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Frontside Broschüre: Klassenbuch

Klassenbuch

Die Broschüre der A.L.I. zum Thema Klassenstandpunkt

Auf über 30 Seiten setzen wir uns in unserer Broschüre mit dem Klassenstandpunkt auseinander, um "die Klasse wieder aus der Bücherecke [zu] holen".

Veröffentlicht wurde die Broschüre am 17. Januar 2007 im Rahmen der Veranstaltung und Release-Party im JuzI.

Die Broschüre kann für 50 Cent zzgl. 1,50 Euro Versandkosten bei uns oder unter www.antifa-versand.de bestellt werden.

Hier könnt ihr die Broschüre als PDF (3,6 MB) downloaden.


Klassenbuch

Einleitung: KLASSENKAMPF UND GRUPPENKEILE

Kein alter Hut: Carlos Marx

Die Arbeit an dieser Broschüre steckte gerade in einer ihrer zahlreichen “heißen Phasen”, da schien für einen kurzen Moment der mediale Mainstream der BRD unsere selbstgestellte Aufgabe übernehmen zu wollen: nämlich die Frage nach Klassen und Klassenstandpunkt im Kapitalismus und der Überwindung desselben in den Fokus der Debatte zu rücken. Aus verschiedenen Gründen hatte die sogenannte “Unterschichtendebatte” auf der einen Seite unglaublich viel, auf der anderen Seite eben auch gar nichts mit unserem Thema zu tun.

Die Geschichte der Debatte ist schnell erzählt. Eine der zahlreichen Statistiken über Lebenslagen in der BRD hatte festgestellt, dass ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung vom gesellschaftlichen Reichtum weitestgehend ausgeschlossen ist. In der Studie hieß das “abgehängtes Prekariat”. Irgendeine Presseagentur übersetzte das, da dieses Wort noch nicht einmal die automatische Rechtschreibkorrektur kennt, mit dem Begriff der Unterschicht. Und obwohl der Begriff noch viel weniger aussagt als der des Prekariats, nämlich eigentlich nur, dass eben einige gesellschaftliche niedriger stehen als andere, was ja auch vorher kein Geheimnis war, geriet die politische und mediale Öffentlichkeit in helle Aufregung.

Der Hauptgrund hierfür ist vermutlich darin zu suchen, dass die Begriffe „Unterschicht“ und „Prekariat“ eben nicht nur die Erwerbslosen umfassen, die bisherals Hauptproblem galten und auf die bisher fast alle beschlossenen “Reformen” (lies: Kürzungen, z.B. die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe) abzielten. Sondern diese beiden Begriffe zeigten offensichtlich das, was vorher beharrlich totgeschwiegen wurde: Armut gehört zur Realität des kapitalistischen Systems, auch in der BRD. Diese simple Wahrheit hatte genug Sprengkraft, um allen, die in diesen Tagen die Öffentlichkeit mit sich vollmachten, einige Sätze zu dem Thema abzuverlangen. Der Tenor war, dass das alles schon ganz schlimm, aber so dann eben doch nicht sei. Die einen erklärten,
der Begriff sei diskriminierend (was einiges über die Gesellschaft aussagt, die den Begriff der Armut diskriminierend findet und nicht die Armut selbst), die anderen
für schlichtweg falsch (was so verkehrt nicht ist, aber dazu später mehr) und wieder andere erklärten, man dürfe nicht vergessen, dass es sich trotzdem um Deutsche handele, die man nicht spalten und sortieren dürfe.

Vor allem letztere sprachen dabei offen aus, was ihr Problem mit den Begrifflichkeiten ist: es muss auf Teufel komm raus vermieden werden, dass die Gesellschaft der BRD und somit die Nation als eine in sich gespaltene und widersprüchliche begriffen wird, die eben kein gemeinsames Interesse hat. Diese Wahrheit entlarvt nämlich das Reform- und Gürtelengerschnallengekreische der letzten Jahre als Interessenpolitik und nimmt ihm den Anstrich des Allgemeinwohls. Aber was die Medien auch immer schreiben mögen, einer dieser Widersprüche, der notwendig in der momentanen, also kapitalistischen Produktionsweise angelegt ist, ist der Klassenwiderspruch.

Wie kaum eine andere Frage hat die Klassenfrage die Geschichte der Gesellschaften und der Linken in den vergangenen 150 Jahren geprägt. Wie ein roter Faden zieht sich der Streit um Klassenantagonismus, Klassenbewusstsein und Klassenzugehörigkeit durch beinahe jede Debatte, die zwischen reformistischen, libertären, revolutionären usw. linken Kräften geführt wurde. Der im Nachhinein oft aufgeblasenen und wenig begründet wirkenden Bedeutung, die dieser Frage beigemessen wurde, steht eine beinahe vollständige Nicht- Beachtung der Frage in den vergangenen Jahren gegenüber. Innerhalb der deutschen radikalen Linken ist „Klasse“ nicht mehr ”in”, genauso wie sie aus dem Fokus der öffentlichen Debatte verschwunden ist.

Wie fatal diese Ausblendung ist, hat sich spätestens bei den sog. ”Montagsdemonstrationen” gezeigt. Das analytische Instrumentarium reichte noch um entweder heraus zu finden, dass der Kapitalismus schuld ist, oder um beteiligte Neonazis zu finden oder eben die Beteiligten zu Neonazis zu machen. Die Frage aber nach einer kritischen Intervention in solche Auseinandersetzungen blieb weitgehend unbeantwortet.

Mit dieser Broschüre wollen wir die Klasse wieder aus der Bücherecke holen. Der erste Teil ist einem mehr oder weniger abstrakten Begriff der Klasse gewidmet. Wir wollen zeigen, dass der Kapitalismus notwendigerweise auf einer Klassengesellschaft beruht, und die Auseinandersetzung mit dieser Klassengesellschaft unverzichtbarer Teil der Kapitalismuskritik ist. Im zweiten Teil wollen wir uns mit der historischen Entwicklung des Klassenbegriffes auseinandersetzen, um nach Anknüpfungspunkten für weitergehende Analysen zu suchen.

Viele Fragen mussten wir leider ausblenden: Die Rolle anderer Herrschafts- und Unterdrückungsformen wie Sexismus und Rassismus werden ebenso ausgeklammert wie eine weitergehende Auseinandersetzung mit Klassenbewusstsein. Das Problem künstlicher Homogenitäten wie „Volk“ und Nation“ und deren Verhältnis in Bezug auf existierende Klassenwidersprüche, musste ebenfalls dran glauben. All das und noch viel mehr ist der Stoff für weitere Diskussionen.

A.L.I.
im Januar 2007

Bottom Line