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Was geht ab?!

Pressemappe Hausdurchsuchung 05.12.2017

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Graffiti an der Stadthalle "Göttinger Polizisten schützen die Faschisten"

Am 12.11.2016 wurden AntifaschistInnen von Neonazis angriffen, die durch die Göttinger Polizei geschützt wurden

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50 Genoss_Innen senden Solidarität nach Dresden!

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Autonome Wohnheimsbegehung in der Geiststraße 10 Wohnraumdemo 16.01.2013

Protest gegen Gentrifizierung und Wohnheimschließungen

Seit ein paar Monaten formiert sich Widerstand gegen die Wohnraumpolitik des Studentenwerks und die Schließungen von Wohnheimen in Göttingen. Mitte 2012 wurde die geplante Schließung des Wohnheims in der Bühlstraße 28 bekannt. Die MieterInnen erfuhren davon erst durch die Zeitung. Schnell kam es zu Solidarität mit den Betroffenen.

Zur gleichen Zeit kam auch heraus, dass der Vorstand des Studentenwerks, Jörg Magull, und der Leiter "studentisches Wn", Jens Vinnen, die Schließung aller Wohnheime mit weniger als 200 Wohnplätzen planen. Ihnen zu Folge sei ein Trend zu Massenwohnheimen mit Einzelzimmern festzustellen. Damit sollen Studierende in Zukunft vereinzelt und die Wohnform WG abgewickelt oder zumindest geschwächt werden. Gerade das gemeinschaftliche Wn führt zu Austausch untereinander und Organisierung von Widerstand in der Vergangenheit. Dagegen konnten Schließungen von Wohnheimen eine gemeinsame Lebens- und Handlungserfahrung in der Vergangenheit deutlich leichter umgesetzt werden. Die Wohnrauminitiative hat die Politik des Studentenwerks öffentlich kritisiert und klar gemacht: "Alle Häuser bleiben!"

Leere Flure statt gutem WnAllein seit 2002 wurden 443 Wohnheimplätze ersatzlos gestrichen. Parallel steigen die Mieten auf dem privaten Wohnungsmarkt in Göttingen seit einiger Zeit dramatisch. Neben der Schwächung solidarischer Wohnformen führt dies insgesamt zu Effekten der Gentrifizierung.

Auf Grund des großen öffentlichen Drucks versucht das Studentenwerk Göttingen nun hinter seine Aussagen zurück zu rudern. Statt Massenschließungen wird nur noch über "einzelne" Wohnheime gesprochen. Unter Rücksicht auf stetige Änderungen kann aber prinzipiell auch in Zukunft jedes Wohnheim betroffen sein. Klar ist, vor allem die Altbauten in der Innenstadt stehen in Frage, vor allem wenn der Renovierungsrückstau eine Sanierung unumgänglich macht.
Aushang von 2010 Leerstand führt zu Verfall
Ein besonderes Beispiel ist die Geisstraße 10. Seit vor drei Jahren über 60 Wohnheimsplätze geschlossen wurden, steht das Gebäude leer. Universität und Studentenwerk schieben sich gegenseitig die Schuld zu während das Gebäude BewrInnen langsam verfällt.

Am 16.01.2013 demonstrierten etwa 250 Menschen auf einer Rave-Demo für bessere Bildung und Wohnraum. Im Anschluss an diese Demonstration fand eine autonome Wohnheimsbesichtigung statt. Neben dem konkreten Fall des Leerstands in der Innenstadt bei gleichzeitiger Wohnungsnot soll deutlich gemacht werden, dass die Auseinandersetzung längst nicht mehr nur Studierende und das Studentenwerk betrifft. Wohnraumkämpfe und Verdrängung durch Gentrifizierung werden in Zukunft auch in Göttingen ein heißes Thema bleiben.

Ähnliches Thema, gleiche Akteure: Kampagne der >A.L.I.< für linke Räume im Herbst 2007.

Nachfolgend unsere aktuelle Pressemitteilung zu Demonstration und Wohnheimsbegehung.

Autonome Wohnheimsbegehung Waschraum

Presseinformationen

Presseinformation vom 16. Januar 2013

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Anschluss an eine heutige Demonstration unter dem Motto „Für gute Bildung & Wohnraum“ haben Studierende eine spontane Besichtigung des ehemaligen Wohnheims Geiststraße 10 durchgeführt und dort eine After-Show-Party gefeiert.

Das Gebäude Geiststraße 10, Teil der alten HNO-Klinik, war ehemals ein Wohnheim des Studentenwerks mit über 60 Wohnplätzen. Es steht seit drei Jahren leer, eine Nutzung nach Rauswurf der Studierenden findet offensichtlich nicht statt. Teilweise finden sich noch Plakate und Einrichtungsgegenstände der ehemaligen BewrInnen.

„Eigentlich sollte lange bekannt sein, wie MieterInnen reagieren, wenn Mieten steigen, Wohnraum abgebaut wird und die Häuser dann auch noch als leerstehende Spekulationsobjekte verkommen.“ erklärte eine Sprecherin der Antifaschistischen Linken International angesichts der Begutachtung durch Studierende.
„Das Studentenwerk repräsentiert mit seinen Plänen nur die Spitze des Eisbergs. Angesichts steigender Mieten im gesamten Wohnungsmarkt muss sich auch in Göttingen des Themas Gentrification angenommen werden.“ so die Sprecherin weiter.

Auf der Demonstration hatten zuvor etwa 250 TeilnehmerInnen begleitet von Rave-Musik Schnee und Kälte weggetanzt. Nach Abschluss der Endkundgebung erreichte die Nachricht der bereits laufenden Besichtigung die Demonstrierenden, von denen sich ein guter Teil direkt auf den Weg zur Geiststraße 10 machte.

Mit antifaschistischen Grüßen!
Antifaschistische Linke International A.L.I.


Medienberichte

Göttinger Tageblatt, 17.01.2013
Hausbesetzung in Göttingen: Polizei räumt Ex-Studentenwohnheim

Die Polizei hat am Donnerstag eine Besetzung des ehemaligen Studentenwohnheims in der Geiststraße 10 beendet und das Haus geräumt. Die letzten verbliebenen elf Besetzer wurden am Mittag von Einsatzkräften, unter anderem Beamte der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE), die das Geschehen filmte, nach draußen getragen.

Ein Besetzer wurde dabei leicht im Gesicht verletzt. Er beklagte das „aggressive“ Vorgehen der Polizei. Gegen ihn leitete die Polizei ein Verfahren wegen Widerstandes und versuchter Körperverletzung ein. Vor dem Haus verfolgten rund 60 Personen, meist Studenten, die Räumung. Von ihnen hatten viele die Nacht in der ehemaligen Hals-Nasen-Ohren-Klinik verbracht. Die Stimmung unter Besetzern und Sympatisanten war friedlich.

Bereits am Mittwochabend hatten nach Besetzerangaben rund 100 Personen das leer stehende Gebäude nach einer Demo besetzt, bei der rund 200 für mehr Bildung und Wohnraum unter dem Motto „Die Verhältnisse zum Tanzen bringen“ demonstrierten. „Wir können nicht verstehen, warum das Gebäude leer steht und nicht genutzt wird“, kommentierte Student Levin B. die Besetzung. 65 Wohnheimsplätze hat es hier bis 2010 gegeben. Die Besetzer forderten, das Haus wieder als Wohnheim zu nutzen.

Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel, die gestern persönlich vor Ort war, zeigte Verständnis für die Aktion und kündigte nicht näher benannte Konzepte der Uni gegen die Wohnungsnot an. „Wir haben das gleiche Ziel“, sagt sie den Besetzern und bot ihnen ein Gespräch am kommenden Dienstag an. Sie kündigte an, Konzepte der Uni gegen die Wohnungsnot vorzustellen. Bedingung: die sofortige Räumung des Hauses.

Als die Besetzer sich weigerten, das ehemalige Wohnheim zu verlassen, stellte die Uni Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs mit der Räumung als Konsequenz. Ein Appell des Kreis- und Stadtvorstands der Grünen Göttingen, von einer Räumung abzusehen, verhallte Wirkung.

Nach der Räumung forderte Patrick Humke, Göttinger Landtagsabgeordneter der Linken, ebenso wie die Grüne Jugend Beisiegel auf, die Anzeigen gegen die Besetzer zurückzuziehen. Die Anliegen der Studierenden nach ausreichend günstigem Wohnraum seien völlig berechtigt, sagte Humke. Die Grüne Jugend verurteilte die „rasche Anordnung der Räumung“.

Es könne nicht sein, dass Wohnmöglichkeiten leer stehen, während viele verzweifelt eine Bleibe suchten. Da das Haus im Besitz der Universität und in keinem schlechten Zustand sei, sollte es kein Problem sein es wieder dem Studentenwerk als Wohnheim zur Verfügung zu stellen. „Wir fordern die Universitätsleitung auf, jetzt endlich über die weitere Verwendung zu entscheiden und hierfür auch mit den Besetzern in Verhandlungen zu gehen.“

Pauline Wildenauer vom Göttinger Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) erklärte: „Sowohl Universität als auch Studentenwerk müssen die Dringlichkeit der Situation verstehen und endlich beginnen, nach außen wahrnehmbar die Bereitstellung günstiger Wohnangebote voranzutreiben beziehungsweise bestehende zu sichern“.

Nach Auskunft von Rainer Bolli, Leiter des Uni-Gebäudemanagements, soll die Sanierung des Hauses im Frühjahr beginnen. Die Uni werde „intensivst investieren“. Die Akademie der Wissenschaft, die keine Einrichtung der Uni ist, will einige ihrer Forschungsprojekte in dem Haus unterbringen.

Die Räumung des besetzten Uni-Gebäudes am Vormittag hatte eine Spontandemo am frühen Donnerstagabend zur Folge. Etwa 70 Personen, neben einigen Teilnehmern vom Morgen auch einige Linksautonome, sammelten sich am Campus zu einem Protestzug durch Weender Straße und Rote Straße zum Wilhelmsplatz. Begleitet wurden die gegen Polizeigewalt und Räumung skandierenden Demonstranten von Einsatzkräften der Polizei.

Die Aktion verlief weitgehend ruhig. Zu körperlicher Gewalt sei es nicht gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Gegen 19.30 Uhr löste sich die Versammlung auf. Der Bereich Weender Tor war zwischenzeitlich für eine halbe Stunde für den Verkehr gesperrt worden.

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HNA, 17.01.2013
Hausbesetzung in Göttingen: Polizei räumte Gebäude

Göttingen. Die Polizei hat am Donnerstag gegen 12.15 Uhr ein früheres Studentenwohnheim an der Geiststraße in Göttingen geräumt, nachdem die Uni Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gestellt hatte.

Studenten hatten die ehemalige HNO-Klinik nach einer Demonstration besetzt.

Ein Großteil der Besetzer hatte das Gebäude zuvor freiwillig verlassen. Elf Personen waren geblieben. Sie wurden aus dem Haus geführt beziehungsweise getragen. Ein 39-Jähriger erlitt dabei leichte Verletzungen im Gesicht.

Er hatte sich geweigert, das Haus zu verlassen. Daraufhin wurde er aus dem Gebäude getragen. Dagegen setzte er sich zur Wehr. Bei der Anwendung von Zwang durch die Polizei wurde er verletzt. Einem Beamten biss der Mann in die rechte Hand. Die Polizei leitete gegen den 39-Jährigen und zehn weitere Beteiligte Verfahren ein.

Bis 2010 nutzte das Studentenwerk die alte HNO-Klinik an der Geiststraße als Wohnheim, das etwa 60 Unterkünfte bot. Vor drei Jahren ging die Immobilie dann wieder in den Besitz der Universität über, die dort neue Forschungseinrichtungen unterbringen wollte. Bislang steht das Haus jedoch leer. Bereits seit der Besetzung am Vorabend haben einige der rund 60 Studierenden im Inneren der alten Klinik campiert. Ein Berg von Schlafsäcken und Getränkepaketen vor dem Haus steht Zeuge für die nächtliche Aktion.

Die Kritik der Studenten: Das Gebäude wurde über einen Zeitraum von drei Jahren unterhalten und trotz Leerstand beheizt. Das sei eine Schande bei der aktuell mehr als knappen Wohnsituation. Gegen 8 Uhr morgens schaltet sich dann das Gebäudemanagement der Universität ein, um die Besetzer aus dem Haus zu bitten. Dieser Versuch bleibt jedoch Erfolg, berichtet Managementleiter Rainer Bolli. „Wir verstehen das Anliegen der Studenten, sind aber in erster Linie für die Forschung zuständig und nicht für den Wohnraum“, so Bolli.

„Wir verhalten uns hier friedlich und machen nichts kaputt, aber wir wollen ernst genommen werden“, lautet die Forderung von Studentin Malika vor dem Haus. In warme Jacken und Decken vermummt stehen dort etwa drei Dutzend junger Menschen. Einige Mädchen haben wärmend die Arme umeinander geschlungen.

Am Vormittag kommt die Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel auf eine Stippvisite vorbei. Sie bekundet Verständnis für das Anliegen der Studenten und lädt eine kleine Abgeordnetenschaft zu einem friedlichen Gespräch am kommenden Dienstag ein. Beisiegel macht aber deutlich, dass eine andauernde Besetzung keine Verhandlungsbasis sei.

Leerstand trotz Engpass

Das Gebäude habe über drei Jahre leergestanden, weil es an einem schlüssigen Nutzungskonzept, später an Finanzierungsmöglichkeiten fehlte, erklärt Universitätspressesprecher Thomas Richter. Man habe aber im vergangenen Jahr entschieden, neue Forschungsprojekte der Akademie der Wissenschaften in der früheren Klinik unterzubringen.

Nach langem Warten und fehlgeschlagenen Verhandlungsversuchen, stellte die Universität gegen Mittag einen Strafantrag bei der Polizei. Gegen 12.30 Uhr begann das Beamten-Aufgebot, das Gebäude über den Hinterhof zu räumen. Zu Ausschreitungen kam es nicht. Gespräch am Dienstag Abzuwarten bleibt das Ergebnis des geplanten Gesprächs am Dienstag. Fest steht derzeit, dass die Aktion zumindest an den Plänen für das Gebäude an der Geiststraße nichts ändern wird, bestätigt der Universitätssprecher. Die Anträge lägen derzeit im Ministerium. Sobald es grünes Licht für die Finanzierung gibt, soll der Umbau im Frühjahr beginnen.

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Monsters of Göttingen , 17.01.2013
Nach Demo Wohnheim „wiedereröffnet“

Bei winterlichem Schnee und niedrigen Temperaturen sammelten sich gegen 18 Uhr ca. 300 Leute um den Lautsprecherwagen auf dem Zentralcampus. Der Anlass war eine Rave-Demo zu den Missständen in der aktuellen Bildungspolitik und der Göttinger Wohnraumsituation. Doch zu Beginn ahnten wohl noch nicht alle Teilnehmer_innen, dass außer kreativen Aktionen wie Feuerwerk und Luftballons auch eine Besetzung geplant war.

Kameras auf Luftballons

Stark präsent war auch der schon gewohnte Geleitschutz – die Polizei. Das Thema Wohnraum ist den Beamt_innen wohl nicht entgangen, so dass vor jeden der einschlägigen Göttinger Wohnprojekten bereits ein polizeiliches Kamerateam bereit stand. Gefilmt wurde dabei Gnade, sogar harmlose Luftballons, die aus dem Fenster des „Here To Stay“-Wohnhauses in der Gotmarstraße purzelten, wurden gewissenhaft aufgezeichnet.

Die Teilnehmer_innen hatten gute Laune, tanzten durch die Stadt und feierten friedlich zur Musik vom AK Tanzpädagogik. Aus verschiedenen studentischen Wohnhäusern, die auf der Route lagen, wurde Feuerwerk abgeschossen. So war die Polizei schwer beschäftigt eine Ordnungswidrigkeit nach der anderen auf ihren Videokameras zu dokumentieren. „Ich hoffe ihr stellt das auf Youtube!“, pöbelte eine Teilnehmer_in.

Bis zum Ende der Veranstaltung waren keinerlei Anzeichen einer geplanten Besetzung zu vernehmen. Aufgelöst wurde die Demo auf dem Wilhelmsplatz mit der Ankündigung einer After-Show-Party in der Geiststraße 10. Wer sich ein wenig in der Wohnheimsgeschichte der Stadt auskennt, erinnerte sich wohl schnell, dass dieses Haus seit längerem leer steht. Da dürfte dann nach einigen Sekunden überlegen klar gewesen sein, dass diese Party der Auftakt einer Besetzung sein könnte. Und so machten sich zügig kleinere Gruppen Menschen auf in die Geiststraße.

Party und Plenum in der Geiststraße

Unmittelbar nach dem Aufruf waren bereits zahlreiche Einsatzkräfte vor Ort. Die Geiststraße 10 wurde von einer Gruppe Aktivist_innen im Vorfeld besetzt. Etwa 70 bis 100 Menschen folgten dem Aufruf. Das Aufgebot der Polizei nahm relativ schnell ab. Vorher ließen es sich die Beamt_innen nicht nehmen, im Innenstadtbereich vermeintlich verdächtige Personen zu kontrollieren. Bis Mitternacht hielt ein Einsatzwagen an der Ecke Goetheallee noch Wache. In die Besetzung eingegriffen hat die Polizei nicht.


Das ehemals studentische Wohnheim wurde im Februar 2010 vom Göttinger Studentenwerk geschlossen. Als Grund wurde angegeben, dass das Gebäude langfristig umgestalten werden soll.

„Dieses Haus steht seit drei Jahren leer, dass die angekündigte Umgestaltung umgesetzt wurde. Dutzenden Studierenden wurde gekündigt, die hier bis dahin lebten“, so eine Sprecher_in der Aktivist_innen. In der Geiststraße 10 wäre Platz für rund 65 Personen.

Zudem ist das ehemalige HNO-Klinikgebäude barrierefrei. „Ich kenne eine der Personen, die hier mal gewohnt hat und auf barrierefreie Wohnplätze angewiesen ist. Davon gibt es in Göttingen leider nicht wirklich viel, was das prekäre an der Schließung genau dieses Wohnheims aufzeigt“, so die Sprecher_in weiter. Trotz der drei Jahre Leerstand ist die Bausubstanz auf den ersten Blick immer noch gut erhalten. Hier und da kommt der Putz von den Wänden und es gibt leichte Mängel am Fundament. Die sanitären Einrichtungen sind fast komplett entfernt.

Es dauerte nicht lange, bis sich ein Plenum in dem besetzten Haus stattfand, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Eine Plenumsteilnehmer_in erklärte anschließend: „Die Besetzung steht in erster Linie symbolisch dafür, dass wir uns die Politik des Studentenwerks in Bezug auf den studentischen Wohnraum nicht länger gefallen lassen wollen. Wie es hier in der Geiststraße genau weiter geht werden wir dann sehen.“ Die Aktivist_innen haben die Uni bereits über die Besetzung informiert. Im Laufe des Abend gab es noch keine Reaktion.

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Monsters of Göttingen , 17.01.2013
Uni räumt besetztes Wohnheim

Nach nur einer Nacht hat die Universität Göttingen am Donnerstagmittag die Besetzung eines leerstehenden Gebäudes von der Polizei räumen lassen. Ein Besetzer wurde dabei verletzt. Insgesamt 70 Studierende könnten in dem ehemaligen Wohnheim untergebracht werden, sagten die AktivistInnen. Die Uni will es lieber für die „Akademie der Wissenschaften“ nutzen.

Das nach einer Demonstration besetzte ehemalige Wohnheim in der Geiststraße ist wieder von der Polizei geräumt worden. Am Vorabend, nachdem die Besetzung stattgefunden hatte, herrschte zunächst Überraschung, da eigentlich mit einer umgehenden Reaktion der Polizei gerechnet wurde. Doch die zog zunächst nach und nach – und schließlich komplett – ab. Am frühen Morgen schließlich hörten die Besetzer_innen dann doch von der Universitätsleitung.

Sogar die Präsidentin Ulrike Beisiegel war vor Ort und sprach kurz mit den Anwesenden. Sie bot einen Gesprächstermin in der kommenden Woche an und äußerte vage Bereitschaft, auch für eine Podiumsdiskussion zur Verfügung zu stehen. Die neu eingezogenen Studierenden, daran ließ Beisiegel aber von vornherein keine Zweifel, sollten möglichst sofort das leerstehende Gebäude verlassen. Dafür wurde von den Verantwortlichen des Gebäudemanagements ein Ultimatum bis 10 Uhr gesetzt. Auf Nachfrage von Monsters verwies der Leiter des Gebäudemanagements Rainer Bolli auf ordnungsrechtliche Gründe: „Baurecht, Hygiene und Brandschutz“ wurden als Begründung für die zügige Räumung genannt.

Den rund 50 BesetzerInnen schwebte jedoch anderes vor: „Wenn man uns ließe, würden wir bleiben“, so ein Teilnehmer der Besetzung. Über Nacht hätten sich genug Gelegenheiten geboten, das Gebäude zu erkunden. Laut den BesetzerInnen wäre es in der Geisstraße 10 möglich, mindestens 70 Studierende unterzubringen. Außerdem entdeckten die BesetzerInnen 2 Proberäume und zahlreiche andere Räume, die man ihnen zufolge „kreativ und öffentlich“ nutzen könne.

„ Polizei scheint es doch nicht zu gehen“, stellte schließlich um 11 Uhr der Leiter des Gebäudemanagements, Rainer Bolli, fest. Kurz darauf erschien auch sein frischgebackener Vorgesetzter: Norbert Lossau, der seit dem Jahresbeginn Vizepräsident der Universität und nun unter anderem für die Immobilien verantwortlich ist.

Nach einer Besprechung mit den wenigen Polizeibeamten vor Ort schien es dann langsam ernst zu werden. Um die Ecke am Groner Tor stand die Staatsschutzabteilung der Göttinger Polizei mit gleich sieben zivilen Fahrzeugen parat, musste aber noch bis kurz nach 12 Uhr warten, bis schließlich die neue Göttinger Beweissicherungs- und Festnahme-Einheit (BFE) erschien – mit aufgezogenen Schutzhelmen und der Hand am Schlagstock.

Bei der Räumung ging es zwat rabiat, aber verhältnismäßig glimpflich zu. Einem Schwung BesetzerInnen wurde ein letztes Ultimatum gestellt. Sie durften unbehelligt das Gebäude verlassen. Etwa zehn Personen blieben noch etwas länger im Gebäude – weshalb sie dann einzeln abgeführt wurden. Einer der BesetzerInnen wurde dabei leicht im Gesicht verletzt. Die Beamten der Staatsschutzabteilung nahmen die AktivistInnen mit und erfassten die Personalien, dann waren aber alle wieder frei. Um 13 Uhr rückten die BeamtInnen dann wieder ab. Im Gebäude entfernte Personal der Universität noch Griffe von Fenstern und verschloss Türen, wohl um eine baldige Wiederholung zu verhindern.

Als „absolut inakzeptabel“ bezeichnete Studentenwerks-Leiter Jörg Magull gegenüber Monsters ein Transparent mit seiner Adresse darauf, dass die BesetzerInnen am Haus aufgehängt hatten. „Seit gestern Abend fährt die Polizei halbstündig Streife“, sagte Magull. „Meine Familie und ich werden als gefährdete Personen eingestuft.“

Die Zukunft des Gebäudes steht der Universität zufolge hingegen fest. Eine Nutzungseinbarung sei mittlerweile fertig; „der Finanzierungsantrag liegt im Ministerium in Hannover“, so Rainer Bolli Auf Nachfrage von Monsters erklärte die Universitätsleitung, das Gebäude würde in Zukunft von der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen genutzt werden. „Entsprechende Baumaßnahmen beginnen voraussichtlich noch in diesem Jahr“, so Romas Bielke von der Pressestelle der Universität.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben elf Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruchs sowie eines wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet.

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NDR , 17.01.2013
Polizei räumt besetztes Uni-Gebäude

In Göttingen ist am Donnerstag die Besetzung der früheren Hals-Nasen-Ohren-Klinik von der Polizei beendet worden. Die Beamten räumten das Gebäude der Universität. Die Aktion sei weitestgehend friedlich verlaufen, so eine Polizeisprecherin. Ein junger Mann, der sich bei der Räumung gewehrt habe, sei beim Heraustragen leicht verletzt worden. Insgesamt hatten etwa 70 Personen das seit mehreren Jahren leer stehende Gebäude am Mittwoch besetzt. Sie hätten dort im Anschluss an eine Demonstration für mehr Wohnraum dort zunächst eine "After-Show-Party" gefeiert, teilte die "Wohnrauminitiative Göttingen" mit.

Im Gebäude wurden bis zur Schließung vor drei Jahren etwa 65 Wohnheimplätze für Studenten angeboten. Ein neues Nutzungskonzept gibt es bis jetzt noch nicht. "Das Unipräsidium hat mit der Durchsetzung der Räumung heute gezeigt, dass es die Studierenden und ihre Probleme bei der Wohnungssuche nicht ernst nimmt", sagte Christoph Höland vom Allgemeinen Studierenden-Ausschuss am Donnerstag.

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Monsters of Göttingen , 17.01.2013
Lauter Protest gegen Räumung

Nachdem am Mittag das besetzte Wohnheim in der Geiststraße wieder geräumt wurde, protestierten am Abend noch einmal gut 80 Menschen mit einer spontanen, lauten Demonstration gegen das Vorgehen von Universität, Studentenwerk und Polizei. Vom Universitätscampus zog ein Demonstrationszug bis zum Wilhelmsplatz. Dabei wurde er mehrfach gewaltsam von der Polizei gestoppt.

Die Göttinger Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) stand bereits rund um den Uni-Campus parat, als sich dort etwa 80 Menschen sammelten. Nach kurzer Besprechung wurde zunächst beschlossen, über die Kreuzung Goßlerstraße/Nikolausberger Weg in Richtung Innenstadt zu ziehen.

Nachdem das aber an einer Kette Polizisten scheiterte, ging es über den Campus zurück und dann in die Weender Landstraße vor das „Iduna-Zentrum“. Eilig herbeigeeilte Polizisten in voller Schutzkleidung mit Helmen stoppten den Demonstrationszug rabiat, so dass er nicht weiter in Richtung Innenstadt ziehen konnte. Dabei schlug die Polizei auch unvermittelt mit Fäusten auf Teilnehmer_innen des Aufzugs ein. Mindestens ein Mann erhielt dabei einen Faustschlag ins Gesicht.

Nach dem stoppen des Aufzugs war die Straße blockiert, so dass die Demonstranten schließlich gewaltsam und rabiat auf den Bürgersteig neben dem „Conny“-Mahnmal gedrängt wurden – und von da an die Straße von einer Kette Polizisten blockiert war. Nun geschah lange nichts, eher am Rande spielten sich ein paar Szenen ab – die BFE versuchte, eine Person festzunehmen, was mißlang. Ein wartender Jeep-Fahrer platzte der Geduldsfaden – und musste von Polizisten zur Ordnung gerufen werden. Nachdem der Demonstrationszug lange gestanden hatte, kam ein Anwalt hinzu und es wurde verhandelt. Nachdem die Argumente ausgetauscht waren, ließ die Polizei den Demonstrationszug in die Innenstadt weiterziehen als wäre nichts gewesen.

Mit lauten Parolen ging es dann durch die Fußgängerzone. Die Menge skandierte lautstark Parolen gegen das Studentenwerk und die Polizei. Immer wieder rief sie „Staat, Nation, Studentenwerk – Scheiße!“ und „Die ganze Stadt hasst die Polizei!“. Mietwesen und Privateigentum an Wohnraum wurden ebenfalls kritisert, als die Menge rief: „Kein Gott, kein Staat, keine Mietvertrag!“. Über den Platz vor dem alten Rathaus ging es weiter in die Rote Straße, wo der Demonstrationszug schon von etwas Feuerwerk empfangen wurde.

Im Eiltempo lief die Demonstration dann noch einmal durch die Burgstraße auf den Wilhelmsplatz, von wo aus sich der Demonstrationszug dann nach eineinhalb Stunden auflöste. Die Polizei blieb mit einem Großaufgebot vor Ort. Bereits den ganzen Tag über patrouillierte sie verstärkt im Innenstadtbereich.

 

 

 

Bottom Line