis sei „selbst eine intakte Dorfgemeinschaft wie Güntersen“ überfordert: „Wir bitten diejenigen, die für unsere Sicherheit und unser Leben in Freiheit mitverantwortlich sind, uns dabei zur Seite zu stehen, unser Leben frei von Bedrohung, Angst und Unsicherheit zu erhalten.“ Verschärft werde die Situation „durch die sichtbare Kooperation der Hells Angels mit exponierten Rechtsextremisten“.

In dem Schreiben wird geschildert, wie es bei den bislang vier bundesweiten Hells-Angels-Treffen im Ort aussieht. An diesen Tagen stünden mehr als 100 Luxuslimousinen von Charterchefs der Hells Angels im Ort.  Die Autos würden während der Treffen von den Fahrern und von Bodyguards bewacht.

„Das normale Leben in unserem Dorf wird an diesen Tagen fast zum Erliegen gebracht“, heißt es in dem Schreiben weiter. Schon jetzt gebe es Probleme bei der Planung von Veranstaltungen. Es geht die Sorge in Güntersen um, dass im Ort möglicherweise eine Zentrale der Hells Angels oder der Neonazi-Partei „Die Rechte“ entstehen könnte.

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GT, 16.9.2014

Adelebsen und Güntersen
Antifa befürchtet Zusammenarbeit zwischen Neonazis und Hells Angels


Als „zunehmend beunruhigend und bedrohlich“ wertet die Antifaschistische Linke International die Entwicklungen in Adelebsen und Güntersen.

Göttingen. Sie befürchtet eine Zusammenarbeit zwischen Neonazis und Hells Angels. „Seit Jahren sind Kontaktaufnahmen zwischen Neonazi- und Rockerszene zu beobachten“, erklärte eine Ali-Sprecherin. Dass der Adelebser Neonazi Mario Messerschmidt einen Aufmarsch und eine Kundgebung in Güntersen anmelde sei kein Zufall.

So hätten Messerschmitt, der seit kurzem im Bundesvorstand der Partei „die Rechte“ aktiv ist, und der Adelebser Anführer der Hells Angels seit Jahren Kontakt. Vor diesem Hintegrund bewertet die Ali die Stellungnahme von Polizeipräsident Robert Kruse als „blanken Hohn“ und „verharmlosend“. Kruse hatte gegenüber dem Tageblatt von „vereinzelten Kontakten“ ohne „strukturierte Zusammenarbeit“ gesprochen.

Unterdessen tritt der Betreiber der Göttinger JT-Kantine in der Hospitalstraße Mutmaßungen entgegen, er habe bei einer Veranstaltung Mitglieder der Hells Angels oder von La Familia als Türsteher angeheuert. Entsprechende Beobachtungen schilderten mehrere Besucher gegenüber dem Tageblatt.

„Das ist nicht der Fall“, sagt JT-Kantinen-Chef Marek Dziuban. Zwar habe auch er im Publikum Gäste mit La-Familia-Tätowierung und Support-81-Kleidung gesehen, die seien aber nicht von ihm engagiert. „Die laufen doch zurzeit in jedem Club herum“, kommentiert Dziuban. Hinter La Familia verbirgt sich ein Zusammenschluss von Tuning-Fans aus Göttingen, Adelebsen, Northeim, Moringen, und Hardegsen. Die Ali rechnet einen Großteil der La-Familia-Mitglieder der Neonazi-Szene zu.

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HNA, 14.9.2014

Grüne: Keine Nazi-Demo in Güntersen und anderswo

Güntersen. Eine Nazi-Demo dürfe es weder in Güntersen noch anderswo geben, fordert die Grünen-Fraktion im Göttinger Kreistag. Die offensichtlich abgestimmten Aktionen der Rockerbande Hells Angels und Neonazis in in Güntersen und Adelebsen wertet der Fraktionsvorsitzende Dr. Martin Worbes als Angriff auf die Demokratie.

„Der Gipfel an Provokation ist nun die Anmeldung einer Kundgebung zum Gedenken an das SA-Mitglied Horst Wessel auf dem Friedhof in Güntersen im kommenden Februar. Eine solche Veranstaltung darf es weder dort noch anderswo geben“, so Worbes. Die Grünen unterstützen daher den Beschluss von Landkreisverwaltung und Polizei, entschieden gegen die Treffen der Hells Angels vorzugehen. „Aber auch auf örtlicher und regionaler politischer Ebene muss das breite Bündnis von Parteien und Initiativen gegen Rechts zusammenstehen“, verlangt Marie Kollenrott, Sprecherin des Grünen-Kreisvorstands. (kri)

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GT, 12.9.2014

Kundgebung für den 28. Februar 2015 geplant
Neonazis wollen Demo in Güntersen


Das Dorf Güntersen kommt nicht zur Ruhe. Nach mehreren Bundestreffen des umstrittenen Motorradclubs Hells Angels haben nun auch die Neonazis das Dorf für sich entdeckt. Mario Messerschmidt, Vorstandsmitglied der Neonazi-Partei „Die Rechte“, hat beim Landkreis Göttingen für den 28. Februar eine Demonstration in Güntersen angemeldet.

Güntersen.  Laut Anmeldung ist eine Kundgebung zum Gedenken an Horst Wessel mit Kranzniederlegung am Ehrenmal auf dem Friedhof in Güntersen geplant.

Die Kreisverwaltung prüft derzeit die Anmeldung der Kundgebung. „Wir sehen Ansatzpunkte für ein rechtlich tragfähiges Verbot. Wir werden das kritisch prüfen, stehen aber ganz am Anfang“, erklärt Landrat Bernhard Reuter (SPD). Nach Auskunft der Verwaltung hat es in den vergangenen Jahren keine Anmeldung zu einer vergleichbaren Demonstration gegeben.

„Wir müssen nun auf die Solidarität aller demokratisch gesinnten Kräfte vertrauen“

„Güntersen wird derzeit durch eine konzertierte Strategie der Hells Angels und der Neonazis in die Zange genommen“, sagt Ortsbürgermeister Günter Hasselmann (Grüne). Die Mehrheit der Günterser Einwohner werde sich davon jedoch nicht beeindrucken lassen. Hasselmann hofft aber auch auf Zuspruch von außen: „Wir müssen nun auf die Solidarität aller demokratisch gesinnten Kräfte vertrauen, denen wir in ähnlicher Lage auch beistehen würden.“

Der SA-Sturmführer Wessel war 1930 noch vor der Nazi-Diktatur gewaltsam ums Leben gekommen. Das von ihm verfasste Horst-Wessel-Lied wurde zur Parteihymne der NSDAP. Wessel wurde von den Nazis zum Märtyrer stilisiert und wird heute von den Neonazis verehrt.

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HNA, 11.9.2014

Kreisverwaltung prüft Antrag
Güntersen: Nazi-Partei plant Demonstration


Güntersen. Ein Mitglied der Partei „Die Rechte“ hat eine Demonstration in Güntersen angemeldet. Die Veranstaltung soll am Samstag, 28. Februar, in dem zum Flecken Adelebsen gehörenden Ortsteil stattfinden.

Laut Anmeldung ist eine Kundgebung zum Gedenken an den einstigen SA-Sturmführer Horst Wessel mit Kranzniederlegung am Ehrenmal auf dem Friedhof in Güntersen geplant. Die Kreisverwaltung prüft die Anmeldung, berichtet Pressesprecher Ulrich Lottmann. Da es sich um ein komplexes Prüfverfahren handelt, ist mit einem Ergebnis der Prüfung nicht kurzfristig zu rechnen, so der Sprecher des Landkreises.

Die Partei „Die Rechte“ gilt laut Online-Lexikon Wikipedia als eine neonazistische Kleinpartei in Deutschland. An der Gründung der Partei am 27. Mai 2012 waren hauptsächlich ehemalige Mitglieder der inzwischen aufgelösten rechtsextremen Deutschen Volksunion, die im Mai 2012 mit der NPD fusioniert hatte, beteiligt. Vorsitzender ist der aus Kameradschaftskreisen bekannte Neonazi Christian Worch. Auch ein Mitglied der Göttinger Neonazi-Szene soll Mitglied im Bundesvorstand sein.

Verbotenes Lied

Horst Wessel war ein Sturmführer der SA, der paramillitärischen Kampforganisation der NSDAP. Er starb im Februar 1930 an den Folgen einer Schussverletzung und wurde von den Nationalsozialisten zum „Märtyrer der Bewegung“ stilisiert. Wessel schrieb den Text zum „Horst-Wessel-Lied“, das kurz nach seinem Tod zur offiziellen Parteihymne der NSDAP wurde. Von 1933 bis 1945 wurde das Lied als inoffizielle Hymne stets im Anschluss an das offizielle Deutschlandlied gesungen. Das „Horst-Wessel-Lied“ ist in Deutschland verboten. (bsc)

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GT, 6.4.2011

Resolution zustimmend zur Kenntnis genommen
Rat gegen Neonazis in Güntersen


Der Gemeinderat Adelebsen hat gegen Nazis Stellung genommen. Eine aus dem Ortsrat Güntersen stammende Anti-Nazi-Resolution, die vom dortigen Ortsratsmitglied Norbert Hasselmann (Grüne) entworfen worden war, wurde nun im Gemeinderat zustimmend zur Kenntnis genommen.

Die Neonazi-Anhängerschaft in Güntersen sei durch Zuzug und Zuordnung in Güntersen erkennbar angewachsen, heißt es in der Resolution.

Es gebe regelmäßige Treffen von Neonazis an mindestens drei Günterser Adressen. „Alte und neue Nazis werden in Güntersen keine Spielwiese für ihre menschenverachtende Weltanschauung bekommen“, heißt es in der Resolution. Sie ruft die Einwohner des Dorfes zu genauer Beobachtung auf: „Der Spielraum für rechtsextreme Betätigung darf keine Toleranz kennen.“ Die Polizei hat bislang nach eigener Aussage Kenntnis von einer Anschrift in Güntersen mit zwei Personen, die der rechtsextremen Szene zuzuordnen seien. Im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten würde die Situation beobachtet. In den vergangenen Jahren habe es aber keine Einsatzanlässe gegeben.

Grünes Licht gaben die Ratsmitglieder außerdem einstimmig für eine Erweiterung des Alma-Louistenstiftes in Adelebsen. Für weitere sechs Jahre wurde zudem durch Ratsbeschluss Dirk Schodder zum stellvertretenden Ortsbrandmeister von Erbsen ernannt.

 

 
Bottom Line