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Mahnwache an Connys Todesstelle, 17.11.2009Veranstaltungen am 17. November 2009

Ausstellung, Podiumsdiskussion und gemeinsamer Gang zur Mahnwache am 20. Todestag der Antifaschistin Conny

Am Dienstag, den 17.11.2009 fanden verschiedene Veranstaltungen in Göttingen statt. Ab 18 h wurde in der Alten Mensa am Wilhelmsplatz die Ausstellung "Antifaschistische Geschichte sichtbar machen" präsentiert. Zu sehen waren Plakate, Streetart sowie eine Dokumentation der Neugestaltung des Conny-Wandgemäldes an der Roten Flora/Hamburg geben. Hier findet ihr ein Statement zur Notwendigkeit linker Geschichtspolitik und hier Fotos der Wiederherstellung des Wandgemäldes.

Kunstausstellung zum 20. Todestag von ConnyAnschließend gab es um 19 h im selben Saal eine Podiumsdiskussion mit Zeitbeteiligten. Ca. 200 Menschen befanden sich im Saal und diskutierten anschließend mit. Es ging um die politischen Verhältnisse, in denen Conny ermodert wurde, um die Auseinandersetzung von AntifaschistInnen mit Neonazis und der Polizei sowie um den Widerstand nach dem 17.11.1989. Es diskutierten auf dem Podium:

Bernd Langer | ehemal. Autonome Antifa (M)Podiumsdiskussion am 20. Todestag von Conny

Christa Schwalbe und Karin Kuckuk | ehemal. BürgerInnen gegen Rechtsextremismus und Gewalt

Norbert Hasselmann | Kreistagsabgeordntere Bündnis90/DieGrünen

Patrick Humke | Landtagsabgeordntere Die Linke

 

Plakat aus Berlin zum Todestag von Conny, 2009Im Anschluss an die Veranstaltung gab es einen gemeinsamen Gang zur Todesstelle von Conny mit ebenfalls 200 Beteiligten. in der Weender Landstraße. Dort wurde eine Mahnwache mit 300 Menschen abgehalten.
Von der Mahnwache aus setzte sich ein spontaner Demozug in Richtung Innenstadt in Bewegung. Auf dem Marktplatz wurde der freie Lauf der Spontandemo durch die Polizei wieder gestört, bis er sich in Kleingruppen auflöste. Im Laufe der Nacht reagierten Menschen dann auf die Polizeiübergriffe vom Samstag und die Polizeipräsenz an der Todesstelle. Zwei Autos brannten aus und die Fensterscheibe einer Bank war nur noch Scherben. Die Wandlung von Wut und Trauer zu Widerstand wird auch künftig weitergehen.

Demo zur Todesstelle, 17.11.2009 Mahnwache an Connys Todesstelle, 17.11.2009 Mahnwache an Connys Todesstelle, 17.11.2009Mahnwache an Connys Todesstelle, 17.11.2009



Antifaschistische Geschichte sichtbar machen!


Plakat zum 10. Todestag der Antifaschistin ConnyGeschichte wird gemacht! Das gilt auch und insbesondere für die Geschichte linker Bewegungen mit ihren Niederlagen und Erfolgen. Der Tod der Antifaschistin Conny während eines Polizeieinsatzes am 17.11.1989 in Göttingen verdeutlicht diese Tatsache. Während Polizei und Medien wie das Göttinger Tageblatt die Auseiandersetzungen zwischen Neonazis und autonomen Antifas als Schlägereien rivalisierender Jugendbanden verharmlosten, den poltischen Mord an Conny zunächst verschweigen und anschließend als bedauerlichen Unfall verkaufen wollten, stellten AntifaschistInnen dieser Version ihre Sichtweise der entgegen. Die Umstände des Todes der Genossin und Freundin wurde von jenen verbreitet, die Ziel der Angriffe von Staat und Faschisten waren. Hintergrundinformationen wie der Polizeifunkspruch "Sollen wir sie jetzt plattmachen?" wurden veröffentlicht und das Geschehen in seinen gesellschaftlichen Kontext eingeordnet. So wurde der Tod von Conny als ein politischer Mord benannt. In einem Flugblatt, 10 Jahre nach den Ereignissen erklärte die Autonome Antifa (M) dazu:

"Politischer Mord bedeutet, daß ein Mensch im politischen Zusammenhang (Kampf) ums Leben gebracht wurde. Dabei ist es egal, ob dies gezielt geschieht, z.B. durch Erschiessen oder ob er/sie im Zuge einer Aktion oder durch die Umstände ums Leben kam, die auf den Tod von Menschen zielen oder als Faktor einkalkuliert werden. Entscheidend ist, ob sich der Mensch in einen politischen Zusammenhang stellt oder die objektiven Umstände diesen Zusammenhang herstellen."

Plakat zum 7. Todestag der Antifaschistin ConnyIm November 1999 wurden weitere Herausforderungen linker Geschichtspolitik deutlich. Denn während in der öffentlichen Diskussion noch vor 10 Jahren dreiste Lügen und wütende Hetze verbeitet wurden, zeichneten die staatsliebenden Akteure nun ein Bild nach, das die damalige Zeit als "schwierig und turbulent" kennzeichnete. "Alle waren irgendwie überfordert und hatten Angst" und haben sich somit damals wie heute "nichts vorzuwerfen". Neben dem ehemaligen Polizeichef durfte auch ein autonomer Antifaschist im Lokalblättchen Göttinger Tageblatt zu Wort kommen. Friede, Freude, Eierkuchen? Dieser Spielart einer umarmenden Geschichtsverdrehung trat eine kämpferische Demonstration am 19. November 1999 entgegen: An der Todesstelle wurde ein großes Feuer entzündet, Auseiandersetzungen mit der Polizei über die erfolgte Vermummung gesucht. Das Motto "Der Kampf geht weiter! Kein Friede mit Kapitalismus und Polizeistaat!" wurde durch den Charakter der Demo unterstrichen und die unüberwindlichen Widersprüche auf der Straße klargestellt.

Geschichte wird aber nicht nur verbogen und erlogen von unseren politischen Gegnern, sie verblast auch im Bewusstsein unserer eigenen kurzlebigen Zusammenhänge und Bewegungen. Um so mehr ist es die Aufgabe von organisierten Strukturen, das Bewusstsein um die eigene Geschichte weiter zu vermitteln und aufrechtzuerhalten Wer also, wenn nicht wir, schreibt unsere Geschichte?! Antifaschistische Geschichte sichtbar machen!

Handsiebdruckplakat zur Demo am 25.11.1989. Das Motiv diente als Vorlage zum Wandgemälde an der Roten Flora in Hamburg.Am 30. und 31. Oktober 2009 haben HandwerkerInnen und KünstlerInnen aus Göttingen, Hamburg und Bremen das 20 Jahre alte Wandgemälde am autonomen Kultur- und Veranstaltungszentrum Rote Flora in Hamburg wieder hergestellt. Details dieser Restaurierungsaktion sind Teil der Ausstellung "Antifaschistische Geschichte sichtbar machen" am 17. November 2009 in der Alten Mensa in Göttingen.

Das Wandgemälde an der Roten Flora wurde im November 1989 am gerade erst besetzten autonomen Kultur- und Veranstaltungszentrum angebracht. Der politische Mord an Conny in Göttingen fand auch bundesweit seinen Wiederhall
. In zahlreichen Städten fanden 1989 Soliaktionen statt. So wurden verschiedene linke Zentren und Projekte nach Conny Wessmann benannt, in Bremen wurde ein Streifenwagen der Polizei in einen Hinterhalt gelockt und attackiert, in Hambug wurde das Wandgemälde angebracht und damit zur Demonstration am 25.11.1989 nach Göttingen aufgerufen. Es ist bis heute zu sehen, allerdings befand es sich in einem schlechten Zustand.

Bei der nun erfolgten Wiederherstellung wurde zunächst das alte weitgehend beschädigte Motiv weiß überstrichen, um so einen Untergrund für die Neugestaltung zu schaffen. Während im November 1989 mit Pinsel und Wandfarbe gearbeitet wurde, ist das wieder hergestellte Bild als Graffiti entstanden. Verändert wurden lediglich einige Stilmittel, auch ruft das neue Wandgemälde nicht mehr zur bundesweiten Demo am 25.11.1989 auf, sondern mobilisiert zur Demo am 14.11.2009.

Weitere Bilder und Informationen gibt es am 17.11.2009 ab 18.00 Uhr in der Alten Mensa am Wilhelmsplatz in Göttingen zu sehen.

Verwittert und überschrieben: 20 Jahre altes Wandgemälde an der Roten Flora in Hamburg

Bottom Line